LICHT AUF DEM WEG

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

1. GOTT UND SEINE OFFENBARUNG.. 1

2. DIE SCHÖPFUNG, DER MENSCH UND DIE SÜNDE. 2

3. CHRISTUS UND DIE ERLÖSUNG.. 2

4. DIE RECHTFERTIGUNG DURCH DEN GLAUBEN ALLEIN. 3

5. DIE HEILIGUNG ODER DIE GUTEN WERKE, DAS GEBET UND DAS KREUZ IM CHRISTENLEBEN  3

6. DER HEILIGE GEIST. 4

7. DIE HEILSORDNUNG.. 4

8. DIE GNADENMITTEL. 6

9. DIE KIRCHE ODER GEMEINDE JESU CHRISTI 6

10. DAS PRIESTERTUM ALLER GLÄUBIGEN UND DAS HEILIGE PREDIGTAMT. 7

11. DIE GEMEINDE JESU CHRISTI UND DER STAAT. 8

12. EHE UND FAMILIE. 8

13. DIE WIEDERKUNFT JESU CHRISTI UND DAS JÜNGSTE GERICHT. 8

 

 

1. GOTT UND SEINE OFFENBARUNG

 

    1. Es gibt nur einen wahren Gott. Er hat sich, schon im Alten Testament, als der dreieinige Gott geoffenbart, ein Wesen in drei Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Dies zeigt uns Jesu Missions- oder Reichsbefehl an seine Jünger, zu taufen "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", Matth. 28,19; aber auch schon die Mehrzahlform bei der Schöpfung "Lasset uns Menschen machen", 1 Mose 1,26; auch 2 Sam. 23,1.2; Jes. 6,3. Jeder, der diesen Gott nicht allein ehrt, verehrt einen anderen, einen falschen Gott, einen Gott, den es tatsächlich gar nicht gibt, der ein Götze ist, denn Jesus Christus sagt: "Wer den Sohn nicht ehret, der ehret den Vater nicht, der ihn gesandt hat." Joh. 5,23.

    2. Gott läßt sich für jedermann durch die natürliche Gotteserkenntnis erkennen, nämlich aus Gottes Offenbarung in der Natur und im Gewissen, denn "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündiget seiner Hände Werk." Ps. 19,2. "Gottes unsichtbares Wesen, das ist, seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, so man des wahrnimmt an den Werken, nämlich an der Schöpfung der Welt." Röm. 1,20; und "Des Gesetzes Werk sei beschrieben in ihrem Herzen, da ihr Gewissen sie bezeuget, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder entschuldigen." Röm. 2,15. Darum gibt es für den Gottesleugner keine Entschuldigung. Wir haben zwar in der Natur nur eine teilweise Offenbarung Gottes, eine, die ganz unzureichend ist zur Seligkeit, aber "dieweil sie wußten, daß ein Gott ist, haben sie ihn nicht gepriesen als einen Gott, noch gedanket, sondern sind in ihrem Dichten eitel geworden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert." Röm. 1,21.

    3. Gott hat sich uns völlig offenbart in seinem Heiligen Wort und in seinem Sohn, unserem Herrn Jesus Christus. "Niemand hat Gott je gesehen. Der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündiget." Joh. 1,18. Besonders hat sich Gott in Jesus Christus als der Heiland geoffenbart, der "also ... die Welt geliebet hat, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Joh. 3,16.

    4. Gott hat seine Heilige Schrift, die Bibel, gegeben, um uns Menschen seine Gnade in Jesus Christus zu verkündigen. Im Alten Testament hat Gott wiederholt seinem Volk den göttlichen Erlöser von Sünde, Tod und Hölle verheißen. Das Neue Testament bezeugt, daß die Verheißung erfüllt, daß dieser Erlöser in der Person Jesu von Nazareth gekommen ist. Die gesamte Schrift Alten und Neuen Testamentes zeugt von Jesus Christus. Er sagt selbst von der Schrift: "Sie ist's, die von mir zeuget." Joh. 5,39; Luk. 24,27; 1 Kor. 2,2.

    5. Gott der Heilige Geist hat uns die Schrift gegeben durch Menschen, die er dazu erwählte und die er gebrauchte, mitsamt der Sprache, die sie kannten, und dem Schreibstil, der ihnen eigen war. Er gebrauchte Mose und die Propheten, um das Alte Testament in der hebräischen Sprache (einige Teile in der aramäischen) zu schreiben, und die Evangelisten und Apostel, um das Neue Testament in der griechischen Sprache zu schreiben, indem er es ihnen Wort für Wort einhauchte, 2 Tim. 3,16.

    6. Gott der Heilige Geist hat also durch ein Wunder, das über alle menschliche Wissenschaft geht, diese heiligen Männer inspiriert, daß sie  sein Wort geschrieben haben. Diese "heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem Heiligen Geist", 2 Petr. 1,21. Was sie redeten, wurde geredet "nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Heilige Geist lehret", 1 Kor. 2,13. Jeder Gedanke, den sie ausdrückten, jedes Wort, das sie verwendeten, wurde ihnen vom Heiligen Geist eingehaucht. Paulus schreibt an Timotheus: "Alle Schrift ist von Gott eingegeben." 2 Tim. 3,16. Wir bekennen darum die wörtliche Inspiration der Schrift, eine Inspiration Wort für Wort (Verbal- oder Wörterinspiration).

    7. Die Heilige Schrift, als des Heiligen Geistes Buch, das allein Gott als Autor, Urheber und Verfasser hat, ist ein geschlossenes Ganzes, absolut wahr, irrtumslos und widerspruchslos in allem, was sie sagt, auch den naturwissenschaftlichen und historischen Aussagen; denn unser Heiland sagt: "Die Schrift kann nicht gebrochen werden." Joh. 10,35. Sie ist daher die unfehlbare Autorität und der Wegweiser für alles, was wir glauben und tun. Sie ist vollkommen ausreichend, daß sie uns alles klar lehrt, was wir zur Seligkeit, Errettung, wissen müssen, uns "unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus", 2 Tim. 3,15, und geschickt machen kann zu allem guten Werk, 2 Tim. 3,17. Weitere Offenbarungen sind nicht verheißen und nicht zu erwarten.

    8. Die Heilige Schrift ist darum absolut glaubwürdig und zu nehmen gemäß ihren eigenen Bedingungen, indem wir als sachliche Geschichte annehmen, was sie als Geschichte vorträgt, als Bildsprache erkennen, was die Schrift selbst als solche andeutet, als Poesie lesen, was als solche augenscheinlich ist. Die Schrift erklärt sich selbst, indem die klaren Stellen die schwieriger zu verstehenden erleuchten Keine andere Autorität, sei es die menschliche Vernunft, die Wissenschaft oder die Gelehrsamkeit, darf über die Schrift zu Gericht sitzen oder das Schriftverständnis leiten oder beeinflussen. Rechte, von Gott geleitete, Christus unterworfene Gelehrsamkeit wird treulich den wahren Sinn der Schrift zu erörtern suchen, ohne sich anzumaßen, über sie zu urteilen.

    9. Die Heilige Schrift kann nur dann richtig verstanden werden, wenn die beiden Predigtweisen Gottes, Gesetz und Evangelium, richtig unterschieden, 2 Tim. 2,15, und recht angewandt werden: Das Gesetz, das nur fordert, straft, verdammt, aber nichts gibt, weckt in uns durch die Reue die Frage nach der Errettung im Jüngsten Gericht, Apg. 16,30. Kern und Stern der Heiligen Schrift ist das Evangelium Gottes in Christus Jesus von der freien Errettung des Sünders allein aus Gnaden, allein um Christi willen, allein durch den Glauben. Nur wenn wir darum das Zentrum der Schrift, Jesus Christus, den Gekreuzigten, suchen, lesen wir die Bibel recht, 1 Kor. 2,2; Joh. 5,39; Eph. 2,8.9; Röm. 3,28.

    10. Die wahre Lehre der Bibel drücken die drei allgemeinen Glaubensbekenntnisse - das Apostolische, das Nizänische, das Athanasianische - sowie die lutherischen Bekenntnisse im Konkordienbuch des Jahres 1580 und die Kurze Lehrdarstellung aus dem Jahr 1932 aus. Weil die Lehren, die sie bekennen, nur der Schrift entnommen sind, sind wir auch in unserem Glauben, Lehren und Leben an sie gebunden und muß alles Predigen und Lehren in den rechtgläubigen, bibeltreuen Kirchen und Schulen mit diesen Bekenntnissen übereinstimmen.

    11. Wir verwerfen daher die Behauptung, nur ein Teil der Schrift sei Gottes Wort; es sei möglich, daß es in der Schrift wirkliche Fehler gebe, es sei auf religiösem wie nicht-religiösem Gebiet.

    12. Wir verwerfen alle Ansichten, die die Heilige Schrift nicht als Gottes absolut irrtumslose und widerspruchlose Offenbarung anerkennen; ebenso alle, die in ihr nur eine menschliche Urkunde von Gottes Offenbarung sehen, die der menschlichen Unvollkommenheit unterworfen sei.

    13. Wir verwerfen den Versuch, Jesus Christus, das Wort Gottes, zu trennen von dem geschriebenen Gotteswort und ihn anderswo als allein im geschriebenen Gotteswort zu suchen.

    14. Wir verwerfen jeden Versuch, die Bekenntnisse zu bloß zeitbedingten, historischen Dokumenten herabzusetzen, die für die Kirche heute nur bedingte Verbindlichkeit hätten oder sie durch neue "Einigungsdokumente" zweitrangig zu machen. Wir verwerfen ebenso die Behauptung, daß die Kirche nur an diejenigen Schriftlehren gebunden sei, die in den Bekenntnissen dargelegt seien und nicht an alle Schriftlehren.

    Das lehrt die Bibel über Gott und seine Offenbarung; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

2. DIE SCHÖPFUNG, DER MENSCH UND DIE SÜNDE

 

    1. Das Universum, die Erde, der Mensch und alle Lebewesen sind am Anfang aller Zeit von dem dreieinigen Gott durch sein Wort geschaffen worden, jedes nach seiner Art; und alles war sehr gut, 1 Mose 1 und 2; 2 Mose 20,11; Hebr. 11,3. Das geschah während sechs normaler Tage durch die Kraft des göttlichen Allmachtswortes, da er sprach: "Es werde."

    2. Die Bibel gibt uns in ihren ersten beiden Kapiteln einen absolut richtigen, wahren historischen Bericht von der Schöpfung.

    3. Gott schuf den Menschen zu seinem Ebenbilde, 1 Mose 1,26, das heißt heilig und gerecht. Das Denken, Begehren und Wollen der ersten beiden Menschen, Adams und Evas, war in völligem Einklang mit Gott, Kol. 3,10; Eph. 4,24, und ihnen war die Fähigkeit gegeben, sich Gottes Schöpfung untertan zu machen, 1 Mose 1,28.

    4. Aber wir Menschen haben dieses göttliche Ebenbild verloren, als der Mensch in die Versuchung Satans im Garten Eden einwilligte, an Gottes Wort zwweifelte, sein wollte wie Gott und so dem Gebot Gottes unbehorsam war, 1 Mose 3. Dies brachte über ihn die Wirkung des Urteils Gottes: "Du wist des Todes sterben." 1 Mose 2,17. Seit der Zeit ist die Menschheit in Sünden umpfangen und geboren, Ps. 51,7, "Fleisch, vom Fleisch geboren", Joh. 3,6, allem Guten abgeneigt und allem Übel zugeneigt, abgrundtief verdorben, kurz: tot in Übertretungen und Sünden, unfähig, von sich aus an Gott zu glauben, Gott zu lieben, Gutes zu tun, sich selbst mit Gott zu versöhnen oder auch nur irgendetwas dazu beizutragen, 1 Mose 8,21; Eph. 2,1-3. (Erbsünde, oder sündiges Wesen, woraus alle Charakter- und Tatsünden folgen.) (Der Tod, die Folge der Sünde, ist ein dreifacher: der geistliche Tod ist die erste Wirkung, eben dieses tot sein in Übertretungen und Sünden, das Getrenntsein von Gott. Das muß überwunden werden, wenn uns nicht der Tod als das körperliche Sterben oder die Trennung von Leib und Seele, was über alle Menschen kommt, sogleich in den ewigen Tod, die Verdammnis, die ewige Trennung von Gott, führen soll. Der geistliche Tod kann nur überwunden werden durch die geistliche Wiedergeburt oder Bekehrung, die Gott durch sein Evangelium in Taufe und Wort an uns Menschen wirken will, indem er uns zur Erkenntnis unserer Sünde und Verlorenheit führt und dann den Glauben an den einzigen Heiland Jesus Christus weckt. Zwar muß auch der Christ noch den leiblichen Tod sterben, aber er ist dann doch errettet vom ewigen Tod oder der Verdammnis, und der leibliche Tod ist für ihn der Übergang ins Paradies, die ewige Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott.

    5. Wir verwerfen die Evolutionstheorien (theistische und atheistische), die entgegen der Bibel die Entstehung des Universums und des Menschen in einer, wenn vielleicht auch von Gott angestoßenen, natürlichen Entwicklung sehen.

    6. Wir verwerfen alle Auslegungen, die die ersten Kapitel der Bibel zu einer Erzählung von symbolischen Fabeln oder poetischen Berichten, die keinen sachlichen historischen Inhalt liefern, reduzieren.

    7. Wir verwerfen alle Ansichten, die im Menschen noch innewohnendes Gutes sehen, und seien es nur Reste, die durch die Gnade nur angeregt werden müßten, die seine natürliche Anlage bloß als Schwäche, die nicht sündlich sei, ansehen und so die abgrundtiefe Verdorbenheit leugnen.

    Das lehrt die Bibel über die Schöpfung, den Menschen und die Sünde; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

3. CHRISTUS UND DIE ERLÖSUNG

 

    1. Jesus Christus ist der ewige Sohn Gottes, von Ewigkeit her vom Vater geboren, nicht geschaffen, Joh. 1,1.2. In der Fülle der Zeit, also als Gottes Zeit da war, nahm er die wahre, vollständige menschliche Natur, doch ohne Sünde, in seine göttliche Person auf, Gal. 4,4, als er durch ein Wunder des Heiligen Geistes als Kind in der Jungfrau Maria empfangen wurde. Der Engel Gabriel bezeugt: "Das in ihr geboren ist, das ist von dem Heiligen Geist." Matth. 1,20. Jesus Christus ist der wahre Gottmensch, wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person, in der die beiden Naturen unvermischt und unzertrennt in innigster Gemeinschaft zusammen sind und einander ihre Eigenschaften mitteilen, Kol. 2,9. Er ist der Immanuel, der Gott mit uns, Matth. 1,23.

    2. Jesus Christus hat von Ewigkeit die Fülle der Gottheit, also alle göttliche Macht, Weisheit und Herrlichkeit, besessen, Kol. 2,29, auch während seines Erdenlebens. Nur hat er sie während seines Erdenlebens zumeist verborgen gehalten; nur zuweilen trat sie hervor, etwa in seinen Wundern, Joh. 2,11. Denn während er auf Erden lebte, nahm er die Gestalt eines Knechtes an und hielt die stete und volle Offenbarung und den Gebrauch seiner göttlichen Eigenschaften verborgen, Phil. 2,5-8. Während dieser Zeit sehen wir ihn wie einen Mensch unter Menschen leben, indem er selbst das Gesetz, für uns, erfüllt, indem er, für uns, Leiden erträgt und sich erniedrigt zum schmachvollen Tod am Kreuz, Phil. 2,7.8. Aber er ist mit verklärtem Leibe wieder auferstanden aus dem Grabe, dann gen Himmel gefahren und sitzt dort zur Rechten Gottes erhöht und herrscht mit Macht über die Welt, mit Gnade in seiner Kirche und mit Herrlichkeit in Ewigkeit, Phil. 2,9-11.

    3. Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, wurde vom Vater gesandt, um sich zur Erlösung der Menschheit zu erniedrigen; und er wurde dann erhöht zum Beweis, daß er diese seine Aufgabe, die vor aller Zeit im Rate der Dreieinigkeit beschlossen war, Eph. 1,4, vollkommen erfüllt hat. Jesus Christus kam, um das Gesetz stellvertretend für uns vollkommen zu erfüllen, Matth. 5,17, so daß durch seinen vollkommenen Gehorsam alle Menschen als gerecht vor Gott angesehen werden sollten, Röm. 5,19. Er kam, "unser aller Sünde" "als das Lamm Gottes" zu tragen, Jes. 53,4-6; Joh. 1,29, und uns durch sein Opfer für die Sünde auf dem Altar des Kreuzes loszukaufen, Matth. 20,28; 1 Petr. 1,18.19 und Gottes Zorn zu stillen, Röm. 5,9.10. Er ist der von Gott bestimmte Stellvertreter für alle Menschen: Seine Gerechtigkeit ist vom Vater als unsere Gerechtigkeit angenommen, die Welt ist versöhnt, 2 Kor. 5,18.19; sein Tod für die Sünde ist als unser Tod angenommen, 2 Kor. 5,21. Die Auferstehung Jesu Christi ist Gottes Siegel auf Christi Lehre, Leben und Opfer für uns und bestätigt uns, daß Gott sein Opfer zur vollständigen Genugtuung für unsere Sünden angenommen hat, Röm. 4,25.

    4. Gott hat in Christus "die Welt mit ihm selber" versöhnt, 2 Kor. 5,19, denn Jesus Christus ist das "Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt", Joh. 1,29. Die Barmherzigkeit und Gnade Gottes in Jesus Christus ist also allumfassend und gilt allen Menschen aller Zeiten, Joh. 4,42; die Versöhnung durch Christus ist allgemein, also für die ganze Welt, alle Menschen, geschehen, 2 Kor. 5,19; Röm. 5,18; der Freispruch oder die Gerechtsprechung der Sünder, die Vergebung der Sünden, ist eine vollbrachte Tatsache für alle Menschen. Wegen des stellvertretenden Werkes Christi hat Gott die ganze Menschheit gerechtfertigt, das heißt, er hat das Urteil: "Nicht schuldig" über sie ausgesprochen. Das bildet den festen, objektiven Grund dafür, daß der Sünder seiner Seligkeit gewiß sein kann, nämlich daß er trotz seiner tatsächlich vorhandenen Sünde jetzt und im Jüngsten Gericht freigesprochen ist, Joh. 5,24 (objektive Rechtfertigung).

    5. Wir verwerfen jegliche Lehre, die das Werk Christi im Blick auf die Reichweite oder Vollständigkeit beschränkt, sei es die Allgemeinheit der Erlösung oder die volle Bezahlung des Lösegeldes (Genugtuung) einschränkt.

    6. Wir verwerfen die Ansichten derer, die in den Berichten in den Evangelien die Verkündigung und Deutung Jesu durch die alte Kirche sehen anstatt einen wahren Bericht von dem, was wirklich in der Geschichte geschehen ist. Wir verwerfen daher die Versuche all derer, die die Geschichtlichkeit des Tatsachen des Lebens Jesu als unwichtig oder zweifelhaft ansehen. Wir verwerfen auch die Versuche, eine "gegenwärtige Begegnung mit dem lebendigen Christus" in der Verkündigung in solch einer Weise zu betonen, daß dadurch die objektiven historischen Fakten, Christi Erlösungswerk damals in Israel, und die biblische Lehre insgesamt, nebensächlich, unwichtig werden daneben.

    Das lehrt die Bibel über Christus und die Erlösung; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

4. DIE RECHTFERTIGUNG DURCH DEN GLAUBEN ALLEIN

 

    1. Gott hat alle Sünder gerechtfertigt, das heißt, er hat sie um Christi willen für gerecht erklärt: "Denn Gott war in Christus und versöhnete die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung." 2 Kor. 5,19 und damit im Blick auf das Jüngste Gericht freigesprochen. Das ist die Hauptlehre der Heiligen schrift, auf welcher das Dasein der Kirche beruht. Es ist das die Botschaft, die die Menschen aller Zeiten und aller Orte, aller Menschenrassen und sozialer Schichten angeht, denn es ist "die Verdammnis über alle Menschen gekommen", Röm. 5,18. Alle benötigen die Rechtfertigung vor Gott - und Gott erklärt in der Bibel, daß grundsätzlich alle gerechtfertigt sind, denn es ist "die [freie Gabe] der Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen", Röm. 5,19.

    2. Diese freie Gabe der Vergebung der Sünden durch Christus empfängt aber der Einzelne nicht durch Werke oder irgendein Dazuhelfen seinerseits, sondern allein durch den Glauben: "Denn aus Gnaden seid ihr gerettet worden durch den Glauben. Und dasselbige nicht aus euch; Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme." Eph. 2,8.9. Rechtfertigender Glaube ist Vertrauen auf Christus und sein Erlösungswerk, nämlich daß Christus nicht nur der Welt Heiland ist, sondern damit auch mein Heiland; daß er nicht nur der Welt Sünde getragen und dafür bezahlt hat, sondern auch meine Sünde getragen und vollständig bezahlt hat; daß Gott nicht nur mit der Welt, sondern damit auch mit mir versöhnt ist. Dieser Glaube rechtfertigt nicht darum, weil er irgendeinen eigenen besonderen Wert habe, eine Tugend sei, sondern nur werkzeuglich, nämlich als die Nehmehand, die die Erlösung ergreift: "Dem aber, der nicht mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit." Röm. 4,5. "Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden", Mark. 16,16, lehrt die Schrift, obwohl Jesus Christus für alle Menschen gestorben ist: denn der nicht an Christus Glaubende hat die Gnade, die Vergebung nicht, die Gott ihm im Evangelium darreicht.

    3. Diesen rechtfertigenden Glauben oder dieses Vertrauen in Jesus Christus kann kein Mensch in seinem eigenen Herzen selbst schaffen oder auch nur etwas zu seinem Entstehen hinzutun, denn "der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit", 1 Kor. 2,14. "Fleischlich gesinnet sein, ist eine Feindschaft gegen Gott." Röm. 8,7. Der Heilige Geist muß ihm durch das Evangelium das Herz bewegen, ihn berufen, erleuchten, bekehren, damit er dann im Glauben vertrauensvoll "Jesus einen Herrn" nennen kann, Röm. 10,14-17; 1 Kor. 12,3.

    4. Schon in Ewigkeit, vor Erschaffung der Welt, hat Gott in Jesus Christus durch das Evangelium diejenigen erwählt, die er in der Zeit durch das Evangelium von Christus zum rettenden Glauben an Jesus Christus bekehren und im Heiligen Geist heiligen und so im glauben zum ewigen Leben bewahren wird, Eph. 1,4-6; Röm. 8,29.30; 2 Tim. 1,9. Diese Erwählung zum Glauben und zur Seligkeit ist durch nichts in, an, bei uns Menschen verursacht worden, sondern sie soll uns zeigen, daß unsere Errettung und Seligkeit allein auf Gottes Gnade beruht, Röm. 11,5.6.

    5. Wir verwerfen jede Lehre, die dem Menschen in irgendeiner Form ein Mittun an seiner Errettung, an seiner Annahme im Jüngsten Gericht, eine Zusammenarbeit mit Gott im Blick auf seine Bekehrung und Bewahrung zuschreibt. Wir verwerfen darum alle Versuche, den Glauben als eine Bedingung darzustellen, die der Mensch erfüllen muß, um die Rechtfertigung zu erlangen oder vollständig zu machen. Wir verwerfen auch jede Lehre, die behauptet, daß die Rechtfertigung durch gute Werke vervollständigt werden müßte, um im Jüngsten Gericht bestehen zu können. Wir verwerfen auch jede Lehre, die besagt, daß es einerlei sei, was man glaubt, wenn man nur irgendetwas glaube.

    6. Wir verwerfen die Behauptung, die Lehre von der Rechtfertigung sei für den "modernen Menschen" nicht mehr bedeutungsvoll oder der Mensch könne, müsse sich selbst oder sein Dasein vor Gott rechtfertigen.

    7. Wir verwerfen die Schlußfolgerung, daß, weil Gott etliche zur Erretung durch den Glauben an Jesus Christus erwählt hat, er demzufolge die anderen von vornherein zur Verdammnis bestimmt hätte oder an ihnen mit seiner Gnade vorübergehe und nicht ernsthaft wolle, daß sie auch selig werden. (s. 1 Tim. 2,4)

    Das lehrt die Bibel über die Rechtfertigung allein durch den Glauben; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

5. DIE HEILIGUNG ODER DIE GUTEN WERKE, DAS GEBET UND DAS KREUZ IM CHRISTENLEBEN

    

    Der Glaube an Jesus Christus ist eine lebendige Kraft, die gottgefällige Werke natürlicherweise, als Frucht des Geistes, hervorbringen muß. "Der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an sich selber." Jak. 2,17. Ein Christ, als eine Rebe an Christus, dem Weinstock, bringt gute Frucht hervor, Joh. 15,5, aus Liebe und Dankbarkeit gegen Gott, 2 Kor. 5,14.15, zur Ehre Gottes und aus Liebe und zum Dienst am Nächsten, Matth. 23,37.

    2. Der Glaube ist lebendig und wirkkräftig, fruchtbar, aber nur, wenn er in Jesus Christus bleibt, Joh. 15,5, was allein geschieht durch das Wirken des Heiligen Geistes durch das Evangelium, Kol. 3,16; 2 Tim. 3,16.17. Die Triebkraft des christlichen Lebens ist also nicht das Gesetz, sondern das Evangelium.

    3. Der Glaube setzt nicht seine eigenen Maßstäbe, was Gott wohlgefällige Werke sind, Matth. 15,9, sondern wahrer Glaube wird durch Gottes Wort belehrt und freut sich, nur das zu tun, was mit dem heiligen Willen Gottes übereinstimmt. Darum benötigt auch der Christ das Gesetz Gottes nicht nur als Spiegel, um seine Sünde zu erkennen, sondern auch als Regel, um den Willen Gottes zu erkennen, Eph. 4 und 5; Kol. 3.

    4. Diese Werke, die Früchte des Glaubens sind, sind von den Werken der bürgerlichen Gerechtigkeit, die ein nicht an Christus Glaubender tut, streng zu unterscheiden. Wenn Ungläubige Werke hervorbringen, die äußerlich als gut und rechtschaffen vor den Menschen erscheinen, so sind diese Werke zwar nützlich für das menschliche Zusammenleben, aber in Gottes Augen nicht gut, sondern Sünde, denn "ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen", Röm. 14,23; Hebr. 11,6. Ein Mensch kann damit nicht einmal den Anfang machen, seine Pflicht gegenüber Gott zu erfüllen.

    5. Auch der Christ ist, obwohl er durch den Glauben gerechtgesprochen ist, immer noch Sünder, Ps. 130,3; 143,2, und bedarf darum täglicher Buße und Vergebung der Sünden, Joh. 13,10. Auch die besten Werke der Christen sind noch mit Sünde befleckt, denn das Fleisch, der "alte Adam", belastet immer noch den Christen, so daß er das Gute, das er will, nicht tut, sondern das Böse, das er nicht will, Röm. 7,19. Er muß bekennen, daß alle seine Gerechtigkeit wie ein unflätiges Kleid ist, Jes. 64,6. Aber um Christi willen werden diese unvollkommenen Werke der Christen von unserem himmlischen Vater als heilig und ihm wohlgefällig angesehen.

    6. Auch das Gebetsleben ist eine Frucht des Glaubens, denn nur der kann den lebendigen, dreieinigen Gott anrufen, der an ihn glaubt, Röm. 10,14. Zuversichtlich, durch den Glauben an ihren Heiland, kann der Christ mit dem himmlischen Vater und Anbetung, Lob und Dank, Fürbitte und Bitte reden und ihm auch alle Nöte vortragen. Solche Gebete sind ihm eine Freude, und er wird unsere Bitten nach seiner Weisheit gewähren.

    7. Gott ordnet nach seiner weisen Erziehung und Pädagogik in das Leben seiner Christen auch das Kreuz hinein, nämlich Lasten, die um des Glaubens willen zu tragen sind, sei es Krankheit, sei es Einsamkeit, sei es Verlassenheit, Anfeindung, Verlust von Gut oder Heimat, Verzicht auf beruflichen Aufstieg oder irdische Freuden, aber auch Anfechtungen und Versuchungen, Mark. 8,34-38.    

    8. Wir verwerfen jegliche Ansicht, daß die guten Werke der Christen etwas zur Erlangung oder Bewahrung der Seligkeit beitragen.

    9. Wir verwerfen jeglichen Versuch, das unabänderliche natürliche Gesetz Gottes als einen absoluten Maßstab für alle Menschen abzuschaffen oder durch eine "neue Moral" zu ersetzen.

    10. Wir verwerfen eine Lehre, die das Gebet als ein Gnadenmittel betrachtet oder es nur als etwas ansieht, das eine gute psychologische Wirkung auf den Beter habe.

    11. Wir verwerfen die Lehre, daß alle Gebete Gott gefällig wären, auch solcher, Menschen, die Christus gar nicht kennen. Wir verwerfen auch die Lehre, daß auch mit jenen gemeinsam gebetet werden könne, mit denen keine Einheit im Glauben und in der Lehre besteht.

    12. Wir verwerfen eine Lehre, die behauptet, daß den Christen Kreuz, Leid nicht mehr treffen dürfe oder ein Anzeichen sei für Schwächen oder Mängel im Glauben.

    Das lehrt die Bibel über die guten Werke, das Gebet und das Kreuz im Christenleben; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

6. DER HEILIGE GEIST

 

    1. Der Heilige Geist ist von Ewigkeit her wahrer Gott mit dem Vater und dem Sohn; von Ewigkeit her vom Vater und dem Sohn ausgehend, gleich ewig, gleich allmächtig, gleich allwissend, gleich allgegenwärtig mit dem Vater und dem Sohn. Der Heilige Geist ist nicht  eine persönliche Kraft Gottes oder ein Machtstrom, sondern Person und hat teil an den Werken der Schöpfung und Heiligung und an der göttlichen Verehrung und Anbetung. Da er Person ist, so ist er auch zu unterscheiden von dem Geist des Menschen und den Gaben, die er, der Heilige Geist, gibt und die an ihn gebunden sind. Matth. 28,18.19; 2 Kor. 13,13; Joh. 15,26; Röm. 8,9; Apg. 5,3.4; Ps. 33,6.

    2. Der Heilige Geist schenkt uns Menschen zunächst das natürliche Leben und erhält es auch, Ps. 104,29.30, und will uns durch die Gnadenmittel Gottes zu Gottes Kindern machen, Joh. 16,8-15. Darum hat er uns auch die Bibel gegeben, die er Wort für Wort den heiligen Schreibern eingehaucht hat und die sein Buch, die Geist und Leben ist, 2 Tim. 3,16; 2 Petr. 1,20; Joh. 6,63. Er, der Heilige Geist, ist und bleibt dabei der Herr der Mission, der zu seiner Zeit durch die Gnadenmittel zu seinem Ziel kommt, 1 Kor. 3,7.

    3. Das Wirken des Heiligen Geistes ist zutiefst christozentrisch, das heißt, er verherrlicht Christus und sein Erlösungswerk, Joh. 16,13.14, und zielt nicht in erster Linie auf Erlebnisse und Erfahrungen.

    Dieses Christus verherrlichende, die Sünder rettende und im Glauben bewahrende Wirken des Heiligen Geistes wird auch als die Heiligung im weiteren Sinne (s. 7. Die Heilsordnung) bezeichnet. Er heiligt aber nicht nur die noch Ungläubigen, indem er sie zu Christus bekehrt, sondern er wirkt auch durch das Wort in den Gläubigen, indem er durch Gesetz und Evangelium sie immer wieder erneuert, den alten Menschen in den Tod gibt, den neuen Menschen hervorbringt, damit die Frucht des Geistes sich zeigt, Gal. 5,22.

    4. Durch das Wort und die Sakramente rüstet er auch die Gemeinde Jesu Christi aus, begabt sie mit Hirten und Lehrern und führt sie auf den Wegen des Herrn. In bestimmten heilsgeschichtlichen Schnittzeiten (Mose, beginnende Prophetenzeit bei Elia und Elisa, Zeit Jesu und der Apostel) hat der Heilige Geist die Gemeinde, in letzerer Zeit gebunden an die Apostel, mit besonderen Gnadengaben ausgerüstet, für die die Gemeinde aber keine dauerhafte Verheißung hat und über die auch weiter er, der Heilige Geist, der souveräne Herr blieb und die darum nicht der Gemeinde oder dem Einzelnen einfach verfügbar waren.

    Die Gemeinde Jesu Christi hat die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, damit sie Zeugin Jesu Christi sein in aller Welt, Apg. 1,8.

    5. Wir verwerfen jede Lehre, die das Personsein des Heiligen Geistes leugnet. Wir verwerfen auch jede Lehre, die leugnet, daß der Heilige Geist gleichwertige Person der Heiligen Dreieinigkeit ist und vom Vater und vom Sohn ausgeht.

    6. Wir verwerfen eine Lehre, die das Wirken des Heiligen Geistes von Wort und Sakrament trennt. Wir verwerfen auch eine Lehre, die behauptet, die besonderen Gaben, Zeichen und Wunder der heilsgeschichtlichen Schnittzeiten müßten für die Gemeinde aller Zeiten verfügbar sein.

    Das lehrt die Bibel über den Heiligen Geist; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

7. DIE HEILSORDNUNG

 

    1. Das Werk, das dem Heiligen Geist insbesondere zugeschrieben wird, woran aber auch die anderen Personen der Heiligen Dreieinigkeit beteiligt sind, ist die Heiligung oder das Werk der Seligmachung, Errettung eines Menschen. Die verschiedenen Handlungen oder Wirkungen des Heiligen Geistes am Menschen durch die Gnadenmittel zu diesem Zweck werden durch die Heilsordnung dargestellt, die eine logische, aber keine zeitliche Abfolge beschreibt. 

    2. Die Berufung umfaßt im weiteren Sinne zunächst das Werk  des Gesetzes, das dem Sünder seine Sünde, seine Schuld vor die Augen stellt und da, wo das Widerstreben des Sünders überwunden wird, ihn erweckt, so daß er durch das Gesetz klar sein Sündenelend und Gottes Zorn darüber sowie die angedrohte Strafe, die ewige Verdammnis, erkennt, auch tiefe Reue über seine Sünde empfindet, Luk. 15,7; 17,3.4, sie gerne ungeschehen machen würde, sie verabscheut, ein geängstetes und zerschlagenes Herz über seine Sünde und Verlorenheit hat, Ps. 51,15.19. Das ist die Buße im eigentlichen Sinne, die Abkehr von der Sünde:  eine tiefgreifende Erkenntnis der eigenen Sündenverdorbenheit, des Zornes Gottes und seiner Strafe und somit der eigenen Verlorenheit, Ps. 51,3, was Voraussetzung ist für die grundsätzliche Bekehrung, so daß ein solcherart Erweckter fragt: Was muß ich tun, damit ich errettet werde? Apg. 16,30.31. Die Berufung im engeren Sinne arbeitet auf diesem durch das Gesetz zuvor gepflügten Boden und ist dasjenige Werk des Heiligen Geistes durch das Evangelium in Wort und Taufe, wodurch er dem Sünder die in Christus erschienene und durch den Heiland ihm erworbene Heilsgnade verkündigt, zur gläubigen Annahme ruft und zugleich durch diesen Ruf den rettenden Glauben weckt, Joh. 6,44; 1 Petr. 1,23; Röm. 10,14-17.

    Durch diese äußeren Mittel arbeitet der Heilige Geist am Herzen des Menschen, um ihn zu Christus zu bekehren. Dieser Ruf ist immer ernst gemeint, Luk. 14,23.24; 1 Tim. 2,4 - aber ihm kann durch den Menschen widerstanden werden. Er gilt allen Menschen gleichermaßen, da Gottes Gnade universell ist und Christus der Heiland der Welt, Joh. 4,42, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, Joh. 1,29. Der Grund der Berufung ist nicht menschliches Verdienst, sondern allein Gottes Erbarmen in Christus, Eph. 1,9; Röm. 8,28.29; 2 Tim. 1,9.

    Wir verwerfen die Lehre, die behauptet, der Mensch könne, müsse sich auf das berufende, bekehrende Werk des Heiligen Geistes vorbereiten, etwa sein Widerstreben brechen, mildern. Wir verwerfen die Lehre, die behauptet, der Gnadenruf gelte nicht allen Menschen gleichermaßen. Wir verwerfen auch die Lehre, daß Gottes Gnadenruf unwiderstehlich sei. Wir verwerfen die Meinung, daß das richtende und verdammende Gesetz nicht der Berufung durch das Evangelium vorangehen müsse

    3. Der natürliche Mensch steht unter der Gewalt der Finsternis, Kol. 1,13, und kann daher von sich aus weder Gottes Wort verstehen, 1 Kor. 2,14, noch dem Evangelium glauben, 2 Kor. 3,5. Darum erleuchtet der Heilige Geist den Sünder mit dem Licht der Gnade, 2 Kor. 4,6, damit er nicht nur eine bloß wissensmäßige Kenntnis hat, sondern zu einer rechten, lebendigen Erkenntnis Christi als seines Retters kommt und somit in Gewißheit des Glaubens das Heil ergreift, Apg. 26,18; Eph. 5,8.9.14. Wer aber dem Ruf Gottes widerstrebt, den kann der Heilige Geist nicht erleuchten, er steht in der Gefahr, auf Dauer verblendet zu werden, 2 Kor. 4,3.

    Wir verwerfen die Ansicht, daß die Finsternis und das Nichtverstehen beim unbekehrten Menschen durch psychologische oder soziokulturelle Methoden (keine Liturgie, kein Kreuz, moderne Musik, Theater) überwunden werden könnte oder solche Methoden den Gnadenmitteln zusätzliche Kraft verleihen könnten oder müßten.

    4. Da, wo der Mensch durch das Gesetz erweckt, zu einer gründlichen, tiefen Buße, Reue geführt und durch den Heiligen Geist durch das Evangelium erleuchtet ist, daß er Jesus Christus als seinen Sünderheiland erkennt und im Glauben ergreift, da ist er vom Heiligen Geist bekehrt worden von der Finsternis zum Licht, von den Abgöttern zu dem lebendigen Gott, 1 Thess. 1,9, ist zurückgebracht worden in die Gottesgemeinschaft, Ps. 51,12; Jer. 31,18 - kurz: der Glaube an Jesus Christus als den eigenen Sünderheiland wurde entzündet. Sie, die Bekehrung, schließt dabei in sich die von Gott gewirkte Sinnesänderung, die recht nun aus dem Evangelium kommt und in Reue über die Sünde und Glauben an Christus, den Heiland für Sünder, sich äußert, Mark. 1,15; Apg. 20,21.

    Die Wiedergeburt ist der Akt des Heiligen Geistes, durch den er den geistlich toten Menschen geistlich lebendig macht, nämlich durch das Evangelium im Wort allein oder in der Taufe, dem Bad der Wiedergeburt, Tit. 3,5. Er weckt dabei in dem Menschen den rettenden Glauben an Jesus Christus, 1 Petr. 1,23; 1 Joh. 3,9; 4,7; 5,1.4; Joh. 1,13; 3,6; Tit. 3,5. Diese Wiedergeburt kann verloren gehen, sei es, daß der Mensch sie von vornherein hindert, sei es, daß er im Laufe der Zeit sich wieder der Sünde zuwendet, sei es, daß er ihrer Erneuerung widerstrebt.

    Wiedergeburt und Bekehrung sind einzig und allein Gottes Werk, das der Mensch an sich aus Gnaden um Christi Verdienst willen erfährt, Joh. 1,13; 3,3; Ps. 100,3.

    Wir verwerfen die Lehre, daß Gott und Mensch in der Bekehrung zusammenwirken würden; daß der Mensch auch etwas in der Bekehrung tun müsse, etwa den Glauben (als eigene Leistung oder Antwort) bringen, die Tür des Herzens für Gott öffnen, sich für Jesus Christus entscheiden, sich ihm übergeben.

    Wir verwerfen die Ansicht, es sei nicht nötig, daß jeder zu einer tiefgreifenden Sündenerkenntnis und Erkenntnis seiner Verlorenheit und seiner Rettung allein durch Christus kommen muß, um im rettenden Glauben an Christus beharren zu können.

    Wir verwerfen die Ansicht, daß die Taufe die Wiedergeburt nur darstelle, nicht aber sie darreiche, schenke.

    Wir verwerfen die Lehre, daß die Wiedergeburt unverlierbar sei.

    5. Zur Bekehrung, Wiedergeburt genügt es also nicht, daß ein Mensch in der Berufung erweckt wurde und zu einer lebendigen Erkenntnis seiner Sündenverdorbenheit und -verlorenheit gekommen ist, denn auch in diesem Zustand der Reue ist er noch nicht wiedergeboren, bekehrt, sondern noch geistlich tot (siehe Judas), wenn auch der Heilige Geist schon an ihm arbeitet, sondern es ist unabdingbar notwendig, daß er nun, gewirkt durch das Evangelium, im Glauben das Verdienst Jesu Christi für sich, die Vergebung der Sünden, die Versöhnung Gottes, den Freispruch im Jüngsten Gericht ergreift und so das ewige Leben erlangt, Apg. 11,21; 26,18.

    Der Glaube ist das durch das Evangelium Gottes gewirkte persönliche Vertrauen auf Gottes Wort, insbesondere die Zusage der Vergebung der Sünden in Christus; ist also das persönliche (subjektive) Ergreifen der objektiven Heilstat Christi als auch für mich geschehen, Röm. 10,14.9.10; Joh. 8,33; Apg. 17,11.12. Obwohl der rechte Glauben die guten Werke als natürliche Folge hat, haben sie in der Frage nach der Errettung im Jüngsten Gericht keinerlei Platz, Röm. 3,28; 4,5.

    Die Rechtfertigung ist der richterliche Akt Gottes, durch den er aus freier Gnade, allein um des Verdienstes Christi willen, ohne irgendein Verdienst oder Voraussetzung des Menschen, den tatsächlich sündigen, deer ewigen Strafe verfallenen Sünder freispricht, für gerecht erklärt, ihm die durch Christi Gehorsam, Leiden und Sterben erworbene Gerechtigkeit zurechnet. Diese Rechtfertigung ist für alle Menschen grundsätzlich auf Golgatha geschehen, wo Gott durch Christus mit der Welt versöhnt wurde, 2 Kor. 5,18.19 (objektive Rechtfertigung). Durch die Berufung und Erleuchtung ruft der Heilige Geist den Sünder dazu, diesen Freispruch allein aus Gnaden, allein um Christi Verdienst willen, im Glauben auf sich persönlich zu beziehen, zu ergreifen und so persönlich im Glauben das Losgesprochensein von aller Sündenschuld ergreift (persönliche oder subjektive Rechtfertigung), gerade auf dem Hintergrund der Tatsache, daß er allerdings der Anklage des Gesetzes recht geben muß, aber dann gegen das Gesetz Christi Gerechtigkeit hält, Röm. 5,6.8.10; 2 Kor. 5,21; Jes. 53,4-6.

    Die Wirkung der Rechtfertigung ist der Eintritt in den Gnadenstand, das Versöhntsein mit Gott, somit die Gewißheit des Heils, Röm. 8,37-39; 1 Joh. 5,12.

    Wir verwerfen die Lehre, daß der rettende Glauben zumindest zum Teil eine menschliche Leistung sei; daß der Glaube rechtfertige, weil oder insoweit er in der Liebe tätig sei.

    Wir verwerfen die Lehre, daß die Gnade Gottes vorallem eine Kraft sei, die dem Menschen eingegossen werde, um Gott gehorsam zu sein oder in der Rechtfertigung mitzuwirken; daß die Rechtfertigung ein Prozeß in dem Sinne sei, daß sie durch unser Mittun wachse; daß in die Rechtfertigung die Veränderung oder Erneuerung des Menschen gehöre und somit die Rechtfertigung nicht allein ein richterlicher Akt Gottes ist; daß die Gerechtsprechung aller Menschen nicht grundsätzlich auf Golgatha schon geschehen sei; daß ein persönliches Ergreifen dieses Freispruches im Glauben an Christus nicht nötig sei. 

    6. Mit dem rechtfertigenden Glauben nimmt der Sünder nicht nur Christi Gerechtigkeit an, sondern Christus selbst, ja, der dreieinige Gott macht Wohnung im Gläubigen, Joh. 14,23; 1 Kor. 3,16; 2 Kor. 6,16: Es kommt zur innigstmöglichen Gemeinschaft auf Erden, nämlich einer realen Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott durch dessen Einwohnung im Menschen, aber ohne Vermischung der Substanzen, ohne Vergottung des Menschen. Diese Gemeinschaft kommt zustande allein durch Wort, Taufe und Abendmahl und den Glauben.

    Wir verwerfen die Ansicht, die Einwohung geschehe nur geistlich; die Einwohnung stelle eine Vereinigung der Substanzen dar.

    7. Das Werk, das Gott angefangen hat, nämlich den Sünder für die Ewigkeit zu retten, das vollendet er auch, Phil. 1,6, das ist: Er will den wiedergeborenen, bekehrten Sünder auch im rettenden Glauben erhalten zum ewigen Leben aus seiner göttlichen Kraft, 1 Petr. 1,5. Dazu wendet Gott die gleichen Mittel an, durch die er uns bekehrt hat, nämlich sein Wort, vornehmlich das Evangelium, und die Sakramente: Durch das Gesetz führt er uns immer neu zur Sündenerkenntnis, Reue und Buße, durch das Evangelium aber führt er uns immer wieder unter das Kreuz, damit wir Christi Gnade und Vergebung ergreifen (tägliche Buße) und dann aus Dankbarkeit und Liebe uns anreizen lassen, in der täglichen Heiligung den alten Menschen zu töten, gegen die Sünde zu kämpfen, Röm. 12,1.2; Gal. 5,26, gute Werke zu tun, wenn auch diese Heiligung immer unvollkommen bleibt und darum auch immer wieder zu Buße und Glauben führen muß, Röm. 7.

    Wir verwerfen die Ansicht, daß der Mensch bei seiner Bewahrung mitwirken müsse und sie nicht allein ein Werk der Gnade Gottes sei.   

    8. Frucht und Folge der Wiedergeburt ist die Erneuerung und Heiligung und Vollbereitung im Glauben, nämlich daß der im Glauben neugeborene Mensch nun in täglichem Kampf gegen die Sünde, Gal. 5,14 ff., den alten Menschen in den Tod gibt, ja, aus der Kreuzigung des alten Menschen in der Taufe lebt, Röm. 6,3 ff., der Sünde widerstrebt und danach trachtet, Christus gleichförmig (d.i. immer ähnlicher) zu werden, ihm in allem zu gehorchen, ihm bewußt und konsequent nachzufolgen, Röm. 12,1.2; Kol. 3,4-12; Eph. 4,22-24; Röm. 6,11-23. Die Heiligung ist ein Kampf, ist in diesem Leben nie fertig, führt zwar auch immer wieder zu Niederlagen, aber gerade auch zum Sieg in Christus und ist ein fortschreitender Reinigungsprozeß, ein Wandel im neuen Gehorsam. Darum ist die Buße nicht beschränkt auf die grundsätzliche Bekehrung, sondern wir bedürfen der täglichen Umkehr, Abwendung von der Sünde, Hinwendung zu Christus, täglicher Erkenntnis unserer Sünde und Verdorbenheit und so des täglichen Ergreifens der Gnade und Vergebung in Christus, sonst fallen wir aus der Gnade, Joh. 13; Eph. 4,22-24. Die Heilsordnung ist also keine einmalige Abfolge im Christenleben, sondern dieses Wirken des Geistes setzt sich mit dem richtenden und heilenden Rufen, mit dem Erleuchten und Stärken des Glaubens, mit der Verherrlichung der Rechtfertigung durch Christus und dem Leiten im Kampf gegen die Sünde im gesamten Christenleben fort bis zum Tode.

    Die Heiligung ist das Werk des Heiligen Geistes in uns durch das Evangelium, Röm. 12,1; 2 Kor. 5,14.15; Tit. 2,11, wodurch der Gläubige willig mitwirkt, Kol. 3,; Eph. 4. Kennzeichen und Frucht der Heiligung sind die aus Liebe und Dank gegen Gott und Liebe zum Nächsten getanen guten Werke, die ja allein der Glaube tun kann, Röm. 14,23.

    Im Blick auf diese Heiligung bleiben wir in diesem Leben unvollkommen, Ps. 130,3; 143,2; Röm. 7, aber wir sollen in der vollen Glaubenshingabe an Christus, die Christi Gnadenhand immer fester ergreift, auch in der Heiligung in Selbstverleugnung um Kampf zu wachsen suchen. Diejenige christliche Vollkommenheit, die wir schon jetzt haben, ist die im Glauben zugerechnete Vollkommenheit Christi, Eph. 4,13, nicht eine Vollkommenheit unseres Lebens - aber sie kann nicht getrennt werden von dem ringenden, wenn auch auf Erden nie zum Ziel kommenden, Streben nach der sittlichen Vollkommenheit, Phil. 3,12-14.

    Wir verwerfen die Lehre, daß der Mensch schon auf Erden auch lebensmäßig vollkommen werden könnte. Wir verwerfen die Ansicht, daß die Heiligung eine höhere Stufe im Christenleben sei als die Rechtfertigung.

    Das lehrt die Bibel über die Heilsordnung; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

8. DIE GNADENMITTEL

      

    1. Gott läßt den Sündern alle geistlichen Segnungen durch besondere Mittel, die von ihm eingesetzt sind, zukommen. Das sind die Gnadenmittel, nämlich das Evangelium in Wort und Sakrament.

    2. Durch das Evangelium von Christi Sühnopfer für Sünder wirkt der Heilige Geist den rettenden Glauben im Herzen des Menschen, dessen fleischliche Gesinnung doch Feindschaft gegen Gott ist, Röm. 8,9. "So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes." Röm. 10,17. Als Frucht dieses Glaubens oder der Wiedergeburt schafft der Heilige Geist im Menschen eine Erneuerung, die aber in diesem Leben nie abgeschlossen ist, Eph. 4,22 ff.

 

    3. Auch die heilige Taufe ist Gnadenmittel des Heiligen Geistes, in der er das Evangelium dem Sünder zueignet, ihn neu gebiert, Tit. 3,5, und reinigt von aller Ungerechtigkeit, Apg. 2,38; Eph. 5,26. Der Herr Jesus Christus weist auf den Segen der Taufe hin, wenn er verheißt: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden." Mark. 16,16. (Diesem wiedergebärenden Handeln des Heiligen Geistes kann aber widerstanden werden; die Taufe wirkt nicht magisch und auch nicht in Zwang. Wer dem Heiligen Geist widerstrebt, der hat nicht, was er darreicht.) Der Segen der Taufe ist für alle Menschen bestimmt, Matth. 28,19, die kleinen Kinder eingeschlossen, denn auch sie sind Sünder und benötigen die Wiedergeburt, die durch die Taufe bewirkt wird, Joh. 3,5, und können ja auch wirklich glauben, Mark. 10,13-16.

    4. Die Taufe ist nicht allein Wasser, sondern "das Wasser in Gottes Gebot gefaßt und mit Gottes Wort verbunden". Das heißt: Erst das Wort Gottes macht das Wasser wirklich zur Taufe und ist das Wichtigste dabei, Matth. 28,18-20.

    5. Der Glaube macht die Taufe nicht erst zur Taufe, macht sie auch nicht erst gültig, sondern er ergreift das, was Gott in der Taufe darreicht - ohne den Glauben aber haben wir das nicht, was Gott uns durch die Taufe schenkt, sondern gehen dann trotz der Taufe verloren, Mark. 16,16.

    6. Die Bedeutung der Taufe beschränkt sich nicht auf den Tauftag, sondern umfaßt unser gesamtes Leben, denn in der Taufe wird unser sündiges Fleisch in den Tod gegeben und der neue Mensch erweckt, Röm. 6,3 ff. - was der Glaube ergreift. Darum lebt nur der recht aus der Taufe, der in innigem Anhangen an Jesus Christus seinen sündigen Leib mit allen Lüsten und Begierden täglich kreuzigt, Gal. 5,24, täglich neu die Vergebung der Sünden durch Christus und die Reinigung ergreifen, Joh. 13, und in frohem Gehorsam Gott in Jesus Christus dienen, Röm. 6,11.

 

    7. Alle, die am heiligen Abendmahl teilnehmen, genießen aufgrund von Jesu Christi Einsetzung, Befehl und Ordnung "in, mit und unter" dem Brot und Wein mit dem Munde in übernatürlicher Weise den wahren Leib und das wahre Blut Christi. Das ist wahr, weil der Herr, als er das Sakrament einsetzte, sprach: "Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. ... Das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird." Luk. 22,19.20. Er hat das heilige Abendmahl eingesetzt, damit er uns durch sein mit den sichtbaren (Brot und Wein) und unsichtbaren (Leib und Blut) Elementen verbundenem Wort ("für euch gegeben zur Vergebung der Sünden") die Vergebung der Sünden darreiche, stärke, gewiß mache, denn das Wort ist neben dem Essen und Trinken die Hauptsache im Abendmahl. Wohl empfängt jeder Teilnehmer wahrhaft Christi Leib und Blut mit den sichtbaren Elementen, auch der ungläubige - aber die verheißene Vergebung der Sünden empfängt allein der Glaube. Wer ohne den rettenden Glauben an Christus und das rechte Verständnis von seinem Abendmahl es sich nimmt, der nimmt es sich zum Gericht, 1 Kor. 11,27-29.

 

    8. Gott hat sein Evangelium seiner Gemeinde, und damit auch jedem einzelnen Christen, gegeben, damit sie als Werkzeug des Heiligen Geistes es gebraucht, damit Menschen zum Glauben an Jesus Christus als ihren Heiland kommen und darin erhalten werden: "Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie lehret halten alles, was ich euch befohlen habe." Matth. 28,19. Durch dieses Mittel, das Evangelium in Wort und Sakrament, erhält Gott seine Kirche und breitet sie aus. Darum sollen wir treu und fleißig sein im Gebrauch dieser verordneten Gnadenmittel, bei uns selbst wie auch in der Mission - denn es sind die einzigen Mittel, durch die unsterbliche Seelen zum Glauben und zur Rettung, Seligkeit, gebracht werden.

 

    9. Wir verwerfen alle Ansichten, die Gottes Gnade und die seligkeit unabhängig oder neben dem Evangelium erwarten. Wir verwerfen auch die Ansicht, daß das Gesetz zu den Gnadenmitteln gehöre.

    10. Wir verwerfen jede Lehre, die leugnet, daß die Taufe Gottes Gnadenmittel ist oder die aus der Taufe eine menschliche Handlung, einen Gehorsamsakt gegenüber Gott macht. Wir verwerfen jede Ansicht, die die Säuglingstaufe ablehnt.

    11. Wir verwerfen alle Lehre, die im Abendmahl nichts mehr als Zeichen und Sinnbilder für den Glauben sieht und somit leugnet, daß Christi wahrer Leib und Blut mündlich im Abendmahl empfangen wird. Wir verwerfen damit auch die Behauptung, daß die Ungläubigen und Heuchler im Abendmahl nicht Christi Leib und Blut empfingen sowie die Ansicht, daß Christi Leib und Blut nur geistlich, durch den Glauben, empfangen werde. wir verwerfen auch die Ansicht, daß die wahre Gegenwart Christi im Abendmahl nur die Gegenwart seiner Person sei, wie auch sonst im Evangelium.

    12. Wir verwerfen die Lehre, daß das Abendmahl nur durch einen besonders "geweihten Diener" ausgeteilt werden dürfe bzw. daß Christi Leib und Blut nur aufgrund eines besonderen "Weiheaktes" oder einer "Verwandlung" gegenwärtig seien, auch unabhängig vom Empfang. Wir verwerfen auch die Lehre, daß im Abendmahl Christus nochmals unblutig geopfert werde oder daß die Gemeinde teilnehme am Opfer oder sich selbst mit hinopfere. 

    Das lehrt die Bibel über die Gnadenmittel; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

9. DIE KIRCHE ODER GEMEINDE JESU CHRISTI

 

    1. Die Kirche Jesu Christi ist die eine heilige christliche Kirche, die ewig ist, Matth. 16,18, die der Tempel Gottes ist, 1 Kor, 3,16, der Leib Christi, Eph. 1,23; 4,12. Die Gleider dieser einen Kirche sind alle diejenigen, welche "Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus sind", Gal. 3,26. Jeder, der glaubt, daß Jesus Christus für seine Sünden gestorben und zu seiner Rechtfertigung wieder auferstanden ist, Röm. 4,25, gehört zur Kirche oder Gemeinde Christi. Die Kirche (im eigentlichen Sinne) besteht also nur aus Gläubigen oder Heiligen, die Gott um der von Christus erworbenen und dem Glauben zugerechneten Gerechtigkeit willen für heilig ansieht, 2 Kor. 5,21. Diese Heiligen sind in der ganzen Welt zerstreut. Jeder wahre Gläubige, ganz abgesehen von der Nation, der Rasse, dem Kirchenkörper, dem er angehört, ist ein Glied dieser einen heiligen christlichen Kirche.

    2. Die eine heilige christliche Kirche ist eine Tatsache, obwohl sie nicht eine äußerlich sichtbare Organisation ist. Weil "ein Mensch siehet, was vor Augen ist; der Herr aber siehet das Herz an", 1 Sam. 16,7, kennt nur der Herr "die Seinen", 2 Tim. 2,19. Die Glieder der heiligen christlichen Kirche sind Gott allein bekannt; wir können zwischen wahren Gläubigen und Heuchlern nicht unterscheiden. Die eine heilige christliche Kirche ist daher eine verborgene Gemeinschaft des Glaubens und kann nicht mit einer Kirchengemeinschaft oder mit der Gesamtzahl aller Kirchen gleichgesetzt werden.

    3. Die Gegenwart der einen heiligen christlichen Kirche jedoch kann erkannt werden. Wo immer das Evangelium gepredigt wird und die Sakramente verwaltet werden, da ist die eine heilige christliche Kirche zugegen, weil durch die Gnadenmittel der wahre Glauben erzeugt und erhalten wird, Jes. 55,10.11; Röm. 10,17; 1 Petr. 1,23. Die Gnadenmittel werden darum die Kennzeichen der Kirche genannt.

    4. Gott hat aber nicht nur allgemein seiner Kirche die Gnadenmittel gegeben, sondern es ist sein offenbarer Wille, Mandat und Ordnung, daß die Christen zu Versammlungen zusammenkommen, in denen Gottes Wort recht gepredigt und die Sakramente stiftungsgemäß verwaltet werden, unabhängig davon, ob solch eine Versammlung oder "örtliche" oder "Basis-Gemeinde" groß oder klein ist, als einzige oder eine von mehreren an einem Ort besteht oder vielleicht auch über eine ganze Region verstreut ist, Matth. 18,20; Apg. 1,4; 2,41.47; Hebr. 10,25.

    5. Die Verfassung oder Form solch einer Versammlung ist frei, z.B. ob sie mehrere Predigtplätze hat oder sich als Gesamtgemeinde aus mehreren Gemeinden zusammensetzt oder ob sie verschiedene Kreise für besondere Gemeindeteile zusätzlich bildet zur besseren Austeilung des Wortes neben dem Gemeindegottesdienst. Gottes Ordnung und Mandat ist nur, daß sie das heilige Predigtamt in ihrer Mitte aufrichtet, Tit. 1,5.

    6. Solch eine äußere Versammlung um Wort und Sakrament ist immer ein gemischter Haufen, Matth. 13,48 f., das heißt, neben Christusgläubigen werden auch Heuchler und Scheinchristen dabei sein, da der Glaube im Herzen verborgen ist, Luk. 17,20.21, und nur Gott bekannt, 2 Tim. 2,19. Wo aber der Gottlose durch seine Lehre oder seine Taten offenbar wird, muß er nach eingehender Ermahnung, wenn sie fruchtlos ist, ausgeschlossen werden, Matth. 18 - denn eine solche gemischte Versammlung ist um der Gläubigen in ihrer Mitte willen wirklich Kirche und hat diese Vollmacht, Gal. 1.

    7. Diese örtlichen oder Basisgemeinden können sich zur besseren Ausübung des Aufrages der Kirche - Evangelisation, Mission, Reinhaltung der Lehre, Bau der Gemeinden, Heranbildung von Hirten und Lehrern, diakonische Arbeit - nach menschlicher Übereinkunft miteinander verbinden, wie sie es für richtig halten, und dabei größere Kirchen (zusammengesetzte Kirche) bilden, ohne daß damit die örtlichen oder Basisgemeinden aufhören, Kirche zu sein. Eine rechte geistliche Ordnung besteht dann, wenn die örtliche Gemeinde auch in solch einer zusammengesetzten Kirche ihre Rechte und Pflichten nicht verliert, sondern selbstregierend unter Christus als dem Haupt und seinem Wort bleibt (Gemeindeversammlung der stimmfähigen Männer) und die Versammlung der zusammengesetzten Kirche (Synode oder Repräsentation (Vertreterversammlung) der Kirche) nur beratende Funktion hat.

    8. Gott gebietet, daß seine Kirche einmütig, eines Sinnes, einer Rede sei, 1 Kor. 1,10; Röm. 15,5.6, daß sie bleibe bei Jesu Rede, Lehre, Joh. 8,31.32; Matth. 28,18-20. Darum kann und darf die Gemeinschaft des Glaubens nur da geübt werden, wo sie tatsächlich, nämlich in der Einigkeit in Lehre und Bekenntnis und darausfolgender Praxis besteht, ansonsten aber muß die Trennung bleiben oder festgestellt werden, Röm. 16,17.18; 2 Kor. 6,14-18. Damit wird kein Urteil über den Heilsstand der Glieder einer Kirche abgegeben. Die Gliedschaft in einer Kirche stellt aber auch ein Bekenntnis zur Lehre und Praxis der betreffenden Kirche dar. Für die Gemeinschaft nicht notwendig ist eine Übereinstimmung in Dingen, die Gott nicht geboten hat (z.B. Liturgie, Kirchenordnung). Da aber, wo die Einigkeit im Glauben festgestellt wurde, da werden Christen ihrer Gemeinschaft in Christus auch Ausdruck verleihen, wo immer das möglich ist, etwa durch gemeinsamen Gottesdienst, gemeinsame Verkündigung des Evangeliums, gemeinsame Abendmahlsfeier, gemeinsames Gebet oder andere gemeinsame kirchliche Aktivitäten.

    11. Wir verwerfen jeglichen Versuch, die eine heilige christliche Kirche mit einer bestimmten Kirchengemeinschaft gleichzusetzen oder das Heil bzw. die Fülle des Heils an eine äußerliche Kirchengemeinschaft zu binden.

    12. Wir verwerfen als falsche Ökumenizität jede Ansicht, die die wahre Einheit der Kirche in einer Art von äußerlicher Vereinigung sucht, auf Kosten der biblischen Wahrheit und der Einheit in der Lehre. Wir verwerfen damit jegliche Union oder Allianz glaubens- und bekenntnisverschiedener Kirchen und Christen.

    13. Wir verwerfen die Behauptung, Gott habe über die örtliche oder Basisgemeinde hinaus noch andere christliche Versammlungen angeordnet.

    Das ist es, was die Bibel über die Kirche oder Gemeinde Jesu Christi lehrt; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

10. DAS PRIESTERTUM ALLER GLÄUBIGEN UND DAS HEILIGE PREDIGTAMT

 

    1. Jeder Christ ist vor Gott ein Priester und König, 1 Petr. 2,9. Alle Gläubigen haben durch Christus, unseren Mittler, unmittelbaren und gleichen Zugang zum Gnadenthron Gottes, Eph. 2,18. Allen Gläubigen hat Gott die Gnadenmittel zur Verwaltung und zum Gebrauch anvertraut, Joh. 20,21-23. Alle Christen sollen die Tugenden des verkündigen, der sie berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht, 1 Petr. 2,9. In diesem Sinne sind alle Christen Zeugen des Evangeliums.

    2. In der Gemeinde aber als der äußerlichen Versammlung um Wort und Sakrament, in der alle Christen gleiche Rechte haben und alle gleichermaßen geistliche Priester sind, ist es nicht nur um der Ordnung willen nötig, daß die Gemeinde Einzelne beruft, die für die anderen die Gnadenmittel in ihrem Namen öffentlich verwalten, sondern Gott selbst hat in der örtlichen oder Basisgemeinde das heilige Predigtamt oder Ältestenamt oder Amt des Hirten und Lehrers eingesetzt, Matth. 10,1; Apg. 20,28; 1 Kor. 10,29; Eph. 4,11; Tit. 1,5 und beruft durch die Gemeinde geeignete Männer in dieses Amt, Apg. 14,22; Tit. 1,5, die Christi, nicht der Menschen, Diener sind, Gal. 1,9, Diemer am Evangelium, nicht Herren über die Gemeinde, 1 Kor. 3,22; 1 Petr. 5,3. Dieses heilige Predigtamt umfaßt alle nötigen Aufgaben, wie Lehre, Unterweisung, Kinder- und Jugendarbeit, Evangelisation, Mission, Seelsorge, Ausbildung, Aufsicht. Es steht dabei in der Freiheit der Gemeinde, durch ihre Berufung die Strukturen oder Formen festzulegen, in denen das Amt durch wieviel Berufene ausgeübt werden soll. Sie kann je nach Notwendigkeit Zweig- und Hilfsämter bilden, Apg. 6,1-3.

    3. Der Auftrag der Gemeinde Jesu Christi gilt aber nicht nur, dafür zu sorgen, daß die Gemeinde selbst mit Gesetz und Evangelium geweidet wird, sondeern sie soll sich auch derer annehmen, die die frohe Botschaft noch nicht gehört haben, denn allein im Glauben an Jesus Christus ist Rettung vor der Verdammnis im Jüngsten Gericht, Apg. 4,12. Darum soll die Gemeinde mit ihrem Pastor Evangelisation und Mission betreiben und, für sich oder zusammen mit anderen Gemeinden, Evangelisten und Missionare (Sendboten) aussenden, Röm. 10,14-17; Apg. 13,1-3.

    Dieser Auftrag gilt gegenüber allen Menschen, auch gegenüber den Juden, denn Christus will, daß auch aus ihnen noch viele ihn als den verheißenen Heiland erkennen und so gerettet werden, Röm. 9-11. Die Gemeinde Jesu Christi als das geistliche Israel des Herrn ist Gemeinde von solchen, die aus der Judenschaft und von solchen, die aus der Heidenschaft zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind und nun eins sind in Christus, Joh. 10,16; Eph. 2,11-18.    

    4. Wir verwerfen die Ansicht, daß die Kirche Jesu Christi im Amt gegründet sei oder einer Hierarchie bedürfe bzw. eine solche göttlicher Ordnung sei. Wir verwerfen damit auch die Lehre von einem Papstamt, sei es als 'Amt der Einheit' oder 'der Gemeinschaft in versöhnter Verschiedenheit' oder als niemanden unterworfenes Herrscheramt.

    5. Wir verwerfen die Lehre, daß das konkrete Predigtamt heilsnotwendig sei bzw. nur ordinierte Diener am Wort wirksam und gültig Wort und Sakrament austeilen könnten.

    6. Wir verwerfen die Ansicht, Gott habe außer dem heiligen Predigtamt, das er der Basisgemeinde gegeben hat, noch andere Ämter geordnet.

    7. Wir verwerfen die Lehre, daß es außerhalb von Christus, etwa in anderen Religionen, Errettung, Gnade geben könne. Wir verwerfen auch die Ansicht, daß die Juden automatisch, von Volks wegen, gerettet würden.

    Das ist es, was die Heilige Schrift vom allgemeinen Priestertum und dem heiligen Predigtamt lehrt; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

11. DIE GEMEINDE JESU CHRISTI UND DER STAAT

 

    1. Nicht nur die Kirche, sondern auch die Obrigkeit, alle obrigkeitliche Gewalt, ist von Gott gestiftet worden. "Wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet." Röm. 13,1. Christen werden darum um des Gewissens willen der Obrigkeit gehorchen, die über sie herrscht, Röm. 13,5, es sei denn, daß die Obrigkeit ihnen etwas befiehlt, womit sie Gott ungehorsam wären, Apg. 5,29.

    2. Kirche und Staat haben von Gott völlig unterschiedliche Aufgaben gekommen: Die Kirche soll den Sünder zur Buße rufen, die Vergebung der Sünden durch das Kreuz Christi verkündigen, die Gläubigen zu einem einem christlichen Leben anleiten. Das Ziel ist, daß die Auserwählten Gottes durch den Glauben an Christus zur ewigen Seligkeit geführt werden. Dem Staat oder der Obrigkeit hat der Herr die Erhaltung der guten äußerlichen Ordnung und des Friedens, die Einrichtung aller bürgerlichen Angelegenheiten, zugewiesen, Röm. 13,4.5. Das Ziel dabei ist, "daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit", 1 Tim. 2,2.

    3. Das einzige Mittel, das Gott der Kirche gegeben hat, um ihre ihr anvertraute Aufgabe zu erfüllen, ist sein in der Schrift geoffenbartes Wort in Gesetz und Evangelium, zusammen mit den Sakramenten, Mark. 16,15.16. Nur durch das Predigen von Gesetz und Evangelium, Sünde und Gnade, Buße und Glauben, Gottes Zorn gegen die Sünde und der Gnade Gottes in Christus, werden Menschen bekehrt und weise gemacht zur Seligkeit. Andere Gewalt soll und darf die Kirche nicht benutzen oder in Anspruch nehmen, 2 Kor. 10,4. Dem Staat dagegen hat Gott das natürliche Gesetz und die staatliche Gewalt gegeben, welche nach dem Licht der Vernunft (was die natürliche Erkenntnis Gottes mitsamt seinem eingeschriebenen Gesetz einschließt) unter Anleitung des Gewissens eingesetzt und gebracht werden sollen, Röm. 13,4.

    4. Das rechte Verhältnis zwischen Kirche und Staat wird nur dann bewahrt, wenn beide, die Kirche und der Staat, streng getrennt sind und in dem ihnen von Gott zugewiesenen Gebiet bleiben und die ihnen von Gott anvertrauten Mittel gebrauchen, Matth. 22,21. Die Kirche soll nicht bürgerliche Gewalt gebrauchen, noch soll sie dem Staate hinderlich sein, während der Staat seine Aufgaben erfüllt. Der Staat soll nicht ein Bote des Evangeliums werden, noch soll er die Kirche an ihrer Predigtaufgabe hindern. Die Kirche soll nicht das Zivilgesetz und Gewalt zu gebrauchen versuchen, damit Menschen zu Christus zu führen. Der Staat soll nicht durch das biblische Gesetz oder das Evangelium oder die Bibel im Allgemeinen zu regieren versuchen.

    5. Wir verwerfen jeglichen Versuch des Staates, die freie Ausübung des Religion im Allgemeinen und des Amtes der Kirche im besonderen zu beschränken oder zu hindern.

    6. Wir verwerfen jede Ansicht, die der Kirche direkten oder indirekten Einfluß auf den Staat und die Verwaltung seiner Angelegenheiten geben will.

    7. Wir verwerfen jeglichen Versuch, daß die Kirche vom Staat finanzielle ode andere Unterstützung in der Ausführung ihrer Heilsaufgabe bekommen solle.

    8. Wir verwerfen jede Meinung, daß es den Bürgern eines Staates freistehe, solche Gesetze, mit denen er nach persönlichem Urteil, ohne Weisungen der Heiligen Schrift, nicht übereinstimmt, zu übertreten.

    Das lehrt die Heilige Schrift über das Verhältnis von Kirche und Staat; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

12. EHE UND FAMILIE

   

    1. Die Ehe, die durch rechtmäßiges Verlöbnis zustandegekommene lebenslange Verbindung eines Mannes und einer Frau zu einem Fleisch, ist nicht aus menschlicher Überlegung oder Willen entstanden, sondern Gottes heilige Stiftung, schon in der Schöpfung, 1 Mose 1,27.28; 2,14-24; Matth. 19,4-9, wobei die Frau dem Mann eine Gehilfin sein soll, die um ihn ist. Die Ehe ist der einzige, rechtmäßige, von Gott geordnete Raum geschlechtlicher Gemeinschaft. Jede geschlechtliche Gemeinschaft außerhalb der Ehe oder Verlockung oder Anreizung zu ihr ist Sünde, Matth. 5,27 ff. Eine besondere Greuelsünde stellt der gleichgeschlechtliche Umgang, sowie der geschlechtliche Umgang mit Kindern und Tieren dar, Röm. 1,18 ff.

    2. Gemäß der göttlichen Ordnung ist der Mann das Haupt der Frau, Eph. 5,22.23; 1 Kor. 11,3, die Frau soll ihm untertan sein in dem Herrn, Eph. 5,22.24, der Mann aber seine Frau lieben, wie Christus die Gemeinde geliebt hat, Eph. 5,25.

    3. Die Ehe ist eine lebenslange Verbindung, bei der Gott es sich vorbehalten hat, sie durch den Tod eines der Partner zu beenden. Darum ist eine Scheidung, ausgenommen nach erlittenem Ehebruch, Matth. 19,6, Sünde und dem Ehebruch gleichgesetzt.

    4. Eine der Zwecke der Ehe ist, wenn Gott Gnade gibt, die Fortpflanzung. Kinder sind eine Gabe Gottes, ein Geschenk, ein Segen Gottes, Ps. 127,3-5. Es steht daher nicht in der Gewalt von Mann und Frau, festzulegen, wann sie ein Kind bekommen wollen und wieviel. Abtreibung ist bewußtes, vorsätzliches Töten eines von Gott geschenkten Menschen und daher Mord.

    5. Neben der Ehe hat Gott auch etliche mit der Gabe der Ehelosigkeit ausgerüstet, Matth. 19,12, die aber kein höherer, sondern der Ehe gleichgestellter Stand ist und nicht in menschlicher Verfügungsgewalt (Gelübde) liegt.

    6. Wir verwerfen daher die Ansicht, die Ehe sei eine menschliche Ordnung, entstanden aus kulturellen, sozialen, volklichen Umständen, daher den zeitlichen Entwicklungen unterworfen.

    7. Wir verwerfen die Meinung, daß eine Ehe durch Scheidung auch ohne vorhergegangenen Ehebruch beendet werden könne.

    8. Wir verwerfen die Haltung, die das Hauptsein des Mannes leugnet.

    9. Wir verwerfen Abtreibung und Geburtenkontrolle.

    Das lehrt die Bibel über Ehe und Familie; darum glauben, lehren und bekennen wir es.

 

 

13. DIE WIEDERKUNFT JESU CHRISTI UND DAS JÜNGSTE GERICHT

 

    1. Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, der vom Tode auferstanden und zur rechten Hand Gottes aufgefahren ist, wird wiederkommen, wie seine Jünger ihn haben zum Himmel fahren sehen, Apg. 1,11.

    2. Niemand kann die genaue Zeit der Wiederkunft Jesu Christi wissen. Diese Kenntnis ist sogar den Engeln im Himmel verborgen, Matth. 24,36. Dennoch hat uns der Herr Zeichen gegeben, um uns in fortdauernder Erwartung seiner Wiederkunft zu erhalten. Er hat uns gesagt, daß wir auf uns selbst achtgeben und wachen sollen, damit dieser Tag uns nicht unerwartet überfalle, Luk. 21,34.

    3. Mit Jesu Wiederkunft wird diese gegenwärtige Welt zu Ende kommen. "Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet." 2 Petr. 3,13.

    4. Wenn Jesus Christus wiederkommt mit seinen Engeln und seine Stimme in der ganzen Welt erschallt, werden alle Toten auferstehen und zusammen mit denen, die noch leben, vor seinem Gerichtsthron erscheinen, die einen, die durch den Glauben mit Christi Blut Gereinigten, zur ewigen Herrlichkeit, die anderen, die Ungläubigen, zur ewigen Verdammnis, Joh. 5,28.29.

    5. Wir verwerfen jede Form der Lehre eines besonderen Tausendjährigen Friedensreiches zusätzlich zur neutestamentlichen Heilszeit. Wir verwerfen auch die Meinung, daß "alle" Juden in den letzten Tagen bekehrt werden oder gar, daß alle Menschen die ewige Herrlichkeit schließlich genießen werden.

    6. Wir verwerfen jegliche Leugnung der leiblichen Auferstehung und der Realität der Hölle.

    7. Wir verwerfen jeglichen Versuch, die eschatologischen Stellen des Neuen Testamentes, die von Jesu Wiederkunft und Gericht reden, bloß bildlich zu verstehen oder diese eschatologischen Ereignisse als sich jetzt in der Geschichte ereignend zu sehen.

    Das lehrt die Bibel über Jesu Wiederkunft und das Jüngste Gericht; darum glauben, lehren und bekennen wir es auch.