KLEINE

 

BIBELKUNDE

 

 

 

Inhaltsverzeichnis:

 

DAS ALTE TESTAMENT    7

I. Einleitung   7

II. Die Bücher des Alten Testamentes   9

A) DIE GESCHICHTLICHEN BÜCHER    9

1. Der Pentateuch   9

2. Das Buch Josua   13

3. Das Buch der Richter 13

4. Das Buch Ruth   14

5. Die Samuelbücher 14

6. Die Königebücher 15

7. Die Chronikbücher 16

8. Das Buch Esra   17

9. Das Buch Nehemia   18

10. Das Buch Esther 18

B) DIE LEHRBÜCHER   18

11. Das Buch Hiob   19

12. Der Psalter 20

13. Die Sprüche Salomos   20

14. Der Prediger Salomo   21

15. Das Hohelied Salomos   22

C) DIE PROPHETISCHEN BÜCHER   23

16. Der Prophet Jesaja   23

17. Der Prophet Jeremia   24

18. Die Klagelieder Jeremias   25

19. Der Prophet Hesekiel 25

20. Der Prophet Daniel 26

21. Der Prophet Hosea   27

22. Der Prophet Joel 27

23. Der Prophet Amos   28

24. Der Prophet Obadja   28

25. Der Prophet Jona   29

26. Der Prophet Micha   29

27. Der Prophet Nahum    30

 

28. Der Prophet Habakuk   30

29. Der Prophet Zephanja   31

30. Der Prophet Haggai 31

31. Der Prophet Sacharja   32

32. Der Prophet Maleachi 32

DAS NEUE TESTAMENT    34

I. Die geschichtlichen Büchern   36

II. Die Lehrbücher   36

III. Das prophetische Buch   37

II. Die Bücher des Neuen Testamentes   38

A) DIE GESCHICHTLICHEN BÜCHER    38

Die Evangelien   39

1. Das Evangelium nach Matthäus   39

2. Das Evangelium nach Markus   41

3. Das Evangelium nach Lukas   42

4. Das Evangelium nach Johannes   44

5. Die Apostelgeschichte des Lukas oder Die Taten der Apostel 46

B) DIE LEHRSCHRIFTEN    48

Die paulinischen Briefe   49

6. Der Brief des Paulus an die Römer 51

7. Der erste Brief des Paulus an die Korinther 52

8. Der zweite Brief des Paulus an die Korinther 53

9. Der Brief des Paulus an die Galater 53

10. Der Brief des Paulus an die Epheser 54

11. Der Brief an die Philipper 55

12. Der Brief an die Kolosser 56

13. Der erste Brief an die Thessalonicher 57

14. Der zweite Brief an die Thessalonicher 58

Die Pastoralbriefe   58

15. Der erste Brief an Timotheus   59

16. Der zweite Brief an Timotheus   60

17. Der Brief an Titus   61

18. Der Brief an Philemon   61

Die allgemeinen oder katholischen Briefe   62

19. Der erste Brief des Petrus   62

 

20. Der zweite Brief des Petrus   65

21. Der erste Brief des Johannes   66

22. und 23. Der zweite und der dritte Johannesbrief 67

24. Der Brief des Jakobus   67

25. Der Brief des Judas   69

26. Der Brief an die Hebräer 70

C) DAS PROPHETISCHE BUCH    71

27. Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes   71

Exkurs I über das sogenannte „Tausendjährige Reich“   75

Exkurs II über die Frage der Juden in der letzten Zeit 79

Maße und Gewichte in der Bibel 84

1. Längenmaße   84

2. Wegmaße   84

3. Hohlmaße für Flüssigkeiten im Alten Testament 84

4. Hohlmaße für feste Dinge im Alten Testament 84

5. Hohlmaße im Neuen Testament 84

6. Gewichte   85

7. Geld und Münzen im Alten Testament 85

8. Geld und Münzen im Neuen Testament 85

Zeittafel 86

A. Altes Testament 86

        B. Neues Testament                                                                       

 

DAS ALTE TESTAMENT

 

 

I. Einleitung

 

Worum geht es in der Bibel? Die Bibel ist das geistgehauchte Wort des lebendigen Gottes, seine Offenbarung an uns Menschen im Rahmen der (Heils-)Geschichte: Gott redet mir dir. Es geht dabei um die Beziehung Gottes zu dem von ihm erschaffenen aber dann von ihm abgefallenen Menschengeschlecht, seine Treue zu diesen seinen Geschöpfen, seinem daraus resultierenden Ringen um uns Menschen in Gesetz und Evangelium und schließlich seine von Ewigkeit her beschlossene Errettungs- oder Erlösungstat durch den Sohn, Jesus Christus.

Warum also sollen wir die Bibel lesen? Wir sollen sie lesen, weil sie Gottes Wort, Gottes Liebesbrief an uns ist, weil wir darinnen das ewige Leben haben, Johannesevangelium 5,39, weil das Wort Gottes uns unsere Sünde aufdeckt und uns durch das Evangelium den Glauben entzündet, stärkt und bewahrt, 2. Timotheusbrief 3,14-17.

 

Wie teilen wir die Bibel ein? Die Bibel wird unterteilt in das Alte Testament und das Neue Testament.

Was umfasst das Alte Testament? Das Alte Testament umfasst Gottes Offenbarung an uns Menschen vor der Geburt Jesu Christi und weist daher in Verheißung auf den damals noch künftigen Messias, Heiland hin. Es enthält dabei Gesetz und Evangelium, wenn auch das Gesetz prägend war in Israel als Zuchtmeister auf Christus, Galaterbrief 3,24. Es enthält nach unserer heutigen Einteilung 39 Bücher, die in einem Zeitraum von etwa 1100 Jahren entstanden sind.

Was ist beim Verständnis des Alten Testamentes auch wichtig zu wissen? Im Blick auf das literarische Element ist es gut zu wissen, dass im Aufbau der alttestamentlichen Bücher im Einzelnen wie auch des Alten Testamentes im Ganzen sich immer wieder eine Symmetrie feststellen lässt und dass die Wiederholungen einen wichtigen und bedeutenden Teil sowohl der Einteilung, als auch der Einprägung und des Aufgreifens im Zusammenhang sind. Schon allein daraus wird deutlich, wie unwissenschaftlich, wie unliterarisch und absurd all die bibelkritischen Theorien zum Alten Testament sind, die von Quellen, Fragmenten ausgehen und die einzelnen Bücher zerreißen wollen.

Wie wird das Alte Testament eingeteilt? Die Einteilung der hebräischen Bibel, wie sie auch unser Herr Jesus benutzt hat, siehe Matthäusevangelium 23,35, sieht so aus:

1. Die Thorah oder der Pentateuch

Die fünf Bücher Moses

2. Die Propheten

 

a) Die früheren oder vorderen Propheten (prophetische Geschichtsbücher)

Josua

Richter

Zwei Bücher Samuel

Zwei Bücher der Könige

b) Die späteren oder hinteren Propheten (prophetische Weissagungsbücher)

ba. Die großen Propheten:

Jesaja

Jeremia

Hesekiel

bb. Die kleinen Propheten:

Hosea

Joel

Amos

Obadja

Jona

Micha

Nahum

Habakuk

Zephanja

Haggai

Sacharja

Maleachi

3. Die Ketubim oder Hagiographen

Psalmen

Sprüche Salomos

Hiob

Hohelied Salomos

Ruth

Klagelieder Jeremias

Prediger Salomos

Esther

Daniel

Esra

Nehemia

Zwei Bücher der Chronik.

Die Reihenfolge der Bücher ist durchaus immer wieder unterschiedlich in den Überlieferungen.

 

 

 

 

 

II. Die Bücher des Alten Testamentes

 

 

A) DIE GESCHICHTLICHEN BÜCHER

 

1. Der Pentateuch

 

Was ist der Pentateuch? Der Pentateuch oder die Thorah, das sind die fünf Bücher, die Mose, der Mann Gottes, unter Eingebung des Heiligen Geistes geschrieben hat, die als das Gesetz den Ausgangspunkt des Alten Testamentes bilden.

Was bildet den Inhalt der Thorah oder des Pentateuch? Im 1. Buch Mose 1-11 haben wir die ganze Lehre Gottes in kurzer Zusammenfassung; die fünf Bücher zeigen uns in Gesetz und Evangelium Gottes Weg mit Israel, nämlich wie er aus diesem Volk sein Volk gemacht hat; vor allem aber beschreiben sie uns den Willen Gottes, eben sein Gesetz, siehe auch 5. Buch Mose 31,26; Nehemia 8,2.7; Lukasevangelium 24,44.

Wer hat denn diese fünf Bücher geschrieben? Der Schreiber dieser fünf Bücher ist eindeutig Mose, wie es sowohl im Alten wie im Neuen Testament vielfach bezeugt ist, sei es durch direkte Anführung Moses als Schreiber, sei es durch Zitierung von oder Bezugnahme auf Stellen, was anzeigt, dass sie schon vorhanden waren: Josua 1,7.8; 8,31-35; 23,6; 24,26; Richter 1,2; 1. Samuel 1-4; 21,4.5; 1. Könige 2,3; 6,12; 8; 9,4; 11,33.34; 2. Könige 10,31; 11,12; 14,6; 18,6.12; 21,8; 22,8-13; 23,2.3.21-25; 2. Chronik 25,4; 34,1-24.30.31; 35,12; Esra 3,2.3; 6,18; 7,6.25; Nehemia 8; 13,1; Psalm 1,2; 19,8-12; 40,8.9; 99,6; 103,7; 119; Joel 2,13; Amos 2,4; Hosea 11,12; Jesaja 1,2-4; 30,9; Daniel 9,11.13; Maleachi 4,4.

Matthäus 8,4; 19,7-8; Markus 12,26; Lukas 2,22; Johannes 5,45; 7,19.22; Römer 10,5.19; 2.

Dabei bilden die Bücher 1., 3. und 5. Buch Mose von vornherein eine Einheit für sich, wodurch auch die beiden anderen geformt werden.

Wie steht es denn mit den angeführten unterschiedlichen Gottesnamen und den stilistischen Verschiedenheiten? Es ist völlig richtig, dass schon bei Mose Gott mit unterschiedlichen Namen bezeichnet wird, als bedeutendster Unterschied werden Elohim und Jahweh genannt. Hier aber muss man die Bedeutung dieser Bezeichnungen in ihrem Zusammenhang erkennen: Elohim weist hin auf Gott als den Schöpfer, Jahweh auf Gott als den, der uns ssein Gesetz gibt und das Heil bringt. Wenn wir das beachten, so erkennen wir, wie notwendig und wichtig diese Unterscheidung für den Sinn ist. Was nun die stilistischen Unterschiede angeht, so sind sie selbstverständlich, da es verschiedene Sprachgattungen in solch einem umfangreichen Werk gibt, so dass selbst bei weltlichen, von Menschen erschaffenen Büchern gute Dichter unterschiedliche Stilformen verwenden, je nachdem, was sie ausdrücken wollen.

 

Worum geht es im 1. Buch Mose? Das erste Buch Mose (Bereschit oder Genesis oder die Vorgeschichte Israels) berichtet uns vom „Anfang“, nämlich von der Erschaffung Himmels und der Erden, Kapitel 1 und 2, von der Erschaffung insbesondere des Menschen (Adam) aus Erde (adama) und der ursprünglichen Gemeinschaft unserer Ureltern mit Gott im Paradies. Dann aber wird die zentrale Tragödie des Menschengeschlechts berichtet, der Sündenfall, durch den unsere Ureltern Gott ungehorsam wurden und daher das Paradies verlassen mussten, Kapitel 3.

An die Schöpfungsgeschichte schließen sich 1. Buch Mose 2,4 zehn „Fortpflanzungen“ oder „Weiterentwicklungen“ (Toledot) an, zehn Abschnitte, die vor allem von einem geprägt sind: von Gottes Sorge um das Heil der Menschen. Dabei wird bei jedem neu beginnenden Abschnitt auf das zuvor Berichtete zurückgegriffen als Ausgangspunkt für das Folgende.

    Die Abschnitte sind:

A. Die Urgeschichte = Urgeschichte der Menschheit:   B. Die Erzvätergeschichte =       Urgeschichte des Gottesvolkes:

  I. Himmel und Erde (2,4-4,26)                                 VI. Tharah (11,27-25,11)

 II. Adam (5,1-6.8)                                                 VII. Ismael (25,12-18)

III. Noah (6,9-9,29)                                                 VIII. Isaak (25,9-35,29)

IV. Noahs Söhne (10,1-11,9)                                     IX. Esau (36,1-37,1)

 V. Sem (11,10-26)                                                    X. Jakob (37,2-50,26)

    Zentral in all diesen Entwicklungsabschnitten aber ist das eine: die immer wiederkehrende Verheißung von dem künftigen Heiland, angefangenen mit dem ersten oder Protevangelium 3,15 über 12,3 oder 20,18, als des Segens für alle Völker.

    In diesem Buch geht es in diesem Zusammenhang darum, wie Gott aus der Menschheit, und zwar aus der Segenslinie Adams und Evas über Seth und Enosch und weiter über Noah und Sem sich ein Geschlecht, dasjenige Abrahams, und von diesem die Nachkommen Isaaks, erwählt hat und sie wachsen lässt bis zur Ansiedlung in Ägypten.

Messianische Weissagungen im 1. Buch Mose: 3,15 (Same der Frau); 12,3 (Segen für alle Geschlechter); 22,18; 26,4; 28,14 (Segen für alle Völker); 49,10-12 (Shiloh, der Friedefürst).

Typoi auf Christus: Arche, Kapitel 6-8 als Vorbild der Erlösung; Melchisedek, 14,18; Isaaks Opferung, Kapitel 22; Josephs Verkauf, Kapitel 37; Juda als der Stellvertreter, 44,32-34

 

Worum geht es im 2. Buch Mose? Das zweite Buch Mose (Exodus oder die Erlösung Israels) beschreibt uns, wie aus den Nachkommen Jakobs, als dem Volk Israel, das Volk Gottes wird als das Volk des Gesetzes, beschreibt somit die Aufrichtung der Theokratie (Gottesherrschaft) in diesem Volk und die Gabe des Gesetzes, sowohl des Moralgesetzes (das als natürliches Gesetz auch für uns noch gilt) wie auch der Zeremonial- und Polizei- oder Sozialgesetze (die nur Israel im Alten Bund galten und mit Christus zum Ziel, zur Erfüllung gekommen sind, siehe Jeremia 31,33; Hebräerbrief 8,13; 10,18.1; 1. Buch Mose 49,10).

    Das Buch lässt sich so einteilen:

I. Der Auszug aus Ägypten: 1) Die Unterdrückung (1,1-6,27); 2) Der Auszug (6,28-13,16)

II. Der Wüstenzug zum Sinai, 13,17-18,27

III. Die Bundesschließung am Sinai: 1) Die Vorbereitungen, Kapitel 19; 2) Die zehn Gebote, Kapitel 20; 3) Die Rechte Israels, 21-23; 4) Die Bundesschließung, 24,1-11

IV. Die Wohnungnahme des Herrn in Israel: 1) Anweisungen zum Bau der Stiftshütte und des Priesterdienstes, 24,12-31,18; 2) Bundesbruch und Bundeserneuerung, 32-35,3; 3) Erbauung der Stiftshütte, der Wohnung Gottes unter seinem Volk, 35-39; 4) Aufrichtung und Einweihung der Stiftshütte, Kapitel 40.

In vielen Ereignissen und Gesetzen des Gottesdienstes haben wir zugleich Vorbilder (Typoi oder Typen) auf Christus, den Heiland: Auszug aus Ägypten; Passahlamm; Schaubrote; Gnadenstuhl.

Messianische Weissagungen im 2. Buch Mose: Brennender Dornbuch, Kapitel 3; Passahlamm, Kapitel 12; Manna, Kapitel 16, siehe Johannesevangelium 6,48-51; Fels, Kapitel 17, siehe 1. Korintherbrief 10,14; Johannesevangelium 4,13.14; die Person Mose (sah Gott von Angesicht; führte das Volk aus der Gefangenschaft; trat für das Volk ein); Aaron als Hoherpriester, siehe Hebräerbrief 4,14-5,5; die Stiftshütte, Kapitel 25; 26; siehe Hebräerbrief 8,5

 

Worum geht es im 3. Buch Mose? Im dritten Buch Mose (Leviticus oder das Priestertum Israels) werden die gottesdienstlichen und sozialen Ordnungen für das Volk Gottes gegeben und so das Volk als ein Volk von Priestern und ein heiliges Volk gefordert. Dieses Buch beschreibt damit einerseits die Heiligkeit Gottes, andererseits den Abstand, den wir Menschen durch die Sünde von ihm haben – und macht damit deutlich, wie nötig wir den Heiland Jesus Christus brauchen, der uns auch befreit hat vom Joch des Gesetzes.

    Das Buch gliedert sich so:

A. Beseitigung dessen, was von Gott trennt – Ein Königreich von Priestern

I. Opfer und Priestertum

1. Die Opfergesetze, 1-7

2. Die Einsetzung Aarons und seiner Söhne ins Priestertum, 8-10

II. Die Heiligung Israels für den Dienst des Herrn durch Reinigung des leiblichen Lebens

1. Die Speiseordnung, Kapitel 11

2. Das Gesetz über die Geburt, Kapitel 12

3. Das Gesetz vom Aussatz; 13-14

4. Das geschlechtliche Leben, Kapitel 15

III. Die Heiligung Israels durch das Abtun der Sünde: der große Versöhnungstag, Kapitel 16

B. Bewährung derer, die zu Gott gehören – Ein heiliges Volk

IV. Die Heiligung Israels als Volk Gottes im Leben und Wandel

1. Das natürliche Leben: a) Vorschriften für das ganze Volk, 17-20; b) Vorschriften für die Priester, 21-22

2. Das gottesdienstliche Leben: a) Festversammlungen, Kapitel 23; b) der tägliche Dienst am Heiligtum, Kapitel 24; c) das Sabbathjahr und Halljahr, Kapitel 25

V. Segen und Fluch, Kapitel 26

VI. Schätzung bei Gelübden und Zehnten

    Der große Versöhnungstag ist ein besonderes Vorbild auf die Versöhnung, die Jesus Christus für immer vollständig uns erworben hat; ebenso sind die Opfer insgesamt Typen auf Christus.

 

Worum geht es im 4. Buch Mose? Das vierte Buch Mose (Numeri oder die Wanderung Israels nach Kanaan) berichtet uns die weitere Wüstenwanderung – bis kurz vor das verheißene Land – und dann die 38 Jahre der Wanderung, bis die Auszugsgeneration gestorben ist. Das Ende dieser Zeit ist der erneute Aufbruch hin zum verheißenen Kanaan mit den prophetischen Ausblicken auf den Messias durch Bileam. Auch die Aufrichtung der ehernen Schlange in einer Plage ist ein Typos auf den künftigen Heiland, siehe Johannesevangelium 3,15.

    Gliedern lässt sich das Buch so:

A. Vom Sinai nach Kadesch

1. Das Gottesheer im Gotteslager, 1-4

2. Vom Unreinen geschieden und Gott unterstellt, 5-6

3. Weihegaben und Gottesdienst, 7,1-9,14

4. Aufbruch und Wegweisung, 9,15-10,36

5. Auflehnung und Bestrafung, 11-14

B. Von Kadesch bis zum Jordan

1. Strafaufenthalt in der Wüste: 37 Jahre Wanderung, 15-19

2. Von Kadesch bis an die Grenze Kanaans, 20-21

3. Bileams Weissagungen und Ende, 22-24

4. In Schittim, 25-31

5. Verteilung des Landes, 32-36

Messianische Weissagungen im 4. Buch Mose: 24,17.19 (Stern aus Jakob); die eherne Schlange, 21,5-9, siehe Johannesevangelium 3,14.15

 

Worum geht es im 5. Buch Mose? Das fünfte Buch Mose (Deuteronomium oder Wiederholung, Erläuterung und Einschärfung des Gesetzes) ist Moses Abschiedsrede an das ihm anvertraute Volk Israel, ist die nochmalige Wiederholung und Auslegung des als bekannt vorausgesetzten Gesetzes, Anwendung insbesondere auf die Zeit nach der Einnahme Kanaans. Es geht hier darum, Israel als Gottes Volk fest zu machen und ihm seine Ordnung nochmals einzuschärfen. Vor allem aber weist Mose auf den hin, der einst kommen soll als der wahre und ewige Lehrer und Retter des Volkes: Jesus Christus, 18,15-19.

    Inhalt des Buches:

I. Ermutigung, das Land einzunehmen – Moses Rede im Jordantal, 1,1-4,43

II. Ermunterung, Gottes Gebote zu halten – Moses Rede an Israel, 4,44-26,19

III. Die Erneuerung des Bundes – Bundesschluss im Land Moab, 27-30

IV. Moses Abschied, Lied, Segen und Tod, 31-34

Messianische Weissagungen im 5. Buch Mose: 18,15.18, siehe Apostelgeschichte 3,22; 7,37; Matthäusevangelium 17,5; Hebräerbrief 1,1.2; Johannesevangelium 1,45; 6,14.

 

2. Das Buch Josua

 

Worum geht es im Buch Josua? Josua ist die eine Form von Jesus; Josua hat diesen Namen – er hieß ursprünglich Hosea – erst von Mose bekommen, was eine wichtige Bedeutung hat, 4. Buch Mose 13,16. Josua hat das Volk Israel zur äußeren Ruhe gebracht, nämlich hinein in das verheißene irdische Kanaan, und ihnen das Land ausgeteilt. Mit all dem ist er zugleich auch ein Typos auf Christus als dem, der uns in die ewige Ruhe bringt, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, und uns die ewigen Schätze austeilt. Unser Kanaan, auf das wir zusteuern, ist die Herrlichkeit bei Jesus Christus im Himmel. Auch die Freistätte, Kapitel 20, sind ein Typos auf Christus, unserem Zufluchtsort vor dem rächenden Gesetz Gottes.

    Dass Josua das Buch geschrieben hat, darauf weist 24,26 hin.

    Das Buch umfasst:

I. Die Landnahme

1. Vorbereitungen auf die Landnahme, Kapitel 1-2

2. Die Eroberung des Landes, 3-12

II. Die Verteilung des Landes, 13-21

III. Josuas letzte Maßnahmen, Ermahnungen, Abschied und Tod, 22-24

Warum heißen die Bücher ab dem Buch Josua in der hebräischen Bibel die „prophetischen Geschichtsbücher“? In diesen Büchern werden zum einen viele Propheten genannt, Samuel, Nathan, Gad, Ahia, Jedo, Schemaja, Iddo, Jesaja, Elia und Elisa. Diese Propheten haben über die kanonischen Prophetenbücher hinaus Bücher geschrieben, die unter Leitung des Heiligen Geistes die jeweiligen Schreiber – teilweise wahrscheinlich diese Propheten selbst – verwendeten beim Niederschreiben dieser Bücher. Gott führt und leitet sein Volk geistlich in der Geschichte durch diese Propheten als der Herr der Geschichte.

 

3. Das Buch der Richter

 

Was lehrt uns Gott in diesem Buch? Das Buch der Richter beschreibt uns Israel in der Zeit nach Josua bis zur Zeit Samuels, des 13. Richters. Diese Zeit ist gekennzeichnet durch die immer wieder auftretende Untreue Israels gegen Gott, das dadurch heraufbeschworene Gericht Gottes und Gottes Gnade über sein Volk, dem er einen Retter (den Richter) gibt, der es aus der Hand der Feinde befreit, 2,10-23. So beschreibt dieses Buch unsere Lage als Menschen insgesamt, nämlich unsere Untreue – und auch als Christen ist unser Leben immer wieder auch von Untreue, Sünde gekennzeichnet – und Gottes Gnade, die uns nachgeht, um uns durch unseren Retter, Jesus Christus, vom ewigen Verderben zu erretten und uns so zu erlösen.

    Das Buch lässt sich gliedern:

I. Auftakt: Israels Untreue in politisch-militärischer und in geistlicher Hinsicht, 1,1-3,6

II. Gottes Gerichte und Erlösungstaten durch die Richter, 3,7-16,31

III. Ausklang: Jeder Tat, was ihn rechte dünkte – in religiöser (17-18), wie in sittlicher Hinsicht (19-21).

Wer ist der Schreiber dieses Buches? Das Buch ist einheitlich gestaltet, geht also auf einen Schreiber zurück. Die jüdische Überlieferung nennt Samuel als den Schreiber, was aber nicht gesichert ist; aber die erste Königszeit dürfte als Zeit der Abfassung stimmen.

 

4. Das Buch Ruth

 

Was ist das Thema des Buches Ruth? Das Grundthema dieses Buches ist die Herkunft des Geschlechtes Davids, des Ahnvaters unseres Heilandes Jesus Christus nach seiner Menschheit und damit die Herkunft Jesu. Wichtig ist dabei, dass eben in seiner Ahnenreihe auch heidnische Vorfahren darinnen sind – Thamar, Rahab und Ruth werden im Geschlechtsregister in Matthäusevangelium 1 genannt: Christus ist auch der Heiden Heiland, der Sünderheiland. Zugleich wird in diesem Zusammenhang der hingebende Glaube der von einer Moabitin zu einer glaubenden Jüdin gewordenen Ruth beschrieben und das Löseramt des Boas.

Wer ist der Schreiber dieses Buches? Er wird nirgends genannt. Die Annahmen gehen auf Samuel oder David.

 

5. Die Samuelbücher

 

Wer ist der Schreiber dieser Bücher? Der Schreiber dieser Bücher wird uns nicht genannt. Wahrscheinlich sind sie nicht lange nach der Regierung Davids und Salomos geschrieben wurden, wobei der Prophet, der sie geschrieben hat, unter Anleitung des Heiligen Geistes Aufzeichnungen Samuels, Gads und anderer verwendet haben mag. Die beiden Bücher stellen dabei eine klare Einheit dar, was durch das immer wieder auftretende Stilmittel der Doppelungen, nämlich zweifacher Berichte über Ereignisse, deutlich wird.

Worum geht es in den beiden Büchern? Zeitlich umfassen die beiden Bücher die Zeit von ca. 1100 vor Christi Geburt bis ca. 1016 vor Christi Geburt. Diese Zeit ist zunächst geprägt vom tiefen Fall Israels durch das geistliche Versagen des Richters Eli und dann von der Erneuerung unter dem Propheten und Richter Samuel. Geistlich aber bleiben große Teile Israels auf Abwegen und wollen die Gottesherrschaft (Theokratie) abstreifen durch ein Königtum nach heidnischem Vorbild. Gott lässt sein Volk diesen Weg gehen – mit allen schwerwiegenden Folgen, gerade auch geistlichen. Das erste Buch Samuel beschreibt dann die Zeit des ersten Königs, Saul, seinen hoffnungsvollen Beginn, dann seinen geistlichen Abfall und anschließend seinen Kampf gegen den auf Gottes Geheiß gesalbten Nachfolger, David – mit dem schließlichen Selbstmord des immer tiefer gesunkenen Saul. Das zweite Buch Samuel umfasst die Regierungszeit Davids, des größten irdischen Königs Israels, seine Herrschaftszeit über Juda in Hebron, dann seine Zeit in Jerusalem bis zu seinem Fall, dann seine Buße und die Kämpfe seiner späten Jahre. Im Zentrum aber stehen gerade in diesem Buch die Verheißungen Gottes auf den Messias Jesus Christus, der aus Davids Geschlecht kommen soll, 2. Buch Samuel 7,12-16, die David ganz richtig versteht als von dem Menschen, der Gott der Herr ist, 7,19.

    Die Bücher sind wie folgt aufgebaut:

I. Samuel, der letzte Richter – die Wiederherstellung der Theokratie, I.1-7

II. Saul, der erste König – seine Erwählung und Verwerfung, I.8-15

III. Niedergang Sauls und Aufstieg Davids – Sauls Kampf gegen David, I.16-31

IV. Davids Königtum über Juda und Israel, II.1-9

V. Davids Fall und Buße, Erniedrigung und Wiedererhöung, II.10-20

VI. Davids letzte Kämpfe (II.21-22) und letzte Anordnungen (II.23-24)

Messianische Weissagungen in den Samuelbüchern: 2. Samuel 7,12 ff.

 

6. Die Königebücher

 

Wer hat diese Bücher geschrieben? Auch das wird nicht genannt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass zumindest der größte Teil der Bücher noch in Jerusalem, also vor der Zerstörung, geschrieben wurde. Die Weise er Darstellung kennzeichnet die beiden Bücher als eine Einheit, mit einheitlicher Anlage und Ausführung.

Was ist die Aussage dieser Bücher? Die Grundaussage dieser Bücher ist Gottes Heiligkeit im Gericht, seine Treue, Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in seinem gnädigen Ringen um sein Volk, das er erhalten will auf die Zeit des Messias.

Was beinhalten die Bücher? Die Königebücher beschreiben die Zeit von 1016 vor Christi Geburt bis 587 vor Christi Geburt: Zunächst das geeinte Reich unter Salomo, dessen glanzvolle Herrschaft auch ein Typos ist auf Christus, den Friedenskönig, und sein ewiges Reich. Im Mittelpunkt steht dabei der Bau des Tempels in Jerusalem. Aufgrund des geistlichen Niedergangs Salomos, weil sein Herz sich zu den heidnischen Götzen seiner Frauen neigte, kam es unter seinem Sohn Rehabeam zur Reichsteilung in Nordreich (Israel) und Südreich (Juda). Dieser zweite Abschnitt, der die Zeit bis 722 vor Christi Geburt umfasst, ist gekennzeichnet von dem Gegensatz der beiden Teilreiche. Geistlich ist diese Periode beherrscht von dem immer zunehmenderen Abfall des Nordreiches von dem lebendigen Gott, hat es doch nicht einen einzigen König, der wirklich nach Gottes Wohlgefallen wäre, und dem Wechsel gottloser und Gott wohlgefälligerer Könige im Südreich. Dies mündet dann in das Gericht über das Nordreich durch die Assyrer, die die Masse des Nordvolkes ins Assyrerreich verschleppen, wo es in der dortigen Bevölkerung aufgeht. Der letzte Abschnitt füllt die 150 Jahre, die nun das Südreich allein noch bestand, auch hier gekennzeichnet von einem geistlichen Auf und Ab, den Höhepunkten geistlicher Erneuerung unter Hiskia und dem Reformatorkönig Josia – aber auch furchtbar zerrüttet unter dem erst spät bußfertigen Manasse und den gottlosen Nachfolgern Josias. So erfüllt sich auch am Südreich die Warnung Gottes, die er schon durch Mose gegeben hatte, dass, wenn das Volk nicht bleibt an seinem Wort, er es wieder aus dem Land nehmen werde. Nebukadnezar zerstört den Tempel und Jerusalem und führt viele Juden in die babylonische Gefangenschaft.

    Die Bücher gliedern sich:

I. Das geeinte Reich – Salomos Regierung, I.1-11

II. Das geteilte Reich – Nordreich und Südreich neben- und gegeneinander, I.12-II.17

III. Das übriggebliebene Reich – Juda allein, II.18-25

 

7. Die Chronikbücher

 

Wer ist der Schreiber dieser Bücher? Auch hier wir der Schreiber nicht genannt, aber die Übereinstimmung des Schlusses der Bücher mit dem Anfang des Buches Esra bestärkt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Esra handelt, umso mehr, als die ganze Richtung des Buches den Eifer für Gottes Gesetz und Gottesdienst erkennen lässt.

Handelt es sich bei den Chronikbüchern einfach um eine Wiederholung von Darstellungen aus den Samuel- und Königebüchern? Nein, keineswegs, auch wenn viele der berichteten Ereignisse dort bereits dargelegt wurden, zum Teil in großer Ähnlichkeit. Genauere Prüfung aber zeigt, dass dennoch die Darstellung in den Chronikbüchern eine andere ist, dass es hier stärker um die geistliche Ausrichtung des Lebens der Könige und des Volkes geht und daher alle damit zusammenhängenden Züge klarer herausgearbeitet sind.

Worum geht es in den Chronikbüchern? Das paränetische oder seelsorgerliche Thema dieser Bücher ist, den Segen der Bundestreue und die Strafe für den Abfall aus der Geschichte des Volkes Gottes darzulegen. Es handelt sich dabei diesmal nur um das Südreich, besser, die Könige des Südreiches – als den Trägern der Verheißungslinie von David auf Christus – und ihres Weges mit dem Volk Gottes. Besondere Bedeutung bekommt dabei der Gottesdienst, das geistliche Leben der Könige und des Volkes (Davids Haus und Gottes Haus). Dies sollte der Herstellung und Förderung des rechten Gottesdienstes nach dem babylonischen Exil dienen. Im Kern dieser Bücher steht auch hier wieder die Verheißung Gottes an David, die eindeutig auf den Messias zielt, 1. Buch Chronik 17,11-17.

    Zeitlich wird also die Zeit der Könige von David über Salomo bis auf Josia und seine Nachfolger bis zur babylonischen Gefangenschaft beschrieben. Die Chronik zu Beginn des Buches aber fängt an bei Adam und geht bis auf Serubabel, der nach dem Exil beim Wiederaufbau von Tempel und Stadt Jerusalem wirkte und zeigt somit an, dass es Gott hier um die Verheißungslinie für den Messias geht, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist, und wie Israel als Gottes Volk im Ringen von Fleisch und Geist steht.

    Eingeteilt werden können die Bücher:

I. Davids Haus: 1) Davids Vaterhaus und Geschlecht, I.1-3; 2) Davids Reich I.4-9,34

II. Davids Stadt: 1) Jerusalem wird Landeshauptstadt, I.9,35-Kapitel 12; 2) Jerusalem wird Ort des Heiligtums, I.13-29

III. Davids Nachfolger: 1) Salomo und sein Tempelbau, II.1-9; 2) Die jüdischen Könige und ihr Tempelbau, II.10-36

Messianische Weissagung in den Chronikbüchern: 1. Chronik 17,11-15

 

8. Das Buch Esra

 

Worum geht es in diesem Buch? Dieses Buch, das von dem Priester und Lehrer Esra stammt, umfasst die Darstellung der Ereignisse von etwa 538-458 vor Christi Geburt. Es gliedert sich dabei in zwei Teile: der erste Teil, Kapitel 1-6, - ‚Der Tempel wird aufs neue gebaut’ - berichtet von der Rückkehr des ersten Zuges aus dem babylonischen Exil unter Serubabel und Josua, dem Wiederaufbau Jerusalems und vor allem des Tempels und seiner Einweihung. Der zweite Teil, Kapitel 7-10, – ‚Die Gemeinde wird aufs neue gebaut’ - beschreibt den zweiten Zug, den Esra selbst führte, und das reformatorische Wirken Esras in Jerusalem durch das Wort Gottes, das er auf den Leuchter stellte, um so den Götzendienst mit all seinen Nebenformen, wie den Mischehen, zu überwinden und das erneuerte Israel als Gottes Volk leben zu lassen. Er wird deshalb auch als der „zweite Mose“ bezeichnet. In seinem Einzug in Jerusalem und seinem Eifer für das Gesetz ist er ein Typos auf Christus, der auch in Jerusalem einzog, um für uns dort das Gesetz vollkommen zu erfüllen.

    Die beiden Teile des Buches bilden sprachlich wie auch thematisch und im Bezug auf einander eine Einheit.

 

 

9. Das Buch Nehemia

 

Was ist das Thema dieses Buches? War Esra der geistliche Leiter und Erneuerer des Volkes Gottes nach dem babylonischen Exil, so führte Nehemia den praktischen Wiederaufbau Jerusalems, unter teilweise großen Kämpfen mit den feindlich gesinnten Nachbarn, durch. Er kam etwa dreizehn Jahre nach Esra nach Jerusalem und arbeitete mit diesem eng zusammen, gerade was die Bundeserneuerung und Schrifttreue des Volkes Gottes angeht. Das Buch zerfällt in drei Teile: die Erneuerung der Stadtmauern, 1-7; die gemeinsame Bundeserneuerung mit Esra, 7-10 und Sorge für die Zukunft, 11-13,3; Nehemias zweiter Aufenthalt in Jerusalem 13,4-31.

 

10. Das Buch Esther

 

Wer hat dieses Buch geschrieben? Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Aussagen aus 9,20.32 sich auf dieses Buch beziehen und somit der Ziehvater Esthers, Mardochai, der Schreiber ist, wahrscheinlich um 470 vor Christi Geburt.

Worum geht es in diesem Buch? Es geht in diesem Buch um die Begründung des Purimfestes: Gott errettet sein Volk aus höchster Todesbedrohung durch seine vorlaufende und in der Geschichte wirkende Gnade, durch die Esther Königin in Persien wurde. Ohne dass der Name Gottes erwähnt wird, beschreibt dieses Buch Gottes Treue, wie auch die Treue und die Weisheit derer, die sich an diesen lebendigen Gott im Glauben halten.

    Der Inhalt – Gott erhält sein Volk am Leben - lässt sich gliedern:

I. Gottes Volk in heidnischer Umgebung: 1) Verstoßung der Königin Vasthi, Kapitel 1; 2) Eingliederung des Volkes in die Umgebung – Esther wird Königin, Kapitel 2; 3) Abgrenzung gegen die Heiden – Mardochai verweigert den Kniefall, Kapitel 3.

II. Die Glieder des Volkes Gottes in Lebensgefahr, Kapitel 4-5

III. Die Wende zum Guten für Mardochai und Esther, Kapitel 6-7

IV. Die Wende zum Guten für das ganze Volk: 1) Die Juden bekommen Verteidigungsrecht, Kapitel 8; 2) Die Juden erwehren sich ihrer Gegner und feiern ihre Errettung, Kapitel 9; 3) Mardochais Ansehen in Staat und Gottesvolk, Kapitel 10

 

 

B) DIE LEHRBÜCHER

 

Worum geht es in den alttestamentlichen Lehrbüchern? Die alttestamentlichen Lehrbücher sind Ausdruck des lebendigen Glaubenslebens, nämlich wie der glaubende Mensch seine Not, seine Anfechtungen, sein Leiden, seine Fragen bei einem Ringen nach einem Gott wohlgefälligen Leben vor Gott ausbreitet, hinausschreit – und wie Gott ihm antwortet und geben so Wegweisung für unser Leben in der Nachfolge Jesu Christi.

 

11. Das Buch Hiob

 

Wer hat dieses Buch geschrieben? Dies kann nicht gesagt werden, denn wir finden in der Bibel darauf keinerlei Hinweise. Auch der Zeitpunkt ist nicht eindeutig festlegbar, es wird aber angenommen, dass die Ereignisse entweder in der Patriarchenzeit oder (Luther) zur Zeit Salomos stattfanden.

Handelt es sich bei diesem Buch um ein dichterisches Werk oder um Tatsachen? Dass es sich bei dem, was in diesem Buch geschildert wird, um tatsächliche, historische Ereignisse handelt, das machen Verse deutlich wie Prophet Hesekiel 14,14.20, wo Hiob neben Noah und Daniel genannt wird und Jakobusbrief 5,11, wo er als Vorbild der Geduld den Propheten an die Seite gestellt wird.

    Die äußere Anlage des Buches ist allerdings so, dass die Reden als Poesie gestaltet sind, während Prolog, Epilog und die Einleitungen zu einem neuen Sprecher in Prosa ausgeführt sind. Der poetische Teil hat Rhythmus, Gedankenreim (Parallelismus) und strophische Gliederung.

Was ist das Thema dieses Buches? Das Grundthema dieses Buches ist nicht in erster Linie das Leiden, sondern die Auseinandersetzung zwischen eigener Gerechtigkeit und Gottes Gerechtigkeit, eine Auseinandersetzung, die aber gerade auf dem Hintergrund des Leidens besondere Bedeutung gewinnt und auch immer wieder aktuell ist. Hiob hält sein Leiden für Unrecht und beruft sich vor Gott, dem er unrechtes Handeln vorwirft, auf seine Frömmigkeit, meint also, mit seiner Frömmigkeit sich etwas erwerben zu können. Hiobs Freunde, die vergeblich versuchen, ihn zu trösten, können den Sinn des Leidens ebensowenig erfassen und gehen von einer Vergeltungsgerechtigkeit aus, meinen daher, am Schicksal eines Menschen ließe sich erkennen, ob er gut oder böse vor Gott stehe. Sie meinen daher, dass Hiob gesündigt haben müsse, dass er so leiden muss. Die Reden des (Israeliten?) Elihu, die zu den beiden Reden Gottes aus dem Wetter überleiten, machen dagegen deutlich, dass Leiden noch einen anderen Sinn hat als Strafen: nämlich Erziehen, Reinigen, Läutern, und bereiten so Hiob auf Gottes Antwort vor. Es wird deutlich, dass auch der Frömmste auf Gottes Gnade angewiesen ist, da wir alle Sünder sind und bleiben und mit eigener Gerechtigkeit vor Gott nichts ausrichten können.

    Der Inhalt kann eingeteilt werden:

I. Der Prolog: Hiobs Frömmigkeit, Glück und Unglück, 1-2,10

II. Das Streitgespräch: 1) Auftakt, 2,11-3,26; 2) Drei Redegänge: 4-14; 15-21; 22-26; 3) Zusammenfassung a) gegenüber den Freunden, 27-28; gegenüber Gott, 29-31

III. Die Elihureden, 32-37

 

IV. Gottes Eingreifen – zwei Reden und ein Handeln, 38-42

 

Messianische Weissagung im Buch Hiob: 19,25-27

 

12. Der Psalter

 

Welche Bedeutung hat der Psalter? Der Psalter oder die „Sammlung der Psalmen“, im Hebräischen „Tephillot“, Gebete, genannt, ist das Gesang- und Gebetbuch des Alten Bundes und auch die Grundlage vieler Choräle der neutestamentlichen Kirche. In den Psalmen treten uns die Gläubigen des Alten Bundes, vor allem David, von dem allein 73 Psalmen stammen, in ihrem Glaubensleben entgegen, weshalb wir eine Fülle von Themen in den Psalmen behandelt finden, etwa das Wort Gottes (Psalm 19 und 119), die rechte Nachfolge (Psalm 1), die Buße (sieben Bußpsalme: Psalm 6; 32; 38; 51; 102; 130; 143), Kirche und Mission (Psalm 46; 80; 83; 84; 87). Besonders ragen die Christuspsalme heraus, also Gebete, die David und die alttestamentlichen Gläubigen prophetisch auf Jesus Christus gebetet haben und die unser Heiland besonders in seinem Leiden dann gebetet hat; besonders deutlich sind dabei die Psalme 2; 16; 22; 45; 68; 72; 110.

    Die Psalmen sind in poetischer Weise verfasst, wobei die hebräische Poesie in ihrer Anlage anders ist als die uns vom Griechischen, Lateinischen oder Deutsche geläufige. Typisch für die hebräische Poesie ist der Gedankenreim, der als synonymer (als den gleichen Gedanken wiederholender), antithetischer (den Gedanken durch entgegengesetzte Aussagen darstellender) oder syntaktischer (den Gedanken weiterführender) Reim gestaltet sein kann.

Wie ist der Psalter aufgebaut? Der Psalter wird in fünf Bücher gegliedert, 1-41; 42-72; 73-89; 90-106; 107-150, die jeweils mit der Doxologie „Gelobt sei der Herr“ enden. Eine gewisses weiteres Gliederungselement sind die Schreiber der Psalme, besonders ein großer Teil der Psalme Davids sind zusammengestellt; wohl sind einzelne Psalmengruppen auch vorher schon gesammelt worden.

    Von besonderer Bedeutung ist der 119. Psalm, da er als großes Thema das Wort Gottes behandelt. Er ist in 22 Strophen – entsprechend dem hebräischen Alphabet – gegliedert, die jeweils aus acht Versen bestehen, die immer mit dem gleichen Buchstaben beginnen.

Messianische Psalme: 2; 8; 16; 22; 23; 24; 40; 45; 47; 68; 69; 72; 89; 93; 97; 110; 118

 

13. Die Sprüche Salomos

 

Worum geht es in den Sprüchen Salomos? Die Sprüche Salomos, 1,1, sind ein Kern der biblischen „Weisheitsliteratur“, nämlich eine Entfaltung wahrer göttlicher Weisheit als Leben in den Ordnungen und Geboten Gottes. Die ersten neun Kapitel behandeln dieses Thema grundlegend in der Auseinandersetzung der beiden „Gestalten“ Torheit und Weisheit, wobei gerade in Kapitel 8 deutlich wird, dass mit Weisheit nicht nur ein Prinzip, etwas Abstraktes gemeint ist, sondern dass sie durch und durch göttlich ist, ja, göttliche Person, nämlich, wie wir aus Johannes 1 entnehmen können (Wort Gottes) Jesus Christus selbst. Die Grundaussage ist: „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang“ Kap. 1,7. In den weiteren Kapiteln wird das dann in vielen Einzelaussagen dargelegt. Die gegen Ende des Buches 30,1; 31,1, aufgeführten Namen Agur, Jake und Lemuel müssen nicht unbedingt Eigennamen sein, sondern können gut Decknamen für Salomo mit besonderer Bedeutung sein: Ich will fürchten; gehorsam; Gott zugehörig.

    Das Buch gliedert sich:

I. Einleitung und Thema, 1,1-7

II. Grundhaltung ‚Weisheit annehmen’: 1) Erwirb die Weisheit, 1,8-2,22; 2) Bewahre die Weisheit, 3-5; 3) Nutze die Weisheit, Kapitel 6; 4) Binde dich an die Weisheit, Kapitel 7; 5) Kehre bei der Weisheit ein, 8-9

III. Einzelanwendung der Grundhaltung: An Weisheit zunehmen: 1) Folgen von rechtem und unrechtem Verhalten, 10-11; 2) Worin bestehen Weisheit und Torheit? 12-15; 3) Hinter allem steht Gott, 16-17; 4) Öffentliches Leben, 18-19; Verantwortung, 20-22,16; 5) Gedenke an Gott, 22,17-23,14; 6) Rede, was recht ist, 23,15-24,22; 7) Einzelsprüche 24,23-Kapitel 29

IV. Die Sprüche Salomos unter dem Namen Agur, Kapitel 30

V. Die Ratschläge einer (Königs-)Mutter an ihren Sohn, Kapitel 31

 

14. Der Prediger Salomo

 

Was ist das Thema dieses Buches? Das Grundthema dieses Buches wird am Anfang und Ende – 1,2; 12,8 – genannt: „Es ist alles eitel“ und drückt damit aus, dass alles auf dieser Welt vergänglich ist, hinfällig, eigentlich sinnlos, auch Gott in vielem seiner Handlungen nicht erkannt werden kann. Der Grund für all das ist unsere Sünde. Dennoch sollen wir aber darum nicht verzweifeln, sondern Gott fürchten, ihm vertrauen, auf sein Eingreifen warten. Gottes Gabe ist es, wenn ein Mensch seines Lebens und seiner Arbeit froh werden kann – dies wird aber nur dem Frommen zuteil, nicht dem, der in der Sünde verharrt. Nicht Resignation soll also das Ergebnis der Erkenntnis – Alles ist eitel – sein, sondern Glauben, Geduld, Hoffnung, weshalb die Schlusszusammenfassung 12,13 auch lautet: „Fürchte Gott und halte seine Gebote“. Gott ist nämlich der Schöpfer, Lenker und Richter der Welt.

Wer war der Schreiber dieses Buches? In 1,1 und 1,12 wird eindeutig der Prediger als Sohn Davids und König von Jerusalem bezeichnet, als einer, der weiser, größer, gewaltiger ist als alle vor ihm in Jerusalem. Damit wird eindeutig Salomo beschrieben.

    Die Ordnung dieses Buches ist:

A. Bohrendes Fragen, 1. Rede, 1,1-2,21

B. Beglückende Antwort: Grundantwort, 2,22-26; 1) 2. Rede: Alles hat seine von Gott gesetzte Zeit, Kapitel 3; Weisheitsstreben, 4,1-5,8; Bescheiden mit dem von Gott vergönnten Teil bei aller Vergänglichkeit, 5,9-19; 2) 3. Rede: Finden, was für einen gut ist, 6,1-7,22; Das Leben ist froh, denn der Glaube hält an Gottes Vergelten fest, 7,23-8,15; 3) 4. Rede: Trotz dem Tod hat das Dasein Sinn und Wert, 8,16-9,10; Frohe Arbeit, 9,11-12,8

C. Schlusswort mit Hauptsumme der Lehre, 12,9-14

 

15. Das Hohelied Salomos

 

Was ist der Sinn dieses Buches? Es handelt sich bei dem Hohelied Salomos nicht, wie manche meinen, um eine profane Liebesdichtung, sie kann auch nicht mit der syrischen „Dreschtafel“ verglichen werden, denn die Verhältnisse von König und Königin, Bräutigam und Braut sind hier genau umgekehrt. Vielmehr haben wir es hier mit einer allegorischen Dichtung zu tun, also einer bildhaften Darstellung, und zwar unter den Bildern von König Salomo und der Fürstentochter werden Bräutigam und Braut dargestellt, nämlich unser Heiland Jesus Christus und seine Kirche. So haben auch die alttestamentlichen Propheten Hosea, Jeremia und Hesekiel das Verhältnis Gottes zu seinem Volk in Anschluss an das Hohelied dargestellt, auch in Psalm 45 klingt das Thema an, ebenso in den Weinbergsliedern (Prophet Jesaja 5 und in Epheserbrief 5,25-32. Diese Liebe, deren Ausgangspunkt die Liebe Gottes zu uns ist – siehe Johannesevangelium 3,16; 1. Johannesbrief 4,9.10 – ist eine göttliche Gabe, Römerbrief 5,5 und kommt aus der Retterliebe des Heilandes zu uns und will in uns die hingebende Liebe an unseren Heiland wecken. Daran erinnert auch der Beiname Salomos, Jedidja, der sowohl im Weinbergslied Jesaja 5 (Jedid) als auch im Hohenlied (dod) anklingt.

    Der Inhalt entfaltet sich:

A. I. Sehnsucht der unwürdigen Braut nach der Liebe des Bräutigams, 1,2-2,7

II. Gegenseitiges Suchen und Finden, 2,8-3,5

III. Vereinigung der Liebenden, 3,5-5,1

B. IV. Der Bräutigam sucht die Braut – Trennung der Liebenden, 5,2-6,9

V. Lobpreis der Liebenden, 6,10-8,4

VI. Sie finden einander zu treuer, ewiger, seliger Gemeinschaft, 8,5-14

 

 

 

 

 

 

C) DIE PROPHETISCHEN BÜCHER

 

Was ist Prophetie? Der Begriff der „Prophetie“ wird in verschiedener Hinsicht verwendet, auch in der Bibel. Zum einen bezeichnet Prophetie die Vorhersage von Zukünftigem, die Ankündigung eines kommenden Geschehens. Zum anderen aber ist es auch Aufgabe der Prophetie und der Propheten, das Zeitgeschehen zu deuten, Gottes Handeln in der Zeit in Gericht und Rettung kund zu tun, wie wir dies gerade auch bei den alttestamentlichen Propheten finden. Prophetie ist also, im Anschluss daran, Auslegung der Schrift, wie dieser Begriff gerade auch im Neuen Testament häufig verwendet wird.

Welchen Zeitraum umfasst die alttestamentliche Prophetie? Die alttestamentliche Prophetie, bezogen auf die Schriftpropheten, umfasst, verglichen mit den geschichtsprophetischen Büchern, etwa den Schlussteil der Königebücher bis einschließlich die Zeit des Buches Esther, also etwa von 850 bis 410 vor Christi Geburt. Ein wesentlicher Inhalt der alttestamentlichen Prophetie ist die messianische Verheißung, wie wir es insbesondere bei dem Propheten Jesaja finden.

 

16. Der Prophet Jesaja

 

In welcher Zeit steht das Buch des Propheten Jesaja? Wie aus dem Inhalt abzulesen ist, wurde Jesaja im Todesjahr des Königs Usia berufen, 6,1, also um 740 vor Christi Geburt, und hat auch noch die Belagerung Jerusalems durch Sanherib mitgemacht, 701 vor Christi Geburt. Er erlebte also den Aufstieg Assurs, das zur Bedrohung für Syrien und das Nordreich Israel wurde, hat aber auch die künftige Gegenmacht Assurs, Babel, immer wieder im Blick, vor allem in den Kapiteln 40-48-66, während 1-35 sich um die Auseinandersetzung mit Assur entwickeln. Von dem Zwischenteil sind zwei Kapitel mehr auf Assur und zwei mehr aus Babel ausgerichtet. Aber auch in den Kapiteln 13; 14; 21 wird Babel schon deutlich ins Blickfeld genommen.

Was ist das Thema dieses Buches? Hintergrund dieses Buches ist also die Auseinandersetzung mit den ausländischen Mächten, die, wie Assur, auch das Südreich sehr verwüsten um es dann, Babel, schließlich zu zerstören und in Gefangenschaft zu führen. Vor der babylonischen Gefangenschaft sieht also der Prophet sie durch Gottes Geist schon voraus, beschreibt aber auch die Heimkehr – sowohl aus der Gefangeschaft als auch zurück zu Gott, und die Vollendung des Heils. Auf diesem Hintergrund aber werden die eigentlichen Themen dargelegt, nämlich die Schuld des Volkes vor Gott, der ruft, aber das Volk will nicht hören; die Strafe Gottes für den Ungehorsam; die Bekehrung des Restes von Israel – und vor allem: der Heiland oder Gottesknecht, der Messias Jesus und die Vollendung des Heils. Das Buch des Propheten Jesaja stellt dabei eine Einheit dar, die einzelnen Teile sind aufeinander bezogen, die Anordnung ist eine logische.

 

    Wie kein anderer der alttestamentlichen Propheten habt Jesaja das Evangelium von Jesus Christus hervor, besonders in den Gottesknechtsstücken Kapitel 42,1-9; 49,1-12; 50,4-11; 52,12-53,12, aber auch 7,14 ff.; 8,23-9,6 und 11,1 ff., die gerade auch in der Advents- und Weihnachtszeit betrachtet werden, sowie 61,1-4.

Wer ist der Schreiber? Das Buch gibt eindeutig Jesaja, den Sohn des Amoz, an. Die Behauptungen der Kritik, dass Kapitel 40-55 von einem „Deuterojesaja“ und 56-66 von einem „Tritojesaja“ geschrieben seien, entbehren jeglicher Grundlage und sind von solchen aufgebracht worden, die das Wirken Gottes in dieser Welt leugnen und damit auch biblische Prophetie für unmöglich halten. Sowohl sprachlich als auch sachlich gehören diese beiden Teile mit den anderen zusammen, bildet das Buch eine Einheit, die in ihrer Darstellung einem dreiteiligen Flügelaltar entspricht.

    Das Buch des Propheten Jesaja gliedert sich:

A. Botschaft mit Blickpunkt Assur, 1-35

I. An Juda und Jerusalem: 1) Gerichtsdrohung, 1-6; 2) Immanuelverheißung, 7-12

II. An die ganze Erde: 1) Gottes Gericht über einzelne Völker, 13-23; 2) Gottes Gericht über die ganze Welt, 24-27

III. An Juda und Jerusalem: 1) Kehrt euch zu Gott! 28-31; 2) Gott kehrt sich zu euch! 32-35

B. Blickpunkt Assur und Babel, 36-39

C. Blickpunkt Babel, 40-66

I. Kyrus befreit die Juden aus babylonischer Gefangenschaft (zugleich Bild für Kapitel 49-57), 40-48: 1) Gott, der Herr der Geschichte, stärker als alle Götter, hilft seinem Volk, 40; 2) Israels Schöpfer macht Kyrus zu seinem Werkzeug, 43-45; 3) Gott bringt sein Heil zustande, 46-48

II. Gottes Knecht erlöst die Menschheit von der Sündenschuld, 49-57: 1) Heilsangebot, 49,1-51,16; 2) Heilszubereitung, 51,17-54,17; 3) Heilsannahme, 55-57

III. Gott setzt den neuen Himmel und die neue Erde an die Stelle der alten Welt, 58-66: 1) Erneuerung des Menschen, 58-60; 2) Der Erneuerer als Heiland und Richter, 61-64; 3) Die Endvollendung, 65-66

Messianische Weissagungen des Propheten Jesaja: 7,14 (Jungfrauengeburt), 9,6.7; 11,1-5; Gottesknechtslieder, 42,1-9; 49,1-12; 50,4-11; 52,12-53,12; Epiphanie, 61,1-4

 

17. Der Prophet Jeremia

 

Welche Zeit umfasst dieses prophetische Buch? Jeremia wurde im 13. Regierungsjahr König Josias berufen, also 626 vor Christi Geburt, und hat bis zum 11. Jahr Zedekias gewirkt, 586 vor Christi Geburt, 1,1-3. Dies ist die Zeit, in der sich, nur kurz durch die josianische Reformation aufgehalten, das nach dem Frevel Manasses angekündigte Gericht über Juda erfüllt durch Babel und dessen König Nebukadnezar, der schließlich die letzten Könige Judas gefangennehmen, Stadt und Tempel zerstören lässt. Der von ihm eingesetzte israelische Statthalter Gedalja wird von davidischen Nationalisten ermordert, ein Teil der Juden flieht, gegen Jeremias Wort in Gottes Auftrag, nach Ägypten und nimmt dabei Jeremia mit. Sein weiteres Schicksal liegt im Dunkeln.

Was ist die Besonderheit dieses Buches? Wie bei keinem anderen Propheten ist das persönliche Schicksal und Erleben engstens mit der Botschaft verwoben, die er zu verkündigen hat. Von Mutterleib an hatte Gott Jeremia ausersehen und zubereitet. Seine Aufgabe war vor allem diejenige, Buße und Gericht dem abgefallenen Volk zu predigen, das kommende Gericht anzukündigen. Das hat ihm von Beginn an vielfältigste Anfeindung eingebracht, Verfolgung, Gefängnis.

    Das Buch enthält:

A. Der Prophet im Ringen mit seinem Volk

I. Berufung und Beauftragung Jeremias, Kapitel 1

II. Jeremia, der Völkerprophet, 2-25

III. Gott wacht über sein Wort: 1) Zum Unheil, 26-29; 2) Zum Trost, 30-35

IV. Schutz für den standhaften Künder vom Feind aus dem Norden, 36-45

B. Der Prophet über die Völker

V. Weissagungsreden gegen auswärtige Völker, 46-51

VI. Das Gericht über Juda und Jerusalem, Kapitel 52

Messianische Weissagungen des Propheten Jeremia: 23,5.6; 30,9; 31,31-34; 33

 

18. Die Klagelieder Jeremias

 

    Die Klagelieder stehen in engstem Zusammenhang mit der Zerstörung Jersualems und des Tempels und beklagen das Geschick und die Not Israels, rufen aber zugleich zum Gebet, zur Umkehr, zum Gottvertrauen – und ist Gebet um die Wiederherstellung des Volkes als Gottes Volk.

    Eine Angabe über den Schreiber wird in dem Buch nicht gemacht, aber die Wortwahl und Themenbehandlung machen es möglich und wahrscheinlich, dass Jeremia dieses Buch geschrieben hat.

 

19. Der Prophet Hesekiel

 

In welcher Zeit hat Hesekiel gewirkt? Nach den Angaben im Buch wurde Hesekiel 593 vor Christi Geburt, im fünften Jahr nach der Wegführung Jojachins, zum Propheten berufen, und zwar im Chaldäerland. Das zeitlich jüngste Datum ist 571, das 27. Jahr nach der Wegführung, 29,17. Mindestens in dieser Zeit hat Hesekiel gewirkt, und zwar in der babylonischen Gefangenschaft, in Tel-Abib am Euphratkanal Kebar.

Was ist das Thema des Buches? Hesekiel hat gewirkt in der Zeit vor der Zerstörung des Tempels und der Stadt Jerusalem, wie auch noch in der Zeit danach, als die babylonische Gefangenschaft voll entwickelt wurde. So ist auch sein Buch in zwei große Teile eingeteilt, Kapitel 1-33 ist die Warnung vor dem und die Ankündigung des künftigen Gerichtes; Kapitel 34-48 der Trost für die Weggeführten und die Verheißung des künftigen Heils. Der erste Hauptabschnitt wird nach den symbolhaften Handlungen in vier Abschnitte unterteilt, der zweite Teil hat zwei größere Abschnitte, 34-39, das Herbeiführen der Heilszeit, und 40-48, die Gestalt der Heilszeit. Jeder dieser beiden Abschnitte wird durch ein dreiteiliges Bild eingeführt, das dann in den Teilen umgekehrt näher ausgemalt wird. Gott ist es, der sein Volk aus dem Tode wieder zum Leben führt, aus der Gottesferne sie zurückbringt zu einem Leben aus Gott.

    Das Buch wird gegliedert:

A. Gerichtsverkündigungen, 1-33

I. Berufung Hesekiels zum Propheten, 1-3

II. Das Ende kommt, 4-11

III. Das Ende kommt bald, 12-20

IV. Das Ende kommt unaufhaltsam, 21-23

V. Das Ende tritt ein, 24-33

B. Heilsverkündigungen, 33-48

VI. Das Herbeiführen der Heilszeit durch den Messias (Bild und Ausführung), 34-39

VII. Die Gestalt der Heilszeit – die neutestamentliche Kirche (Bild und Ausführung), 40-48

Messianische Weissagungen des Propheten Hesekiel: 17,22 ff. 34,11-23; 37,24

 

20. Der Prophet Daniel

 

In welcher Zeit hat Daniel gewirkt? Daniel war ein Zeitgenosse Hesekiels, wie er weggeführt nach Babel und hat dort, unter diesen für Israel so bedrückenden Bedingungen gewirkt, und zwar die gesamte Zeit der babylonischen Herrschaft über und auch noch in den Anfängen der Perserregierung.

Wer ist der Schreiber dieses Buches? Auf dem Hintergrund der ideologischen Voreingenommenheit, die erfüllte Weissagung nicht stehen lassen will, ja, überhaupt die Prophetie leugnet, ist behauptet worden, das Buch Daniel sei erst in der Makkabäerzeit geschrieben worden, als Teile der prophetischen Worte sich erfüllten. Aber das spricht gegen die biblische Aussage selbst, ebenso auch die Aussagen im Makkabäerbuch, in denen Daniel und Ereignisse wie die drei Männer im Feuerofen bereits als biblische Ereignisse erwähnt werden.

Was ist der Inhalt dieses Buches? Das Buch des Propheten Daniel gliedert sich in zwei große Abschnitte, nämlich Daniels Erlebnisse – Gottes Herrschaft erweist sich in der Gegenwart,  Kapitel 1-6, und Daniels prophetische Schau – Gottes Reich wird sich im Lauf der Weltgeschichte vollenden, Kapitel 7-12. Die historischen Ereignisse des ersten Teils zeigen ihn und seine Mitstreiter als treue Bekenner des lebendigen Gottes in einer feindlichen, heidnischen Umgebung und unterstreichen Gottes Allmacht auch gegenüber der heidnischen Weltmacht. Der prophetische Teil gibt unter verschiedenen Aspekten eine Schau über die gesamte Weltgeschichte, schwerpunktmäßig über die Geschicke Israels in der Zeit der Diadochenreiche, zugleich als einer Vorschau auf die künftige Auseinandersetzung der Gemeinde mit dem Antichristen, den Daniel sehr deutlich vorstellt.

Messianische Weissagungen: 2,44 (Himmelreich); 7,13 f.; 9,24 ff

 

21. Der Prophet Hosea

 

Wann ist das Buch des Propheten Hosea anzusetzen? Nach den Angaben, die Hosea, der Sohn Beeris, selbst macht, hat er in der Zeit der Könige Usia, Jotham, Ahas und Hiskia sowie Jerobeams II. gewirkt, Kapitel 1,1.4; 10,14; 12,2; siehe auch 2. Könige 17,3, also etwa in der Zeit 755-725 vor Christi Geburt und war damit ein jüngerer Zeitgenosse des Amos und ein älterer von Jesaja und Micha. Obwohl er hauptsächlich und in erster Linie im Nordreich gewirkt hat, so kommt doch immer wieder auch das Südreich ins Blickfeld, 1,7.11; 4,15; 5,5.10.12; 8,14; 10,11; 12,1.3.

Was ist das Thema dieses Propheten? Das Thema, das sich durch dieses Prophetenbuch zieht ist: Gottes Liebe zu seinem treulosen Volk.

Wie ist das Buch gegliedert? Das Thema wird in zwei großen Abschnitten, Kapitel 1-3 und 4-14, ausgeführt, die jeweils die erste bzw. zweite Ehe Hoseas mit der Hure Gomer bas Diblaim zum Hintergrund haben, die er zugleich als Symbolhandlungen eingehen sollte, um damit die Schuld des Volkes – geistliche Hurerei – darzulegen, Gottes Drohung dagegen vor die Augen zu stellen, um schließlich Gottes Gnadengabe in der messianischen Verheißung zu verkündigen. Der Grundaufbau ist auch im zweiten Teil der gleiche, der sich in drei thematische Unterabschnitte nach der einführenden Symboldhandlung gliedert, die jeweils Elemente der Schuld des Volkes aufgreifen: fehlende Gotteserkenntnis, Kapitel 4,1-6,3; fehlende Liebe, Frömmigkeit, Kapitel 6,4-11,11; fehlende Treue, Wahrheit, Kapitel 12,1-14,10, die aber jeweils in eine messianische Verheißung münden.

 

22. Der Prophet Joel

 

Was war die Zeit Joels? Wir finden im Buch Joel zwar keine eindeutigen Angaben, aber aus den Feinden Judas, die angegeben werden – Phönizier, Philister, Ägypter, Edomiter, Kapitel 3,9.24 – und dem Fehlen von späteren Feinden wie Syrien, 2. Könige 12,17.18; Amos 1,3-5 oder Assyrien (während Ägypten später eher als Verbündeter auftaucht) lässt sich schließen, dass Joel zu den ältesten Propheten gehört, wohl noch vor Amos anzusetzen ist, der ihn nämlich öfter zitiert, und auf Obadja folgt, die Berührungen miteinander haben, Joel 3,5-Obadja 17; Joel 3,8-Obadja 11; Joel 3,24-Obadja 10. Seine Zeit dürfte also in der ersten Regierungszeit des Joas liegen, etwa nach 877 vor Christi Geburt.

Wie lässt sich dieses Buch überschreiben? Über dieses Buch lässt sich setzen: Der Tag des Herrn unter dem Bild einer Heuschreckenplage.

Wie ist das Buch aufgebaut? Das Buch kann in zwei große Teile gegliedert werden, nämlich die Klage über die große Heuschrecken- und Dürreplage, die gleichzeitig auch Bild für den drohenden Tag des Herrn, den Gerichtstag ist, Kapitel 1,1-2,17, einschließlich des Bußrufes; sowie Gottes Verheißungen für sein Volk in leiblicher und geistlicher Hinsicht, die münden in die Ausgießung des Heiligen Geistes und die Verherrlichung Zions, Kapitel 2,18-3,26, mit 3,1-5 als Höhepunkt des Buches.

 

23. Der Prophet Amos

 

Wann lebte Amos? Aus seinem Buch geht durch die Anführung von Usia von Juda und Jerobeam II. von Israel, Kapitel 1,1, sowie der geschilderten Zeitumstände – äußere Pracht und Größe bei innerem Zerfall – hervor, dass erwohl in der Endphase der Regierung Jerobeams gewirkt hat, Kapitel 7,9.10; 2,6.7; 3,9.10; 4,1; 5,7.10-12; 6,1; 3,15; 5,11; 6,4-6, um 760 vor Christi Geburt.

Was ist sein Thema? Gott sucht sein Volk heim, damit sein Volk ihn sucht – das durchzieht sein Buch.

Was enthält dazu sein Buch? Das Buch des Propheten Amos zerfällt in zwei große Teile, nämlich die Kapitel 1-6 sowie 7-9. Der erste Teil bringt zunächst in den Kapiteln 1 und zwei die Gerichtsworte über die Völker der Umgebung; danach drei prophetische Reden, die nach dem Aufruf zum Hören immer eindringlicher das Volk wegen seiner Sünden strafen und das kommende Gericht und die Wegführung in die Gefangenschaft weissagen. Der zweite Teil bringt zunächst Visionen, die immer nachdrücklicher das künftige Gericht ankündigen – und schlägt dann, 9,11-15, um in die messianische Verheißung.

 

24. Der Prophet Obadja

 

In welcher Zeit wirkte Obadja? Obadja spricht zwar von einer künftigen Zerstörung Jerusalems, Vers 11-14, aber nicht davon, dass dieselbe schon vollzogen wurde. Dafür aber geht er aus von dem schweren Vergehen Edoms an Juda, vor allem nach dem Abfall unter Joram, Vers 10-16, als auch die Philister und Ägypter Jerusalem eroberten und viele verschleppten, 2. Könige 8,20-22; 2. Chronik 21,8-10. So hätte er um 890 vor Christi Geburt gelebt.

Was steht über diesem Buch? Das Buch kann überschrieben werden: Vergreift euch nicht an Gottes Volk!

Wovon handelt dieses Buch? Obadja kündigt das Gericht über Edom an, Vers 1-9, um dann, 10-16, anzuführen, weshalb es zu diesem Gericht kommen wird, eben wegen der Untaten Edoms gegen Juda, ein Gericht, das dann aber auch die anderen Völker mit einbezieht, einschließlich Israel und Juda selbst. Den Abschluss aber bildet die Verheißung auf die Wiederherstellung des Volkes Gottes unter dem Messias, Vers 17-21.

 

25. Der Prophet Jona

 

Welches war die Wirkungszeit Jonas? Da er wohl mit dem in 2 Könige 14,23 erwähnten Jona identisch ist, hat er zur Zeit Jerobeams II. (783-743 vor Christi Geburt) gewirkt, war also ein älterer Zeitgenosse des Amos und des Hosea.

Was ist das Thema seines Buches? In diesem Buch geht es darum, dass der lebendige Gott auch der Heiden Gott ist, der auch deren Heil möchte.

Wie ist das Buch aufgebaut? Die ersten beiden Kapitel berichten uns von dem ungehorsamen Propheten, den Gott von einem Wal verschlingen und schließlich ans Land ausspeien lässt; die Kapitel 3 und 4 von dem unwilligen Propheten, der zwar im Auftrag Gottes nach Ninive kommt und Buße predigt – aber ohne rechte Freue, vor allem auch ohne Freude überdie Buße des Volkes.

Ist dies Buch eine Allegorie oder Traum oder wirkliche Geschichte? Es handelt sich hier nicht um den Bericht eines Traumes oder um eine Allegorie, sondern eindeutig um wahre historische Ereignisse, was belegt wird durch die eindeutigen historischen Bezüge, durch die klare Schilderung der Personen und durch das Zeugnis Christi Matthäusevangelium 12,39-41; 16,4; Lukasevangelium 11,29.30.32.

 

26. Der Prophet Micha

 

In welcher Zeit lebte und wirkte Micha? Der Schriftprophet Micha, der nicht mit dem Micha aus 1 Könige 22,8 verwechselt werden darf, lebte unter Jotham, Ahas und Hiskia, wobei seine Hauptwirksamkeit wohl unter Ahas war, also etwa 750-720 vor Christi Geburt, Jeremia 26,18; Micha 3,12, ist also Zeitgenosse von Hosea, vor allem aber von Jesaja.

Unter welchem Thema steht das Buch? Hört vom Unheil und vom Heil Gottes! ist das Thema des Micha.

Was ist sein Inhalt? Michas Weissagungen sind bedingt durch die Zeitumstände, die nach einer noch – relativ betrachtet – halbwegs ordentlichen Zeit unter Jotham unter Ahas in Götzendienst ausarteten, im Nordreich überhaupt schon gröbstes Heidentum mit schrecklichen Sünden der Fall war. Daher ist Michas Predigt vor allem zunächst Strafpredigt, die auch das Gericht über Samaria wie auch dasjenige über Juda und Jerusalem, einschließlich der Wegführung nach Babel, ankündigt. Die drei Abschnitte Kapitel 1-2; 3-5; 6-7 werden durchzogen von den Gedanken der Strafe, der Drohung und der messianischen Verheißung. Das Kommen des Messias ist dabei nicht nur wunderbare Erneuerung seines Volkes, sondern Quellpunkt des Segens für alle Völker.

 

27. Der Prophet Nahum

 

Wann lebte und wirkte Nahum? Seine Zeit lässt sich nur feststellen aus dem Inhalt seines Buches: Er lebte vor der Zerstörung Ninives (606 cor Christi Geburt), Kapitel 1,1; 3, und nach der Zerstörung und Wegführung des Nordreiches (722 vor Christi Geburt), Kapitel 2,3, wohl auch nach der Bestrafung des Südreiches durch die Assyrer, Kapitel 1,9.11.12, was entweder durch Sanherib zur Zeit Hiskias gewesen sein kann, 2. Könige 18,19,  oder in der Zeit Manasses, der zeitweilig in Assyrien gefangen war, 2. Chronik 33, also etwa um 660 vor Christi Geburt.

Was ist das Thema seiner Botschaft? Das Buch lässt sich überschreiben: Der Herr vergilt den Widersachern und steht denen bei, die ihm vertrauen.

Wie ist diese Botschaft aufgebaut? Es geht in diesem Buch um die Auseinandersetzung mit dem mächtigen, aber gottlosen Assyrien. Nahum kündigt Gottes Gericht über diesese Reich an, das doch zunächst Zuchtrute des Herrn war, und soll dem Volk Gottes Trost bringen. Kapitel 1 schildert daher den eifernden Gott, der die Vergeltung gegen Assur ankündigt; Kapitel 2 den helfenden Gott, der seinem Volk durch die Zerstörung Ninives hilft; Kapitel 3 den strafenden Gott, der begründet, warum Ninive und Assyrien fallen mussten. Kapitel 2 Vers 1 weist auch über diese Zeit hinaus auf den Messias.

 

28. Der Prophet Habakuk

 

Was war die Zeit Habakuks? Habakuk weissagt den Einfall der Chaldäer oder Babylonier Kapitel 1,5.6, was wohl etwa ein Menschenalter vor dem Ereignis gewesen sein mag. Kapitel 3 setzt dabei die Zeit des Königs Josia nach Wiederherstellung des biblischen Gottesdienstes voraus, 2. Chronik 34,1.3.8, also wohl die Jahre 628-622 vor Christi Geburt, war damit ein Zeitgenosse von Zephanja und Jeremia.

Wie lässt sich sein Buch überschreiben? Gott verwirklicht sein Heil trotz allen gegenteiligen Scheines – das spricht durch diese Prophetie hindurch.

Was ist der Inhalt dieses Buches? Kapitel 1 schildert die bei allem wiederhergestellten äußeren Gottesdienst schreckliche Gottlosigkeit im Volk Gottes und kündigt das schreckliche Gericht durch Babylon an; Kapitel 2 verkündigt mit einem fünffachen Weheruf den Untergang der übermütigen, gewalttätigen, götzendienerischen Weltmacht; Kapitel 3 ist ein Hymnus des Propheten (Habakuk war Levit, Kapitel 1,1; 3,1) an die Majestät Gottes, der das angekündigte Heil verwirklicht.

 

29. Der Prophet Zephanja

 

Wann hat Zephanja gewirkt? Er weissagte unter König Josia, Kapitel 1,1, also zur Zeit Jeremias, Habakuks und der Prophetin Hulda, wohl in der Zeit, als der biblische Gottesdienst durch Josias Reformation wieder hergestellt worden war, aber noch Überreste der Abgötterei sich finden, Kapitel 3,5; 1,4-6.8; 3,1-4. Aus den Angaben in 2. Könige 23 und 2. Chronik 34,3-8 ist darauf zu schließen, dass Zephanja also um 625 vor Christi Geburt geweissagt hat.

Was ist der Leitfaden seiner Verkündigung? Sein Thema ist: Der Tag des Herrn, der über das Gottesvolk und die ganze Welt geht, bringt Gericht und Heil.

Wie ist sein Buch aufgebaut? Kapitel 1,2-2,3 weist auf den drohenden Weltuntergang hin und mahnt zur Buße; Kapitel 2,4-3,8 stellt Gottes Gericht über die Völker dar und soll Israel zur Mahnung und zum Trost dienen; in Kapitel 3,9-20 wird das messianische Heil für den bußfertigen gläubigen Rest des Gottesvolk und für die Völker angekündigt.

 

30. Der Prophet Haggai

 

Welches war die Zeit Haggais? Haggai war der erste der nachexilischen Propheten und wirkte zusammen mit Sacharja unter den aus dem Exil nach Jerusalem und Judäa zurückgekehrten Juden. Er trat im zweiten Jahr des Königs Darius Hystapsis auf, und zwar nach seinen genauen Angaben im Jahr 520 vor Christi Geburt, Kapitel 1,1; 2,1.11.24.

Worum geht es in diesem Buch? Das Thema ist eindeutig: Baut das Haus des Herrn!

Was ist der Inhalt des Buches? Der Tempelbau war durch die Feindseligkeiten der Samariter, Esra 4, ins Stocken geraten, Trägheit und Selbstsucht des Volkes waren ein weiteres Hindernis, Haggai 1,2.4. Deshalb sollten Haggai und Sacharja unter Josua und Serubabel daraufhin wirken, dass der Bau wieder aufgenommen und vollendet werde. Das Buch besteht aus vier kurzen, genau datierten Reden: 1,1-15 Strafrede wegen der Gleichgültigkeit des Tempelbaus und Fortgang desselben (12-15); 2,1-10 Trostrede wegen des kümmerlichen neuen Baues und Hinweis auf die künftige Herrlichkeit es neutestamentlichen Tempels, der Kirche Jesu Christi, siehe auch Hebräerbrief 12,26-28; 2,11-20 Mahnrede wegen der Werkgerechtigkeit und Unreinigkeit im Gottesdienst; 2,21-24 Verheißung an den Knecht des Herrn, Serubabel, einen Typos auf Christus.

    Eine besondere Bedeutung hat in diesem Buch die Zahl 5: fünf Datierungen, die Handlungsweisen des Volkes in 1,6; die Erschütterungen 2,6; die Aufzählungen 2,12; 16 f.19.21 f.; fünfmal: Es geschah das Wort des Herrn zu Haggai; fünfmal „achtet darauf“, fünfmal das Fragewort „ha“ und das Wort Prophet (1,13.12; 2,1.10).

 

31. Der Prophet Sacharja

 

Wann wirkte Sacharja? Sacharja stammte aus priesterlichem Geschlecht, Nehemia 12,1.4, und wirkte fast gleichzeitig mit Haggai, nur zwei Monate später, im zweiten Jahr des Darius Hystaspis. Er hat aber wesentlich länger gearbeitet und noch zur Zeit Nehemias gelebt und war Vorsteher des Priestergeschlechts, Nehemia 12,12.16.26. Er darf nicht mit dem Sacharja aus 2. Chronik 24,20 oder 26,5 verwechselt werden, auch nicht mit dem in Matthäusevangelium 23,35 erwähnten.

Wie kann sein Buch überschrieben werden? Über sein Buch lässt sich schreiben: Gott wird die Welt bewegen und wieder unter seinem Volk wohnen.

Was behandelt Sacharja? Sacharja unterstützt nicht nur den Tempelbau, sondern sein Wirken geht über das hinaus, er weissagt von den bevorstehenden Ereignissen, Kämpfen, aber auch der zukünftigen Herrlichkeit des Gottesvolkes nach vielen Trübsalen. So entfaltet er vor allem das Werk Christi. Nach dem Eingang Kapitel 1,1-6 folgen drei Teile: Kapitel 1,7-6,15: Die Visionen, ausgehend vom jetzigen Zustand des Volkes, hinzielend auf die Vollendung des Reiches Gottes, und ihre Deutung, sowie die symbolische Handlung der Krönung des Hohenpriesters. Kapitel 7-8: Mahnende (Fastenfrage) und verheißende Rede über das Heil für Jerusalem. Kapitel 9-14 enthält eine prophetische Schau der Zukunft des Volkes Gottes, und zwar 9-11 vom König Christus, dem guten Hirten, der sein Volk zum Sieg führt, und 12-14 von der Herrlichkeit des neutestamentlichen Jerusalems.

    Fasst man die Teile 2 und 3 als einen Großteil zusammen, so ergibt sich, dass Teil 1 und dieser Großteil parallel aufeinander bezogen sind, was die Einheit des Buches des Propheten Sacharja neben anderem eindeutig belegt.

 

32. Der Prophet Maleachi

 

In welcher Zeit wirkte Maleachi? Die Zeit dieses Propheten geht nicht eindeutig aus dem Buch hervor. Auszugehen aber ist davon, dass der Tempel bereits steht, Kapitel 1,10; 3,1, und Juda unter einem Statthalter steht, 1,8. Die Verhältnisse, die Maleachi angreift, 1,6-14; 2,7-17; 3,7-18, ähneln sehr denen bei Nehemia 13, so dass er wahrscheinlich um 446-433 vor Christi Geburt als der letzte der Propheten vor dem Kommen des Herrn gewirkt hat, wie er sich selbst auch sieht, Kapitel 3,1; 4,5.6.

Was ist sein Thema? Sein Buch steht unter der Frage: Warum verachtet ihr Gott so sehr?

Was ist der Inhalt dieses Buches? Das Buch gliedert sich in zwei Teile: In Kapitel 1,1-2,17 tadelt Gott und straft die Sünde der Priester und des Volkes gegenüber der liebevollen, väterlichen, schonenden und erbarmenden Gesinnung des Herrn; Kapitel 3,1-4,5 mahnt Gott zur Buße und Bekehrung, da nur ein gereinigtes und geläutertes Volk dem Messias gefallen kann, da Gottes Gerichtstag und der Messias kommen.

 

 

 

 

Verwendete Literatur:

 

- Hans Möller: Alttestamentliche Bibelkunde. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt 1983.

- Ludwig Fürbringer: Einleitung in das Alte Testament. St. Louis, Mo.: Concordia Publishing House 1928.

- Horst Neumann: Einführung in das Alte Testament. Sottrum: Lutherische Stunde 1995.

 

 

 

DAS NEUE TESTAMENT

 

 

I. Einleitung

 

Wann ist das Neue Testament entstanden? Die Bücher des Neuen Testamentes, wie wir sie heute vorliegen haben, sind allesamt noch vor dem Ende des ersten Jahrhunderts nach Christi Geburt entstanden, die meisten noch vor der Zerstörung des jüdischen Tempels im Jahr 70 nach Christi Geburt.

Woran lässt sich das erkennen? Keines der Bücher des Neuen Testamentes nimmt auf eine schon geschehene Zerstörung des Tempels Bezug, während aber in den drei ersten Evangelien diese Zerstörung angekündigt wird. Hieran wird deutlich, dass sie vor dieser Zerstörung geschrieben worden sein müssen, sonst wäre die Erfüllung dieser Weissagung erwähnt worden.

Wissen wir, wann die biblischen Bücher im Einzelnen entstanden sind? Die Bücher selbst enthalten keine direkten genauen Angaben, allerdings manche Hinweise, wie die schon erwähnten; dann, bei den Paulusbriefen, die Hinweise, ob sie während seiner Gefangenschaft oder danach geschrieben wurden; bei der Offenbarung an Johannes ist seine Verbannung auf Patmos ein Hinweis. Eine Hilfe sind uns die Angaben der alten Kirchenväter, die ja teilweise noch die Apostel, vor allem Johannes, direkt gekannt haben (Polycarp etwa), und so doch gute Kenntnisse über die Entstehung der biblischen Bücher hatten. Irenäus schreibt etwa, dass Matthäus den Hebräern das Evangelium zu der Zeit schrieb, als Paulus und Petrus in Rom waren, was also um 63 nach Christi Geburt gewesen wäre; Markus hat das Evangelium von Petrus übernommen und nach dessen Tode niedergeschrieben; Lukas hat in gleicher Weise sein Evangelium von Paulus übernommen, dann während des Aufenthaltes beider in Israel – während des Beginnes der Gefangenschaft des Paulus, 59-61 nach Christi Geburt – dort noch viele weitere Personen befragt, Lukasevangelium 1,1-4 und es schließlich nach des Paulus Tod niedergeschrieben. Für diese beiden Evangelien ist also die Zeit 64-66 nach Christi Geburt wahrscheinlich. Aufgrund der geographischen Entfernung der Schreiber von einander ist es ausgeschlossen, dass sie dabei von einander irgendwie abgeschrieben haben, denn Matthäus war in Israel, Lukas in Griechenland, Markus in Rom.

Die ersten drei Evangelien weisen doch sehr viele Ähnlichkeiten auf, gibt es Abhängigkeiten zwischen ihnen? Die ersten drei Evangelien werden von etlichen auch die „Synoptiker“ genannt, weil sie auf den ersten Blick Ähnlichkeiten aufweisen, von den Themen wie auch vom Text her. Wer aber genauer hinsieht, der stellt fest, dass es mit dieser Ähnlichkeit so weit her gar nicht ist. Denn diese Ähnlichkeit tritt in erster Linie bei den Jesusworten auf – und da ist sie auch zu erwarten, da hier ja unser Heiland zitiert wird, da muss also Ähnlichkeit in den Texten vorhanden sein, das Volkabular ist hier nicht beliebig austauschbar. Was die parallelen Abläufe angeht, so finden sie sich zum größten Teil im Bereich der Passionsgeschichte. Auch das ist natürlich, denn sie stellt ein zentrales Ereignis dar und ist von ihrem Ablauf her wichtig und fest vorgegeben. Bei den anderen gleichen Erzählungen liegt dagegen nur bei 40 % ein paralleler Ablauf vor. Außerdem wurde festgestellt, dass in den parallelen Erzählungen nur etwa 22,19 % der Wörter völlig gleich sind, auf 100 Wörter bei Markus kommen im Durchschnitt in solchen Erzählungen 95,68 bei Matthäus und 100,43 bei Lukas. Die sprachlichen Gemeinsamkeiten sind also vergleichsweise gering.

Wie kommt es dann aber, dass in der Theologie von einem „synpotischen Problem“ gesprochen wird und Abhängigkeiten der drei „synoptischen Evangelien“ von einander behauptet werden? Dieser Ansatz hat eine lange Tradition bei denen, die Kritiker und Feinde des Christentums sind, angefangen bei Celsus um 178 nach Christi Geburt, dann wieder aufgegriffen von Lessing, der behauptete, es habe ein „Urevangelium“ gegeben, das nicht mehr vorhanden sei und den drei ersten Evangelisten als „Quelle“ gedient habe. Sie hätten keine eigenständige Arbeit geliefert. Dieser Ansatz ist dann einfach weiter variiert worden, etwa von Weiße, der 1838 die „Zwei-Quellen-Theorie“ aufstellte und das Markusevangelium zu einer Quelle machte und eine Quelle Q zu einer „Logienquelle“, die das „Sondergut“ bei Matthäus und Markus enthalten habe. Dabei ist Papias, der den Begriff „logia“ verwendet hat, missverstanden worden, denn er meinte damit nicht einzelne Aussagen bei Matthäus, sondern vielmehr, wie man merkt, das gesamte Evangelium, wie er es ähnlich auch für das Markusevangelium verwendet. Hier wurden durch die Feinde des Christentums und ihre unbedachten Nachfolger einfach Vorentscheidungen getroffen, die keinerlei biblischen Grund haben und dann zur Literarkritik, zur Formgeschichte und Redaktionsgeschichte geführt haben, die allesamt davon ausgehen, dass es sich bei den Evangelien nicht um Berichte von Augen- und Ohrenzeugen, inspiriert durch den Heiligen Geist, handelt, sondern um Texte, die ein Gemisch von „echten Jesusworten“, Gemeindetheologie, Überlieferungen und unterschiedlichen Verständnissen darstellen, die von einer oder mehreren Personen aus Texten unterschiedlichen Ursprungs zusammengesetzt wurden. Die Unterschiede werden dann als „Verbesserungen“, „Glättungen“, „Vokabelveränderungen“, „sachliche Änderung“ bezeichnet, ohne dass man einen Grund angeben für das, was der Ausgangspunkt sein soll und weshalb hier solche Dinge vorliegen sollen.

Was ist also auf diese Bibelkritik zu antworten? Im Blick auf das angebliche „synoptische Problem“ haben wir oben schon dargelegt, was davon zu halten ist. Vom Selbstzeugnis der Schrift her, etwa Lukasevangelium 1,1-4; Johannesevangelium 19,35; 1. Johannesbrief 1,1-3, und dem Zeugnis der altkirchlichen Väter aber handelt es sich eben nicht um irgendwelche zusammengesetzte Schriften, sondern um Bücher, deren alleiniger Autor und Verfasser der Heilige Geist ist, die „theopneustos“, „gottgehaucht“ sind, 2. Timotheusbrief 3,16, deren heilige Schreiber geredet haben, getragen, getrieben vom Heiligen Geist, 2. Petrusbrief 1,21; deren Schreiber Augen- und Ohrenzeugen waren, deren Wesen und Eigenheiten der Heilige Geist als ihr Schöpfer berücksichtigte, deren Erinnerung und persönlichen Bezug er also mit in seinen Dienst stellte. Wir haben daher nicht unterschiedliche Theologien der Schreiber oder Redaktoren in den Evangelien und anderen Büchern, auch nicht Gemeindetheologie, sondern vom Heiligen Geist geleitete und in den Dienst genommene Augen- und Ohrenzeugenschaft. Dabei ist auch zu bedenken, dass es zur Zeit der Entstehung der Evangelien noch Verwandte Jesu und viele weitere Augenzeugen gab, deren Vorhandensein das Aufkommen von Mythen, Legenden in den offiziellen Schriften verhinderte.

    Jedes der Evangelien hat seinen besonderen Blickwinkel, sein spezifisches Thema, von dem aus das Geschehene berichtet wird. Jedes Evangelium stellt, recht betrachtet, dabei auch eine Einheit dar, sowohl von seinem Aufbau als auch von seiner Sprache und seinem Inhalt.

 

Wie ist das Neue Testament aufgebaut? Die Bücher des Neuen Testamentes lassen sich in drei große Gruppen einteilen: die geschichtlichen, die Lehrbücher und das prophetische Buch:

 

I. Die geschichtlichen Büchern

a) Die Evangelien:

Evangelium nach Matthäus

Evangelium nach Markus

Evangelium nach Lukas

Evangelium nach Johannes

 

b) Die frühe Kirchengeschichte:

Die Apostelgeschichte des Lukas

 

II. Die Lehrbücher

a) Die Briefe des Apostels Paulus:

Brief an die Römer

Erster Brief an die Korinther

Zweiter Brief an die Korinther

Brief an die Galater

Brief an die Epheser

Brief an die Philipper

Brief an die Kolosser

Erster Thessalonicherbrief

Zweiter Thessalonicherbrief

 - Pastoralbriefe -

Erster Brief an Timotheus

Zweiter Brief an Timotheus

Brief an Titus

Brief an Philemon

 

 

b) Die allgemeinen oder katholischen Briefe:

Erster Brief des Petrus

Zweiter Brief des Petrus

Erster Brief des Johannes

Zweiter Brief des Johannes

Dritter Brief des Johannes

Brief an die Hebräer

Brief des Jakobus

Brief des Judas

 

III. Das prophetische Buch

Offenbarung Jesu Christi an Johannes

 

Wie und wann ist es dazu gekommen, dass die Kirche Jesu Christi wusste, welche Schriften zum Neuen Testament gehören? Die Apostel und ihre Schüler (Markus und Lukas) haben es selbst gewünscht, dass die Bücher, die sie verfassten, nicht nur in dem kleinen Kreis, dem sie zunächst zugänglich waren, gelesen wurden, sondern darüber hinaus Verbreitung fanden, Kolosserbrief 4,16. Schon in früher Zeit müssen daher viele Gemeinden eine breite Kenntnis über viele der Bücher gehabt haben, wie 2. Petrusbrief 3,15 f. zeigt.

    Allerdings war es verständlicherweise so, dass nicht alle Gemeinden im Morgen- und im Abendland gleichzeitig immer über alle Schriften verfügt haben, so dass es Schwankungen darinnen gab, was als inspiriert anzusehen ist und was nicht, weshalb man noch heute zwischen kanonischen Büchern ersten und zweiten Ranges unterscheidet. Die Feststellung des Kanons wurde gerade durch die Auseinandersetzung mit Marcion (um 140 nach Christi Geburt), den anderen Gnostikern und Montanus aktuell. Frühzeitig haben schon Sammlungen der Bücher stattgefunden, wie es etwa der Muratorische Kanon zeigt, der wohl um 160 nach Christi Geburt in Rom angelegt wurde und alle geschichtlichen Bücher, 13 Briefe und die Offenbarung enthält. Die Itala war eine frühe lateinische Übersetzung und wird von Tertullian oft zitiert, so dass sie wohl noch älter als der Muratorische Kanon ist. Sie enthält ziemlich alle neutestamentlichen Schriften. Die alt-syrische Übersetzung der Bibel, die Peschito, die wohl schon um 150 nach Christi Geburt bestand, enthält alle neutestamentlichen Schriften außer 2. Petrusbrief, 2. und 3. Johannesbrief, Judasbrief und der Offenbarung. Der Bischof und Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea (260-340) spricht von den Homologumena als denjenigen Büchern, die allgemeine Anerkennung fanden und den Antilegomena als denjenigen, die in einzelnen Kirchen Widerspruch fanden, da ihr apostolischer Ursprung nicht überall (an-)erkannt wurde. Zu den letzteren zählte er den 2. Petrusbrief, 2. und 3. Johannesbrief, Jakobus- und Judasbrief. Origenes aus Ägypten (ca. 230 nach Christi Geburt) veröffentlichte eine komplette Liste, die allgemein anerkannt wurde, Athanasius von Alexandrien stellt in seinem Osterbrief 367 alle die Bücher vor, die wir auch heute im Neuen Testament haben. Spätere Kirchenversammlungen, wie etwa in Hippo in Nordafrika 393 und Karthago 397 und 419, haben den Kanon (Richtschnur) in unserem heutigen Umfang bestätigt. Wenn auch der historisch gegebene Unterschied anzuerkennen ist, so bekennen wir doch, dass wir jene Antilegomena oder kanonische Schriften zweiten Ranges, als apostolische, inspirierte Bücher annehmen, da die Zweifel an ihrem Ursprung nicht genügend begründet, eher unbegründet, sind.

Welcher Maßstab wurde bei der Feststellung des Kanons angelegt? In erster Linie spielte es bei der Kanonbildung eine bedeutende Rolle, ob die Schrift göttliche Autorität hat, also von einem der Apostel oder ihrer anerkannten Schüler (wie Markus und Lukas), durch den Heiligen Geist inspiriert, stammte oder nicht. Es geht also vor allem darum, ob die Schrift apostolisch ist. Das nächste Kriterium ist der Inhalt der Schrift, nämlich dass er mit den anderen Schriften, besonders früheren, übereinstimmt, außerdem historisch genau ist (weshalb zum Beispiel das Buch Judith nie in den alttestamentlichen Kanon kam); schließlich spielt auch das Zeugnis des Heiligen Geistes noch eine Rolle, nämlich dass er sein Werk durch diese Schriften getan hat. Dabei wurde kein Buch von Menschen einfach zur Bibel hinzugetan, sondern es ging nur darum festzustellen, welches Buch göttliche Autorität hat, inspiriert ist, apostolisch, vom Heiligen Geist bezeugt, also zum Kanon gehört und welches nicht.

 

 

 

Verwendete Literatur:

 

- So entstand die Bibel ... Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung 1992.

- Eta Linnemann: Gibt es ein synoptisches Problem? Neuhausen-Stuttgart: Hänssler-Verl. 1992.

- Johann Schaller: Kurze Bibelkunde. St. Louis, Mo.: Concordia Publishing House 1899.

 

 

 

II. Die Bücher des Neuen Testamentes

 

A) DIE GESCHICHTLICHEN BÜCHER

 

Was ist der Inhalt der geschichtlichen Bücher? Die geschichtlichen Bücher im Neuen Testament lassen sich in zwei Abteilungen gliedern, einmal die Evangelien und dann die Apostelgeschichte. Die Evangelien geben uns dabei einen Bericht über das Leben und Wirken Jesu, zumeist nach der Grundanordnung 1. Vorgeschichte (mit dem Wirken Johannes des Täufers); 2. Lehrtätigkeit Jesu; 3. Leiden und Sterben Jesu und seine Auferstehung. Sie heißen Evangelium (nach dem Griechischen euaggelion = frohe Botschaft), weil das Kommen, Leben und Wirken Jesu für uns die frohe Botschaft ist, denn es dient alles zu unserer Erlösung, Matthäusevangelium 18,11; Lukasevangelium 19,10; Johannesevangelium 20,31.

 

 

Die Evangelien

 

Warum werden die Evangelien „Evangelium nach ...“ genannt? Dieser Begriff will nicht sagen, dass hier eine Nacherzählung eines Berichtes des betreffenden Evangelisten vorliege, sondern vielmehr, dass es tatsächlich nur ein Evangelium gibt, weil es nur einen Heiland Jesus Christus gibt, dass aber dieses eine Evangelium von den vier Männern Matthäus, Markus, Lukas und Johannes aufgezeichnet wurde, so, wie es der Heilige Geist ihnen eingab.

Warum haben wir denn vier Evangelien? Es hat Gott dem Heiligen Geist gefallen, uns das eine Evangelium, die eine frohe Botschaft in vierfältiger Weise zu entfalten, darzulegen, und zwar jeweils unter einem anderen Gesichtspunkt, um uns so die eine frohe Botschaft umso gewisseer zu machen.

    Obwohl auf den ersten Blick manche Ähnlichkeit zwischen den Evangelien, besonders den ersten dreien, zu herrschen scheint, so ist jedes Evangelium an einen besonderen Leserkreis gerichtet und ist die Darstellung darauf eingestellt. Deshalb finden sich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Evangelien, etwa in der Sprache und in der Darstellungsweise. Darum hat die altchristliche Erkenntnis, um diese Unterschiede darzustellen, das Gesicht des Propheten Hesekiel 1,3-14 auf die vier Evangelisten gedeutet und dem Bilde des Matthäus die Gestalt eines Engels oder Menschen, dem des Markus die eines Löwen, dem des Lukas die eines Stieres und dem des Johannes die eines Adlers beigefügt.

Welches sind denn die besonderen Intentionen der einzelnen Evangelien? Das Evangelium nach Matthäus predigt Jesus als den Messias, den Christus, im dem die alttestamentlichen Verheißungen erfüllt sind und ist in erster Linie an die Hebräer oder Juden und Christen aus den Juden gerichtet, wie auch die vielfältigen breiten Auseinandersetzungen mit den Pharisäern zeigen.

    Das Evangelium nach Markus stellt uns Jesus Christus dar als den in seinen Wundern geoffenbarten allmächtigen Retter aus aller Not.

    Das Evangelium nach Lukas betont, dass er der Welt Heiland ist.

    Das Evangelium nach Johannes entfaltet Jesus Christus als den wahren Gott, der auch zugleich für uns wahrer Mensch geworden ist und in sein Eigentum kam – und von den Seinen verworfen wurde.

1. Das Evangelium nach Matthäus

 

Wie kann das Evangelium nach Matthäus überschrieben werden? Über das Evangelium nach Matthäus können wir setzen: Jesus Christus, der im Alten Testament verheißene Messias Gottes, der König der Welt.

Was ist das Besondere des Evangeliums nach Matthäus? Matthäus hat für die Hebräer geschrieben bzw. für Christen, die aus der Judenschaft kamen und unter den Juden wohnten, und kommt deshalb immer wieder auf das Alte Testament zu sprechen und zeigt auf, wie in Jesus Christus das Alte Testament erfüllt ist („Erfüllungszitate“: 1,22; 21,17.22; 3,3; 4,14; 8,17; 11,13; 12,17-21.40; 13,13.35; 15,7; 16,4; 21,4; 27,9.35), dass er der im Alten Testament verheißene Messias ist, von den Juden ungerechtfertigterweise verworfen. Daher finden wir auch viele Stellen, in denen Jesus Christus das Alte Testament zitiert: 5,21-48; 6,29; 9,13; 10,15; 12,3-5; 15,4; 17,11; 19,17; 21,13.42; 22,132.37; 24,15.36; 26,54.56. Dies zeigt bereits der einleitende Satz an, der über dem Geschlechtsregister steht, aber so auch über dem gesamten Evangelium: „Dies ist das Buch von der Geburt (Herkunft, Geschichte) Jesu Christi, der da ist ein Sohn Davids, des Sohnes Abrahams.“ Damit wird er schon im ersten Vers vorgestellt als der Same Abrahams, der ihm verheißene Segen für alle Völker, 1. Buch Mose 12,3; 22,18, und als der Sohn Davids, als der ewige König, der von seinen Lenden kommen sollte, 2. Buch Samuel 7,12-16. So wird auch das Evangelium geschlossen mit den Worten Jesu, dass er der ist, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden – der Segen für alle Völker – und dass deshalb seine Gemeinde auch hingehen soll und alle Völker zu Jünger machen, also sein Reich bauen, indem sie sie tauft und lehrt.

    Als eine weitere Besonderheit, die damit zusammenhängt, ist die Entfaltung Jesu als des Propheten nach 5 Mose 18. Daher finden wir bedeutende Lehrreden in größeren Blöcken im Matthäusevangelium, etwa die Bergpredigt, Kapitel 5-7, die Gleichnisrede Kapitel 13 und die Endzeitreden Kapitel 24 und 25.

Wer war der Schreiber dieses Evangeliums? Das Buch selbst gibt uns zwar nicht den Namen des Schreibers, aber die alte Kirche hat von Beginn an uns den Namen überliefert: der Apostel Matthäus oder Levi, dessen Berufung uns 9,9 ff. erzählt wird. Das Evangelium, wie wir es haben, ist keine Übersetzung eines ursprünglich Hebräisch geschriebenen, wie es etwa auch die Zitate aus dem Alten Testament zeigen, die weder ganz nach der hebräischen Bibel noch ganz nach der Septuaginta gehen; auch zitieren schon die ältesten christlichen Schriftsteller nur das griechische Evangelium und die syrische Übersetzung (Peschito) des 2. Jahrhunderts gibt es nach dem griechischen Text an. Es mag aber gut sein, dass Matthäus daneben auch hebräisch-sprachige Aufzeichnungen gemacht hat.

Wann hat Matthäus dieses Evangelium geschrieben? Wie schon früher dargelegt, ist es auf jeden Fall vor der Zerstörung Jerusalems geschrieben worden, wahrscheinlich um 63 nach Christi Geburt.

Wie lässt sich das Evangelium nach Matthäus gliedern?

I. 1,1-2,23 Jesus, der Christus – seine Herkunft, Geburt und beginnende Passion

II. 3,1-4,11 Jesus, der Christus – sein Bote, seine Taufe für die Sünder, seine Versuchung = Vorbereitung

III. Jesus, der Christus – der Prophet Israels in Galiläa, mächtig in Worte und Taten

  4,12-7,29 Jesus, der Christus – der Lehrer von Gott: die Bergpredigt

  8,1-9,34 Jesus, der Christus – bezeugt durch die Wunder

IV. Jesus, der Christus – der gute Hirte, der sich erbarmend seines Volkes Israel annimmt, das ihn nicht erkennt

  9,35-11,30 Jesus, der Christus – er sendet (unter die Juden)

  12,1-50 Jesus, der Christus – angefeindet von den Pharisäern

  13,1-53 Jesus, der Christus – die Gleichnisse vom Himmelreich

V. Jesus, der Christus – angefeindet von dem Juden wendet er sich verstärkt der Unterweisung der Jünger zu

  13,54-16,20 Jesus, der Christus – die Auseinandersetzung mit den Juden, insbesondere den Pharisäern

  16,21-20,34 Jesus, der Christus – der Passion entgegen: die Unterweisung der Jünger

VI. 21,1-27,66 Jesus der Christus – seine Passion für uns

    21,1-22: Der Einzug in Jerusalem: Jesus Christus, der König kommt

    21,23-23,39: Die Schlussauseinandersetzung mit den Pharisäern

    24,1-25,46: Die Endzeitreden

    26,1-27,66: Die große Passion

VII. 28,1-20 Jesus der Christus – der Auferstandene und Erhöhte

 

2. Das Evangelium nach Markus

 

Was kann über das Evangelium nach Markus gesetzt werden? Das Evangelium nach Markus kann überschrieben werden: Jesus Christus – der in Kraft sich bezeugende Heiland der Heiden.

Was ist das Besondere des Evangeliums nach Markus? Das Evangelium nach Markus wurde nicht, wie dasjenige des Matthäus für Christen aus der Judenschaft und für Juden allgemein geschrieben, sondern vielmehr für solche, die mit dem Alten Testament weniger bekannt sind – daher wenig Zitate aus dem Alten Testament, wenig Darlegung jüdischer Bräuche -, also wohl vor allem für Christen aus der Heidenschaft im Westen des Römerreiches. So berichtet schon der alte Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea (II,15). Markus stellt, eingehaucht durch den Heiligen Geist, Jesus Christus dar als den Sohn des allmächtigen Gottes; als den, der über alles regiert, über die Dämonen und alle Mächte der Finsternis, über die Natur und über die Krankheiten. Zugleich aber streicht er heraus, wie Jesus Christus handelt aus brennender Liebe zu uns, wie er sich für uns opfert, sich verzehrt für uns, sich freiwillig für uns hingibt. Kurz: Hier wird unser Heiland in seiner Kraft und Vollmacht und Autorität dargestellt. Dabei geht Markus immer wieder auf die Spannung ein, die zwischen den menschlichen Erwartungen der Juden durch ihr Bild von einem irdischen Befreier-König und dem tatsächlichen Auftreten des Messias liegt. Bei aller Knappheit und Kürze der Darstellung gibt Markus oft sehr feine, kleine Züge wieder, die seinen Bericht besonders anschaulich machen.

Wer ist der Schreiber dieses Evangeliums und wann wurde es niedergeschrieben? Die altkirchliche Überlieferung nennt uns – denn das Evangelium selbst gibt uns darauf keinen Hinweis, den Johannes Markus, der in der Apostelgeschichte des öfteren genannt wird, 12,12.25; 15,37; 13,5, ein Schüler der Apostel, zunächst des Paulus, später besonders des Petrus, der ihn seinen (geistlichen) Sohn nennt, 1. Petrusbrief 5,13. Er war ein Sohn der Maria, in deren Hause in Jerusalem sich die Gemeinde (oder Teile der Gemeinde) versammelte, und ein Vetter des Barnabas, mit dem er zeitweilig in Zypern missioniert hat. Später soll er nach Ägypten gegangen sein und dort missioniert und die Kirche gepflanzt haben. Das Evangelium wird, nach den Angaben der Überlieferung, eng mit dem Wirken des Markus unter Petrus verbunden, weshalb auch alle Ehrungen Petri wegfallen, während die Rügen schärfer herausgearbeitet sind, 8,29.33; 14,30.68 (vergleiche die parallelen Berichte bei Matthäus). Die Möglichkeit ist groß, dass das Evangelium, das auch lateinische Ausdrücke enthält, in Rom entstanden ist. Wie schon oben erwähnt, wurde es wohl um 64-66, auf jeden Fall vor der Zerstörung Jerusalems durch die Römer, geschrieben.

Wie lässt sich das Evangelium nach Markus gliedern?

1,1-13 Der (Vor-)Bote des Heilandes

1,14-8,26 Jesus Christus, der Heiland, ruft, lehrt und tut Zeichen

8,27-10,52 Der Passion entgegen

11,1-15,47 Die Passion in Jerusalem

    11,1-33 Der Einzug in Jerusalem in Vollmacht

    12,1-44 Die Auseinandersetzung mit den Pharisäern

    13,1-37 Endzeitrede

    14,1-25 Das heilige Abendmahl

    14,26-15,47 Die große Passion

16,1-20 Jesus Christus, der auferstandene und erhöhte Herr

 

3. Das Evangelium nach Lukas

 

Unter welchem Thema steht das Evangelium nach Lukas? Das Thema, das über diesem Evangelium steht ist: Jesus Christus – der Welt Heiland.

Was sind die Besonderheiten des Evangeliums nach Lukas? Das Evangelium nach Lukas ist für Christen aus der Heidenschaft geschrieben und steht in engem Zusammenhang mit der Apostelgeschichte, bildet sozusagen mit ihr ein zweibändiges Werk, zeigt dabei, wie das Evangelium von Jerusalem nach Rom, von den Juden zu den Heiden kommt, siehe auch Apostelgeschichte 13,46. Das, was Paulus Römerbrief 1,16 ausdrückt, nämlich das Evangelium als die Kraft Gottes zur Rettung, Erlösung der Menschen, das durchzieht die beiden Bände des Evangelisten Lukas. Das wird auch an dem Gebrauch des Begriffes „euaggelizein“ (= evangelisieren, die frohe Botschaft verkünden) deutlich, der zehnmal im Evangelium und fünfzehnmal in der Apostelgeschichte verwendet wird, sonst aber in den Evangelien nur einmal bei Matthäus (11,5). So wird auch Jesu Wirken übrschrieben, 4,18, dass er, gemäß der Weissagung Jesajas, gekommen ist, den Armen das Evangelium zu predigen, zu verkündigen das Evangelium vom Reich Gottes, 4,43. Und dieses Evangelium gilt nicht nur den Juden, sondern die Gnade Gottes gilt allen Menschen, ist frei und umsonst für alle da, das hebt Lukas immer wieder hervor, schon dadurch, dass er den Engel Gabriel besonders erwähnt, was den Bogen schlägt zu den Prophezeiungen Daniels über die Weltreiche, Weissagungen, die er durch Gabriel vermittelt und erklärt bekam, Prophet Daniel 8,16; 9,21 oder dadurch dass er das Geschlechtsregister Jesu zurückführt bis Adam und Eva: Jesus Christus geht also die gesamte Menschheit an. Ebenso setzt Lukas immer wieder das Evangeliumsgeschehen in Verbindung mit dem Weltgeschichten, wobei er auch seine Arbeitsweise als korrekter Wissenschaftler zeigt. Damit enthält das Evangelium nach Lukas viele Einzelheiten oder Hinweise, die wir nur hier finden. Auch die Gleichnisse vom verlorenen Schaf und Groschen und vom verlorenen Sohn (Kapitel 15), vom guten Samariter (Kapitel 10) und vom Pharisäer und Zöllner (Kapitel 18) gehören dazu, ebenso wie viele Einzelheiten der ersten beiden Kapitel und die Begegnung Jesu mit den Emmausjüngern (Kapitel 24,13-35).

Wer hat dieses Evangelium geschrieben? Als Schreiber dieses Evangeliums wie auch der damit zusammenhängenden Apostelgeschichte wird von der altkirchlichen Überlieferung der Arzt Lukas genannt, von Paulus Kolosserbrief 4,14; 2. Timotheusbrief 4,11 und Philemon 24 als sein Begleiter erwähnt. Wohl schon auf der zweiten Missionsreise war er dabei, denn wir finden Apostelgeschichte 16,10 bereits den Begriff „wir“. Da Paulus ihn von denen unterscheidet, die jüdischer Herkunft sind, Kolosserbrief 4,11-14, so dürfte Lukas aus der Heidenschaft stammen; dies zeigt sich auch daran, dass seine Sprache von hebräischer Färbung freier ist als bei den anderen Evangelisten. Zeitlich dürfte die Abfassung des Evangeliums wohl auch in die Jahre 64-66 fallen, eventuell aber seine Grundlegung schon in der ersten Gefangenschaft des Paulus liegen, da auch die Apostelgeschichte nur bis zu dieser Zeit geht.

Wie kann das Evangelium nach Lukas gegliedert werden?

1,1-3,38 Jesus, der im Alten Testament verheißene Christus, und sein Vorbote

    1,1-4 Eingang

    1,5-80 Verheißung und Geburt Johannes des Täufers; Verheißung der Geburt Jesu

    2,1-40 Die Geburt Jesu

    3,1-22 Johannes der Täufer, der Vorbote Jesu Christi

    3,23-38 Geschlechtsregister Jesu Christi, des Heilandes der Welt

4,1-13,35 Jesus Christus, der Heiland der Welt: Der Heiland offenbart sich durch messianische Zeichen und ruft in die Nachfolge

14,1-19,27 Jesus Christus, der lehrende Heiland: die Lehre vom Reich Gottes

19,28-23,56 Die Passion des Heilandes der Welt

24,1-53 Die Auferstehung Jesu Christi und die Sendung der Jünger in die Welt

 

4. Das Evangelium nach Johannes

 

Unter welchem Thema steht das Evangelium nach Johannes? Das Evangelium nach Johannes kann überschrieben werden mit: Das Wort ward Fleisch: Jesus Christus – wahrer Gott und wahrer Mensch ist zu uns gekommen, um uns das ewige Leben zu bringen, siehe auch 1,14 und 20,31.

Was ist das Besondere an diesem Evangelium? Während die ersten drei Evangelien noch vor der Zerstörung Jerusalems geschrieben wurden, dürfte dieses Evangelium erst gegen Ende des 1. Jahrhunderts entstanden sein, wohl in Ephesus geschrieben. Das, was sich schon in den späten Briefen des Apostels Paulus abzeichnete (Briefe an die Epheseer, Galater, Kolosser, Pastoralbriefe), nämlich die Irrlehren, breiteten sich immer mehr aus und griffen die wahre Gott wie auch die wahre Menschheit Jesu Christi an (Cerinthus, Ebioniten, Gnostiker). Darum betont Johannes immer wieder, dass Jesus Christus Gott selbst ist, Gott auf Erden, 1,18; 14,9. Darum ist er in Person das Leben, das Licht, gerade die Ich-bin-Worte verkünden seine wahre Gottheit. Deshalb geht Johannes auch viel weiter in der Geschichte zurück, nämlich bis in alle Ewigkeit, als nur der Sohn als das Wort bei dem Vater war mit dem Heiligen Geist, 1,1.2.

    Ebenso aber betont Johannes zugleich die wahre Menschheit Jesu, 1,14. Eer beschreibt ihn als den, der müde und durstig ist, 4,6, der weint, 11,33.35, dessen Seele betrübt ist zum Tode, 12,27. Zugleich aber wird stets seine Gemeinschaft mit dem Vater betont, den er bezeugt. Der Begriff „(be-)zeugen“ ist einer der zentralen Begriffe dieses Evangeliums, 31 mal kommt er vor (Matthäus hat ihn einmal, Markus gar nicht, Lukas zweimal), das Hauptwort „Zeugnis“ verwendet er 14 mal (Matthäus gar nicht, Markus dreimal, Lukas einmal). Und dieses persönliche Zeugnis Jesu beglaubigt der Heiland durch „Zeichen“ (für seine Messianität), ein weiteres Schlüsselwort, damit die Menschen glauben. Siebzehn Mal verwendet Johannes diesen Begriff, Matthäus elfmal, Markus siebenmal, Lukas zehnmal, während der Begriff „Taten“, „mächtige Taten“, der die drei anderen Evangelien prägt, bei Johannes gar nicht vorkommt. Alles zielt ab darauf, dass durch dieses Zeugnis der Glaube durch den Heiligen Geist erweckt wird. Der Gegensatz Glaube – Unglaube ist bedeutend für dieses Evangelium, wobei Johannes darlegt, wie der Glaube sich entwickelt, zunächst an Zeichen und Wundern hängt, dann aber von ihrer weltlichen Sichtweise abkommen und am Wort allein hängen, und schließlich Christus bezeugen können, ohne dass er sichtbar gegenwärtig ist, 20,28.29. Ebenso wird das Anwachsen und Verhärten des Unglaubens anhand der Feinde Jesu dargelegt.

    Da das Evangelium nach Johannes wesentlich später als die ersten drei Evangelien entstand, konnte Johannes sie als bekannt voraussetzen. Daher berichtet er viele Ereignisse nicht, die dort zu finden sind; andererseits bringt er vieles, was mit seinem Thema zusammenhängt, was in den drei anderen Evangelien nicht zu finden ist, zum Beispiel die Hochzeit zu Kana, die Heilung des Sohns des königlichen Beamten, des Kranken am Teich Bethesda, des Blindgeborenen, die Auferweckung des Lazarus, die Ehebrecherin, die Unterredung mit Nikodemus, mit der Frau am Jakobsbrunnen, die Ich-bin-Worte, die Hirtenrede, die Predigt von ihm als dem Brot des Lebens, das hohepriesterliche Gebet, seine Begegnungen mit den Jüngern nach der Auferstehung, die Wiedereinsetzung des Petrus. Während also die ersten drei Evangelien mehr das Wirken Jesu herausstellen, so das Johannesevangelium mehr die Person Jesu als das Licht und Leben der Welt und seine Beziehung zum Vater.

    Während die ersten drei Evangelien stärker Jesu Wirken in Galiläa betrachten, so hat Johannes mehr Judäa im Auge, ohne deshalb Galiläa völlig zu vergessen.

    Trotz all dieser Unterschiede ist es dennoch der gleiche Jesus Christus, den wir in den ersten drei Evangelien finden und im Johannesevangelium, die gleiche gnädige und zarte Liebe zum Sünder, der gleiche hingebende Eifer, die gleiche Demut und Geduld im Leiden, der gleiche Eifer für die Ehre Gottes, die gleiche himmlische Weisheit in allem Wirken und Reden. Auch die Personen, die Jesus umgeben, sind die gleichen.

Er hat das Evangelium geschrieben? Auch hier ist uns der Name nicht direkt überliefert, andererseits gibt es immer wieder Hinweise auf „den Jünger, dend er Herr lieb hat“, zum Beispiel 13,23, was eindeutig auf den Apostel Johannes hinweist, wie es auch die altkirchliche Überlieferung besagt, und vor allem das Zeugnis aus 19,35, da aus den anderen Evangelien deutlich ist, dass er unter dem Kreuze stand. Er war ein Sohn des Zebedäus und der Salome, Bruder von Jakobus dem Älteren und mit Petrus und Andreas Fischer in Kapernaum, Matthäusevangelium 4. Zunächst war er Jünger von Johannes dem Täufer, wurde aber schon früh, zusammen mit Andreas, ein Jünger Jesu, Johannesevangelium 1. Neben Petrus und Jakobus wurde er zu den Säulen im Jüngerkreis, die auch bei der Verklärung Jesu, bei der Auferweckung der Tochter des Jairus und bei seinem Seelenkampf in Gethsemane dabei waren. Später war er eine der Säulen der Gemeinde in Jerusalem, ging dann aber, wohl schon vor der Zerstörung Jerusalems, nach Kleinasien, um dort die von Paulus gegründeten Gemeinden zu betreuen und wurde in diesem Zusammenhang, wahrscheinlich unter Nero, auf die Insel Patmos verbannt, wo er die Offenbarung Jesu Christi empfing. Gemäß der Überlieferung hat er das Evangelium gegen Ende des ersten Jahrhunderts geschrieben.

Wie ist das Evangelium nach Johannes gegliedert?

1,1-34 Das Wort ward Fleisch – für die Sünder

    1,1-18 Prolog: Das Wort ward Fleisch

    1,19-34 Johannes der Täufer und Christus

1,35-6,71 Das Wort ward Fleisch – erschienen den Juden

    1,35-51 Die ersten Jünger Jesu

    2,1-25 Die Offenbarung der göttlichen Majestät Jesu Christi

    3,1-36 Von der neuen Geburt und dem Glauben

    4,1-43 Jesus Christus und die Samaritanerin

    4,43-5,18 Zeichen für den Gottessohn

    5,19-6,71 Der Sohn Gottes

      5,19-30 Der lebendigmachende Sohn Gottes

      5,31-47 Zeugnis für den Sohn Gottes

      6,1-15 Das Wunder der Speisung der Fünftausend

      6,16-21 Das Wunder des Wandels auf dem Meer

      6,22-59 Jesus Christus, das Brot des Lebens

      6,60-71 Jesus, der Christus

7,1-12,50 Das Wort ward Fleisch – die Ablehnung durch die Juden

    7,1-52 Das Laubhüttenfest

    8,1-12 Jesus Christus, der Sünderheiland

    8,12-20 Jesus Christus – das Licht der Welt

    8,21-45 Nur der Glaube an Jesus Christus rettet

    8,46-59 Die Person Jesu – Verschärfung der Kontroverse mit den Juden

    9,1-41 Die Heilung des Blindgeborenen und die Feindschaft der Juden

    10,1-30 Rechter und falscher Hirte – Jesus Christus ist der gute Hirte

    11,1-46 Die Auferweckung des Lazarus – Jesus Christus ist die Auferstehung und das Leben

    11,47-12,50 Der Passion entgegen

13,1-17,26 Das Wort ward Fleisch – die Zurüstung der Kirche

    13,1-30 Die Fußwaschung

    13,31-17,26 Letzte Gespräche mit den Jüngern

      13,31-38 Das Gebot der Liebe. Ankündigung der Verleugnung

      14,1-31 Jesu Hingang zum Vater und die Gabe des Heiligen Geistes

      15,1-27 Das Bleiben in Christus

      16,1-33 Die Kirche in der Welt und ihre Grundlagen

      17,1-26 Das hohepriesterliche Gebet

18,1-19,42 Das Wort ward Fleisch – und starb für uns

    18,1-19,15 Gefangennahme Jesu und Verhöre

    19,16-30 Kreuzigung und Tod Jesu

    19,31-42 Grablegung Jesu

20,1-21,25 Das Wort ward Fleisch – der Verherrlichte und Auferstandene

    20,1-31 Die Auferstehung Jesu Christi

    21,1-25 Der Auferstandene bei den Jüngern

 

5. Die Apostelgeschichte des Lukas oder Die Taten der Apostel

 

Worum geht es in der Apostelgeschichte? Hatten die Evangelien geschildert, wie mit Christus die frohe Botschaft, das Evangelium selbst, in diese Welt gekommen ist, um die Erlösung für uns zu erreichen, so zeichnet nun die Apostelgeschichte nach, wie Chrisuts durch die von ihm erwählten Boten dieses Evangelium in die Welt hinausgehen lässt – bis hin in das damalige Weltzentrum Rom-, um Menschen in das Reich Gottes zu sammeln, aus der Juden- wie aus der Heidenschaft, vor allem aber aus der Heidenschaft, kurz: Gott baut seine Kirche. Deshalb berichtet er vor allem über Petrus – den Apostel an die Juden, der aber auch die Heidenmission begann – und Paulus, den Apostel an die Heiden, Galaterbrief 2,9. Die Botschaft, die dabei ausgeht, ist genau diejenige, die wir auch in der Briefen des Apostels Paulus finden: Alle Menschen werden gerecht allein durch den Glauben an Jesus Christus, ohne Zutun des Gesetzes oder Hilfe unserer Werke.

Wer hat die Apostelgeschichte geschrieben? Schon aus den einleitenden Versen geht hervor, dass die Apostelgeschichte von demjenigen geschrieben ist, der auch das dritte Evangelium geschrieben hat, Lukas, der auf vielen der Reisen des Paulus den Apostel begleitet hatte. Wann sie geschrieben wurde, lässt sich nicht genau sagen, wohl nach dem Evangelium. Der Schluss der Apostelgeschichte erzwingt nicht, einen Zeitpunkt vor der Hinrichtung des Paulus anzunehmen, da aus der Disposition des Buches eindeutig hervorgeht, dass mit der Ankunft in Rom und der ungehinderten Predigt des Evangeliums in diesem Weltzentrum das Ziel des Buches erreicht ist.

Wie kann die Apostelgeschichte gegliedert werden?

I. 1,1-26 Vorgeschichte

    1,1-11 Christi letzte Worte und Himmelfahrt

    1,12-26 Zurüstung der Jünger bis Pfingsten

II. Die Kirche unter den Juden

2,1-41 Pfingsten – Anfang der Kirche Jesu Christi über alle Grenzen

2,42-8,16 Die Kirche aus der Judenschaft – die Jerusalemer Gemeinde

    2,42-47 Die Grundzüge der Gemeinde

    3,1-26 Das Wunder an dem Lahmen

    4,1-31 Beginn der Auseinandersetzung mit den Juden

    4,32-5,16 Das Leben in der Gemeinde

    5,17-42 Erneute Verfolgung

    6,1-7 Errichtung des Diakonenamtes

    6,8-8,16 Erneute Verfolgung: Stephanus

III. 8,1-25 Die Kirche aus den Samaritanern

IV. Die Kirche unter den Heiden

8,26-12,25 Die Kirche erweitert auch zu denen aus den Heiden

    8,26-40 Die Bekehrung des äthiopischen Finanzministers

    9,1-31 Gott bekehrt Paulus, den künftigen Apostel für die Heiden

    9,32-11,18 Wirken des Petrus

      9,32-35 Äneas und Tabea

      10,1-48 Der Durchbruch zu den Heiden: Hauptmann Kornelius

      11,1-18 Petri Verantwortung vor der Jerusalemer Gemeinde

    11,19-30 Die heidenchristliche Gemeinde zu Antiochien

    12,1-25 Die Verfolgung der Gemeinde durch Herodes

13,1-28,31 Die Missionsreisen des Apostels Paulus

    13,1-14,28 Erste Missionsreise: Zypern, Antiochien/Pisidien, Iconium, Lystra

    15,1-41 Jerusalemer Apostelsynode

    16,1-18,28 Zweite Missionsreise: Kleinasien, Europa

    19,1-21,14 Dritte Missionsreise: Kleinasien

    21,15-26,32 Pauli Gefangennahme und Gefangenschaft in Jerusalem

    27,1-28,31 Gefangenschaftsreise nach Rom

 

 

B) DIE LEHRSCHRIFTEN

 

Welche Schriften werden unter die Lehrschriften des Neuen Testamentes gerechnet? Zu den Lehrschriften des Neuen Testamentes zählen insgesamt 21 Briefe, wovon allein 13 vom Apostel Paulus stammen.

Wodurch sind diese Schriften entstanden? Die Aufgabe der Apostel war es, das Evangelium in alle Welt zu tragen. Daher konnten sie sich zumeist nicht dauerhaft an einem Ort aufhalten, sondern nach geraumer Zeit zogen sie in ihrer Missionstätigkeit weiter. Daraus entstand bei den Gemeinden das Bedürfnis, dass ungeklärte Fragen, neu aufbrechende Diskussionen, neue Situationen in der Gemeinde den Aposteln mitgeteilt wurden und sie unter der Leitung und Inspiration des Heiligen Geistes Antwort gaben. Diese Antworten haben wir in den vorliegenden Briefen, deren jeweils besondere Veranlassung auch dort behandelt wird. Vom Apostel Paulus lesen wir etwa, dass er schier täglich von Gemeinden mündlich oder schriftlich um Rat angegangen wurde, 2. Korintherbrief 11,28.

Stimmt es, dass die Apostel noch weitere Briefe geschrieben haben sollen? Diese Frage ist aufgetaucht, weil es in den Korintherbriefen Stellen gibt, 1. Korintherbrief 5,9, die es nicht ausschließen, dass es vor dem ersten Korintherbrief bereits einen an die Gemeinde gegeben hat und ebenso einen weiteren zwischen dem ersten und zweiten Brief an diese Gemeinde. Kolosserbrief 4,16 scheint einen Hinweis zu geben auf einen Brief an die Gemeinde zu Laodicea. Ein absolutes Urteil lässt sich darüber nicht fällen, da diese Briefe nicht vorliegen. Damit ist aber auch deutlich, ob sie nun existiert haben oder nicht, dass solche Briefe zwar auch von dem Apostel geschrieben wären, aber dann nicht unter der besonderen Inspiration des Heiligen Geistes, daher auch nicht Teil der Bibel sind und wir uns auch nicht weiter um sie bekümmern sollten.

In welchem inhaltlichen Verhältnis stehen die Briefe zu einander? Die Themen der Briefe sind sehr unterschiedlich, was auch mit der Veranlassung der Briefe zusammenhängt. Im Groben kann man sagen, dass Paulus mehr den Glauben, Johannes mehr die Liebe, Petrus mehr die Hoffnung hervorhebt, aber jeweils unter den besonderen Aspekten, unter denen ihre Schriften geschrieben sind. Wir haben keine Widersprüche oder andere Akzente in den Schriften, sondern unterschiedliche Themen, die sich gegenseitig ergänzen. Auch zwischen Paulus und Jakobus besteht tatsächlich kein Gegensatz, denn Paulus schreibt über die Rechtfertigung vor Gott, über die Grundlegung unseres Heils; Jakobus dagegen schreibt über unsere Stellung oder Rechtfertigung vor den Menschen, über das heilige Leben des schon erlösten Menschen.

Wie werden die Briefe unterteilt? Im Allgemeinen werden zwei große Abteilungen gebildet, nämlich einmal die paulinischen Briefe oder „Briefe des Apostels“ und dann die allgemeinen oder katholischen Briefe, wohl so genannt, weil sie nicht einer besonderen Gemeinde zuzuordnen sind, an die sie gerichtet worden wären.

 

 

Die paulinischen Briefe

 

Was wissen wir über das Leben des Paulus? Sowohl durch die Apostelgeschichte, die in ihrem zweiten Teil fast ausschließlich die Missionstätigkeit Pauli behandelt, als auch durch seine Briefe haben wir von ihm sehr umfangreiche biographische Angaben. Demnach ist er, Philipperbrief 3, Sohn eines Juden aus der kilikischen (heutige Südosttürkei) Stadt Tarsus, der das römische Bürgerrecht erworben hatte, so dass Paulus schon als Römer geboren wurde. Erzogen wurde er als Pharisäer und erhielt seine Ausbildung in Jerusalem durch den bedeutenden jüdischen Gelehrten Gamaliel, Apostelgeschichte 22,3. Als eifriger Pharisäer stand er von Anfang an in extremem Gegensatz zur christlichen Gemeinde, die sich in Jerusalem gebildet hatte, und, Apostelgeschichte 7, war aktiv an der Hinrichtung des Stephanus beteiligt und verfolgte die Gemeinde auch weiterhin. Als er sich Briefe nach Damaskus hatte geben lassen, um auch die dortige christliche Gemeinde zu unterdrücken, Apostelgeschichte 9, trat ihm Christus selbst entgegen. Getroffen vom Wort des Gekreuzigten und Auferstandenen brach er zusammen, um durch das Evangelium Christus selbst als seinen Heiland zu erkennen und den Auftrag zur Heidenmission zu empfangen. Seine christliche Predigt in Damaskus veranlasste die dortigen Juden, ihn zu verfolgen, was ihn zur Flucht trieb. In Jerusalem nahm sich Barnabas seiner an und führte ihn in die erschrockene Gemeinde ein, Apostelgeschichte 9,26 ff. Zwischen seiner Bekehrung und diesem Aufenthalt in Jerusalem liegen drei Jahre, Galaterbrief 1,18, in denen er in der arabischen Wüste durch Jesus Christus in direkter Offenbarung auf sein Amt zugerüstet wurde. Die Apostel selbst schickten ihn von Jerusalem zunächst nach Tarsus zurück, wo er etliche Jahre lebte, bis ihn Barnabas nach Antiochia holte, wo er ein Jahr mit ihm wirkte, Apostelgeschichte 11,26. Dann sandte die Gemeinde beide aus zur ersten Missionsreise unter die Heiden, wobei sie zunächst Zypern, die Heimat des Barnabas besuchten, und danach die kleinasiatischen Gebiete im Süden und dort auch Prediger einsetzten. Überall kam es sowohl zur Verfolgung durch die Juden als auch zur Bildung christlicher Gemeinden. Danach kehrten sie in die sendende Gemeinde Antiochia zurück und erstatteten dort Bericht. In dieser Zeit kam es auch zu einer Auseinandersetzung unter den christlichen Gemeinden über das alttestamentliche Gesetz, was veranlasste, dass die Gemeinde in Antiochien Paulus und Barnabas nach Jerusalem zur Versammlung mit der dortigen Gemeinde und den Aposteln schickten. Dabei wurde festgestellt, dass sie mit Paulus und seiner Lehre von der freien Gnade völlig übereinstimmten, Apostelgeschichte 14,28; 15; Galaterbrief 2,1. Bald darauf brach Paulus zu einer zweiten Missionsreise auf, zusammen mit Silas, während Barnabas sich mit Johannes Markus wieder nach Zypern begab. Das Ziel des Heiligen Geistes mit dieser Reise war Europa, so dass sie in den kleinasiatischen Gegenden sich nur kurz aufhielten oder auch gar keinen Eingang fanden. In Europa dagegen kam es zunächst in Mazedonien zu Gemeindegründungen – Philippi, Thessalonich -, dann auch im eigentlichen Griechenland, Athen, Korinth. Hier sind wohl die Briefe an die Gemeinde in Thessalonich entstanden. Von dort aus ging Paulus nach Ephesus zurück, dann über Jerusalem wieder nach Antiochien, brach aber bald zu seiner dritten Missionsreise auf, die ihn vor allem nach Ephesus führte, wo er über zwei Jahre arbeitete. Von hier aus hat er wohl die Briefe an die Gemeinden in Galatien und den ersten an die korinthische Gemeinde geschrieben. Er ging dann noch einmal nach Mazedonien, sandte von dort aus den zweiten Korintherbrief, und dann nach Korinth selbst, wo wohl der Brief an die Römer entstand, der seine Pläne verdeutlichte, dass er nach Rom und von dort weiter zur Mission nach Spanien reisen wollte. Zunächst aber wollte er noch einmal nach Jerusalem, wohl wissend, dass ihm wohl dort die Gefangenschaft drohte, wie es auch geschah. Dort wurde er unrechtmäßig über zwei Jahre festgehalten, berief sich dann auf den Kaiser und gelangte so, als Gefangener, nach Rom. Dort wurde er zwei Jahre gefangen gehalten, konnte aber, unter Bewachung, relativ frei das Evangelium verkündigen. In dieser Zeit entstanden wohl die Gefangenschaftsbriefe an die Epheser, Philipper, Kolosser und an Philemon. Gewisse Angaben in den Briefen an Timotheus und Titus und auch Gedanken, die im Philipper- und Philemonbrief ausgedrückt werden, lassen darauf hindeuten, dass Paulus noch einmal freigekommen ist, eine Reise durch Griechenland, Kleinasien und Kreta gemacht hat, ob auch nach Spanien, wie etliche sagen, ist zumindest zweifelhaft. Danach ist er, nach der Überlieferung, ein zweites Mal gefangen genommen worden, in dieser Gefangenschaft dürfte der 2. Timotheusbrief entstanden sein, und hat dann, um 65 nach Christi Geburt, in Rom den Märytrertod erlitten.

Wie lassen sich die Briefe des Paulus einteilen? Die Reihenfolge in der Bibel hat einmal die Unterteilung nach Gemeinde- und Personenbriefen, dann bei den Briefen selbst nach der Bedeutung des Inhaltes und der Gemeinden gegliedert.

    Nach der Zeitfolge könnte es etwa so sein: 1. Thessalonicher, 2. Thessalonicher, Galater, 1. Korinther, 2. Korinther, Römer, Epheser, Philipper, Kolosser, Philemon, 1. Timotheus, Titus, 2. Timotheus, wobei die Thessalonicherbriefe um das Jahr 52, der 2. Brief an Timotheus um 65 geschrieben worden sein düfte.

Welche Lehren behandelt Paulus in den einzelnen Briefen? Einige wichtige Briefe des Paulus haben zumeist einen dogmatisch-didaktischen und einen ethisch-paränetischen Teil, nämlich der Römer-, Galater-, Epheser- und Kolosserbrief.

 

 

 

6. Der Brief des Paulus an die Römer

 

Wann wurde der Brief an die Römer geschrieben? Nach den Angaben Kapitel 16,1 hat ihn Paulus während seiner dritten Missionsreise geschrieben, und zwar von Korinth aus, also 57 oder 58 nach Christi Geburt.

Was war der Anlass dieses Briefes? In der Gemeinde selbst lag kein triftiger Grund in der Weise, dass etwa Streitigkeiten vorgelegen hätten, Spannungen zwischen Juden- und Heidenchristen vorhanden gewesen wären, sondern es war der Wunsch des Apostels, sich der Gemeinde bekannt zu machen, da er mit ihrem Beistand in Spanien eine Mission beginnen wollte, 15,24. Außerdem war die Gemeinde ohne apostolischen Beistand entstanden, auch bis dahin nicht von einem Apostel besucht worden. Darum wollte er ihr eine feste Lehrgrundlage geben.

Was wissen wir über die Gemeinde in Rom? Die Gemeinde in Rom muss zu dem Zeitpunkt des Briefes schon einige Zeit bestanden haben, denn sie war schon weithin bekannt, 1,8, und der Apostel Paulus hatte schon längere Zeit die Absicht, sie zu besuchen. Wann die Gemeinde entstanden ist, ist nicht sicher. Die Annahme ist nicht unberechtigt, dass schon unter denjenigen, die an Pfingsten in Jerusalem zum Glauben gekommen sind, sich Menschen aus Rom befanden, die in die damalige Welthauptstadt das Evangelium trugen. Dafür spricht auch, wie Sueton berichtet und Apostelgeschichte 18,2 bezeugt wird, dass Kaiser Claudius (41-54 nach Christi Geburt) zeitweilig die Juden aus Rom vertrieben hatte, und zwar weil es Streit unter ihnen wegen eines „Chrestus“, wie Sueton schreibt, gegeben hätte. Die Behauptung der römisch-katholischen Kirche, dass Petrus diese Gemeinde gegründet und in ihr 25 Jahre lang Bischof gewesen sei, ist völlig unhaltbar, da dies zum einen mit den Angaben in der Bibel, etwa über das Apostelkonzil Apostelgeschichte 15, nicht übereinstimmt, zum anderen Paulus dies in seinem Brief an die Römer nicht unerwähnt gelassen hätte, ja, er gemäß seinen Prinzipien, 15,20.21, gar nicht mit Rom in engeren Kontakt getreten wäre, wenn Petrus dort schon gewirkt hätte. Vor allem hätte er ihn in der Grußliste angesprochen. Historisch bezeugt ist nur, dass Petrus am Ende seines Lebens nach Rom
gekommen ist und dort, wie dann auch Paulus, Opfer der Christenverfolgungen wurde.

Was ist das Thema dieses Briefes? Das Thema des Briefes wird in den Versen 16 und 17 des Eingangskapitels angegeben: Das seligmachende Evangelium von Jesus Christus, worinnen die Gerechtigkeit Gottes, die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, geoffenbart wird. Der Brief ist eine lehrhafte Darstellung der evangelischen Wahrheit, ein Kompendium oder Zusammenfassung der wichtigsten Stücke der christlichen Lehre.

Wie lässt sich der Brief gliedern?

I. Der didaktische oder dogmatische Teil, Kapitel 1-11:

   1,1-15: Der Eingang des Briefes

   1,17.18: Das Thema des Briefes: die im Evangelium geoffenbarte Gerechtigkeit durch den Glauben

   1,18-3,20: Alle, Juden wie Heiden, stehen als Sünder unter dem Zorn Gottes

   3,21-5,21: Die Gerechtigkeit Gottes, allein um Christi willen, allein aus Gnaden, allein durch den Glauben

   6,1-8,39: Die Heiligung als die notwendige Frucht des Glaubens

   9-11: Im Reich Gottes gilt allein die Gnade – die Lehre von der Gnadenwahl

II. Der ermahnende oder ethische Teil, Kapitel 12-16:

   Kapitel 12: Das christliche Leben – ein Dienst am Nächsten

   Kapitel 13: Das christliche Leben – erweist sich im Gehorsam gegenüber der Obrigkeit

   14,1-15,13: Das christliche Leben – erweist sich in Nachsicht gegenüber den Schwachen im Glauben

   15,14-26,27: Schlussteil: Ausblicke, Ermahnungen, Grüße und Lobpreis

 

7. Der erste Brief des Paulus an die Korinther

 

Wann wurde dieser Brief geschrieben? Paulus hat diesen Brief wohl um die Osterzeit des Jahres 57 in Ephesus geschrieben.

Was war das für eine Gemeinde in Korinth? Die Gemeinde in Korinth war eine Frucht des Wirkens des Paulus auf seiner zweiten Missionsreise, Apostelgeschichte 18. Korinth war damals eine bedeutende griechische Metropole, aber auch eine Hochburg der Unzucht. Die Gemeinde, in der Paulus anderthalb Jahre gewirkt hatte, war reich gesegnet an allerlei Gaben, I,1,5-7, aber durch falsche Apostel und Propheten, die in die Gemeinde eingedrungen waren, auch durch vielerlei Schwachheiten waren Parteiungen in der Gemeinde entstanden, I,1,10-17. Außerdem wurde die Sünde nicht ernst genommen, I,5, es kam zu Prozessen zwischen Gemeindegliedern vor weltlichen Gerichten, I,6, und die Rücksicht gegenüber den Schwachen im Glauben fehlte, I,8-9. Außerdem war die Ordnung im Gottesdienst sehr durcheinander gekommen, I,10-14, sowohl im Hinblick auf das Betragen der Frauen als auch im Blick auf das Liebesmahl und Abendmahl und den Gebrauch der besonderen Gaben. Es scheint ein Hang zur Schwärmerei in der korinthischen Gemeinde vorhanden gewesen zu sein. Auch waren falsche Lehren über die Auferstehung eingebrochen, I,16. Paulus wurde über diese Zustände durch einen Brief aus der Gemeinde informiert und geht nun in seinem ersten Brief auf diese Dinge näher ein. Er ist also vor allem ein seelsorgerlicher Brief, aber voll Klarheit der Lehre und inniger Liebe zur Gemeinde.

Wie ist der Brief aufgebaut?

1,1-9: Gruß und Anerkennung

1,10-4,21: Auseinandersetzung mit den Parteiungen in der Gemeinde

5-6: Gegen die sittlichen Schäden in der Gemeinde

7-10: Über die christliche Freiheit

Kapitel 11: Über die rechte Ordnung im Gottesdienst

Kapitel 12-14: Falscher und rechter Gebrauch der geistlichen Gaben

Kapitel 15: Von der Auferstehung des Fleisches

Kapitel 16: Schluss: Ermahnungen, Mitteilungen, Grüße

 

8. Der zweite Brief des Paulus an die Korinther

 

Wann verfasste Paulus unter Leitung des Heiligen Geistes diesen Brief? Dieser zweite Brief wurde auf der gleichen Missionsreise geschrieben wie der erste. Allerdings hatte Paulus wider Erwarten länger auf eine Antwort warten müssen, so dass er schon von Ephesus aufgebrochen war und sich in Troas befand, nachdem er zuvor den Titus nach Timotheus nach Korinth gesandt hatte. Inzwischen traf er Timotheus in Mazedonien wieder und erfuhr von der Reaktion auf den ersten Brief, vor allem die Maßnahmen gegen den Blutschänder, aber auch, dass es Anfeindungen gegen ihn gab. Das veranlasste dann den zweiten Brief.

Wie lässt sich dieser Brief gliedern?

Kapitel 1: Gruß und Einleitung

Kapitel 2-7: Der Dienst des Apostels Paulus am Evangelium

Kapitel 8-9: Der Liebesdienst der Gemeinde mit der Kollekte

Kapitel 10-13: Das Apostelamt des Paulus

 

9. Der Brief des Paulus an die Galater

 

Was ist der Hintergrund dieses Briefes? Paulus hat auf seiner ersten Misisonsreisen Gemeinden im Süden der römischen Provinz Galatien gegründet, etwa Lystra, Derbe, Antiochien in Pisidien, und hat sie auf seiner zweiten Missionsreise nochmals besucht. Auf seiner zweiten Missionsreise um 52 nach Christi Geburt ist er dann auch, Apostelgeschichte 16,6 in den nördlichen Teil dieser Provinz gekommen, die historische Landschaft Galatien. Bald nach seinem zweiten Besuch bei den Gemeinden, Galaterbrief 4,13; 1,6, erfuhr der Apostel, dass sich judaistische Irrlehrer in den Gemeinden breit machten, die forderten, dass die Galater das alttestamentliche Gesetz halten müssten, wenn sie ewig selig werden wollten, also vor allem sich beschneiden lassen müssten und die alttestamentlichen Feiertage einhalten. Damit wurde faktisch das Evangelium, für das sich Paulus auf dem Apostelkonzil Apostelgeschichte 15 so eingesetzt hatte, Galaterbrief 2,5, außer Kraft gesetzt. Paulus sah daher mit Recht das Evangelium, die frohe Botschaft, das Christentum in seinem Kern getroffen und reagierte darauf mit äußerster Schärfe, wie insbesondere der Anfang des Briefes, 1,6-9, zeigt. Wann der Brief geschrieben wurde steht ebensowenig fest wie der Bereich der Gemeinden, um den es geht, ob also um die südgalatischen oder die nordgalatischen Gemeinden, wobei einiges für die südgalatischen Gemeinden spricht, etwa das, was in Galater 2,5 erwähnt wird und Barnabas Galaterbrief 2,1.9.13, der auf der zweiten Missionsreise bereits nicht mehr dabei war. Außerdem verwendet Paulus – im Gegensatz zu Lukas – die römischen Provinzbezeichnungen, nicht so sehr die historischen Ländernamen. Dann könnte dieser Brief schon auf der zweiten Missionsreise, vielleicht von Korinth aus, um Anno Domini 53 geschrieben worden sein. Dieser Brief stellt, nach dem Römerbrief, von seinem Inhalt her den wichtigsten der Briefe des Paulus dar.

Was ist das Thema dieses Briefes? Das Thema dieses Briefes ist eindeutig: Das Evangelium von Jesus Christus von der Freiheit eines Christenmenschen.

Wie kann dieser Brief gegliedert werden?

1,1-10: Gruß und Einleitung – Thema des Briefes

1,11-2,21: Persönlich-historischer Teil: Das Apostelamt des Paulus – ein rechtes Apostelamt

Kapitel 3-4: Dogmatisch-polemischer Teil: Die Freiheit des Christen vom Gesetz

5,1-6,10: Praktisch-paränetischer Teil: Der rechte Gebrauch der christlichen Freiheit

6,11-18: Schlussworte

 

10. Der Brief des Paulus an die Epheser

 

Wer waren die Empfänger dieses Briefes? Der Brief ist an die Gemeinde in Ephesus, 1,1, gerichtet, die damals eine bedeutende Metropole der ionischen Griechen war und Hauptstadt der römischen Provinz Kleinasien. Sie war allerdings zugleich Zentrum des heidnischen Abgötterei (Artemistempel), des Aberglaubens, Apostelgeschichte 19 und der Zauberei. Paulus hatte diese Stadt auf der zweiten Missionsreise kurz besucht, Apostelgeschichte 18,24 ff. und dann während der dritten Missionsreise fast drei Jahre in ihr und der Umgebung gewirkt, Apostelgeschichte 19. Ephesus wurde so auch zum Zentrum der christlichen Gemeinden Kleinasiens.

    In der Gemeinde selbst lagen keine besonderen Probleme vor, die Paulus meinte, ansprechen zu müssen, wollte aber die Gemeinde aus seiner Gefangenschaft stärken, damit sie um seiner Gefangenschaft willen nicht in Anfechtungen kamen. Dabei ging es ihm vor allem darum, die Gemeinde Jesu Christi als die eine heilige christliche Kirche auf Erden aus Juden- und Heidenchristen darzustellen.

    Dieser Brief ist ein Gefangenschaftsbrief, ähnlich wie die Briefe an die Philipper, Kolosser und an Philemon.

Was ist das Thema des Briefes? Der Brief steht unter dem Gesichtspunkt: Die eine heilige Kirche Jesu Christi – Erlöste aus der Juden- und aus der Heidenschaft.

Wie ist dieser Brief aufgebaut?

I. Didaktisch-dogmatischer Teil, Kapitel 1-3

   1,1-2 Gruß

   1,3-14: Die Gnadenwahl

   1,15-22: Der erhöhte Christus – das Haupt der Gemeinde

   Kapitel 2: Die Befreiung aus dem Reich des Teufels und Einverleibung in Christi Reich

   Kapitel 3: Die Herrlichkeit der Kirche Jesu Christi

II. Paränetisch-ethischer Teil, Kapitel 4-6

   4,1-5,21: Wandel im Geist als Nachfolger Gottes

   5,22-6,9: Die Haustafel

   6,10-20: Die christliche Waffenrüstung

   6,21-24: Schlussworte

 

11. Der Brief an die Philipper

 

Wer ist der Schreiber dieses Briefes? Es geht aus dem Brief eindeutig hervor, dass Paulus der Schreiber ist, 1,1, und zwar zusammen mit Timotheus, 1,1, während seiner Gefangenschaft in Rom, 1,7.13.16; 1,14; 4,22. Es muss zum Ende der ersten Gefangenschaft gewesen sein, denn Paulus erwartet zu diesem Zeitpunkt bereits seine baldige Freilassung, 1,25; 2,23.

Wer war die Gemeinde in Philippi, der Empfänger des Briefes? Paulus ist während seiner zweiten Missionsreise um 52/53 nach Philippi, einer der Hauptstädte Mazedoniens, gekommen, Apg. 16, und hat dort die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden gegründet (Lydia), musste aber nach der Austreibung von Dämonen aus einer Magd eine schmähliche Behandlung hinnehmen, einschießlich verschärfter Einkerkerung, durfte aber durch ein Wunder Gottes dann nicht nur seine Freilassung, sondern auch die Bekehrung des Gefängniswärters erfahren. Während der dritten Missionsreise hat Paulus auch diese Gemeinde noch einmal besucht, Apg. 20,6.

    Die Gemeinde bestand hauptsächlich aus Heidenchristen, 3,2.3; 2,15.16; 4,8.9 und war mit dem Apostel in inniger Liebe verbunden und unterstützte ihn auch finanziell, 1 Kor. 9,15; 2 Kor. 11,8.9; Phil. 4,15.16. Dies hat auch während der Gefangenschaft des Paulus nicht aufgehört, vielmehr hat sie den Epaphroditus mit einer Liebesgabe zu ihm gesandt, 2,25; 4,10.14.18.

    Die Gemeinde stand zwar fest im Glauben, bedurfte aber der Stärkung und Ermahnung um der äußeren Anfeindungen willen, 1,18.29; 2,15, und der Anfechtung durch Abtrünnige, 3,18.19.

Was ist das Thema dieses Briefes? Das Grundthema des Briefes ist die Freude am Herrn, durch den wir Gnade und Erlösung haben, 1,4.18.25; 2,2.17.18.28; 3,1; 4,1.4.10.

Wie ist der Brief aufgebaut?

I. Kapitel 1-2: Ermunterung

  1,1-11: Gruß und Fürbitte für die Gemeinde

  1,12-26: Mitteilungen über Paulus in der Gefangenschaft

 

 

  1,27-2,18: Ermahnung zur Eintracht, Sendung des Timotheus, Christi Erniedrigung und Erhöhung

  2,19-30: Rückkehr des Epaphroditus

II. Kapitel 3-4: Ermahnung

  3,1-16: Warnung vor den judaistischen Irrlehren – die wahre Gerechtigkeit ist Glaubensgerechtigkeit

  3,17-21: Nachfolge in Erwartung der himmlischen Vollendung

  4,1-9: Ermahnung zu Eintracht, Liebe und Gebet

  4,10-20: Dank für die Liebesgaben der Gemeinde

  4,21-23: Grüße und Segenswunsch

 

12. Der Brief an die Kolosser

 

Wer ist der Schreiber dieses Briefes? Der Brief an die Kolosser ist von dem Apostel Paulus während seiner Gefangenschaft in Rom geschrieben worden, wohl um 62, zur gleichen Zeit wahrscheinlich wie auch der Brief an die Epheser, 1,1.

Wer war der Empfänger dieses Briefes? Kolossä war ein Ort in Phrygien, im Westen der heutigen Türkei, bei dem jetziges Khonas, in der Nähe der beiden Städte Laodicea und Hierapolis, wo auch christliche Gemeinden bestanden, die mit derjenigen in Kolossä in enger Beziehung standen, 4,13.15.16. Paulus ist zwar auf seiner zweiten und dritten Missionsreise durch Phrygien gekommen, aber nicht in diese Gegend gekommen. Die Gemeinde zu Kolossä ist also nicht durch Paulus gegründet worden, sondern wohl aller Wahrscheinlichkeit nach durch Epaphras, 1,7; 4,12, und bestand überwiegend aus Christen aus der Heidenschaft, 2,13; 1,21.27. Epaphras hat Paulus in Rom besucht und war auch eine Zeitlang Mitgefangener, 1,7.8; 4,12.13; Philem. 23.

Was war der Anlass des Briefes? Durch Epaphras hat Paulus wohl gehört, dass die einerseits zwar im Glauben bewährte Gemeinde, 1,2-6; 2,5, durch jüdisch-gnostische Irrlehrer gefährdet war, 2,1.4.8.20, die behaupteten, die Wahrheit zu verkündigen, 2,8, eine Verbindung mit der Engelwelt herzustellen und in den tieferen Zusammenhang der Dinge einzuführen, 2,18.23, und deshalb besondere Enthaltsamkeit im Blick auf Speise und Trank forderten, 2,16.21.23.

Was ist daher das Thema dieses Briefes? Bestehet in Jesus Christus, unserem Heiland und in der von ihm uns geschenkten Rechtfertigung und ihrer Frucht, der christlichen Freiheit.

Wie lässt sich der Brief gliedern?

I. Kapitel 1-2: Dogmatisch-polemischer Teil

  1,1-12: Gruß, Danksagung für die Gemeinde, Versicherung der Fürbitte

  1,13-29: Christus, der Mittler der Schöpfung, Versöhner der Welt und Haupt der Gemeinde

  2,1-15: In Christus kennen wir das wahre himmlische Geheimnis und haben die Kraft zum rechten Leben vor Gott im Glauben

  2,16-23: Die Irrlehrer bieten nur kümmerlichen Ersatz und kraftlosen Betrug

II. Kapitel 3-4: Praktischer Teil

  3,1-17: Im Aufblick auf Christus die irdischen Triebe überwinden und in der Liebe wandeln

  3,18-4,1: Die christliche Haustafel: der christliche Wandel im natürlichen Stand und Beruf

  4,2-18: Ermahnung zu fleißigem Gebet und Mission, Grüße und Segenswunsch

 

13. Der erste Brief an die Thessalonicher

 

Wer hat diesen Brief geschrieben? Der erste Brief an die Thessalonicher ist von Paulus geschrieben, in Gemeinschaft mit Silvanus und Timotheus, 1,1, und zwar während seiner zweiten Missionsreise im Jahr 52, von Korinth aus.

Wie stand es um die Gemeinde zu Thessalonich? Nach der Bildung der Gemeinde in Philippi zog Paulus weiter nach Thessalonich (Saloniki), der Hauptstadt Mazedoniens, und weilte dort nicht ganz einen Monat, Apg. 17,1-10, und sammelte eine Gemeinde aus Juden- und Heidenchristen, musste aber bald aufgrund der einsetzenden Verfolgung durch die Juden die Stadt verlassen und konnte auch nicht wieder dahin zurückkehren, Apg. 17,13; 1 Thess. 2,17.18. Er sandte deshalb von Athen aus Timotheus nach Thessalonich, um die Gemeinde zu stärken, 1 Thess. 3,1-5; Apg. 17,14.15. Obwohl Paulus ja nur sehr kurz in Thessalonich weilen konnte, erwies sich die Gemeinde doch als recht gefestigt im Glauben und wurde ein Vorbild im Glauben und in der Liebe, 1,7, erduldete auch die Verfolgungen, insbesondere durch die Juden, 2,14-16; 3,3.4; 5,15. Allerdings gab es etliche Fragen und Unklarheiten in der Gemeinde, insbesondere im Blick auf die Wiederkunft Christi.

Was war also der Anlass für diesen Brief? Dieser Brief, der erste des Paulus überhaupt, sollte der Stärkung und Ermutigung der Gemeinde in den Verfolgungen dienen, sie stärken zur Nachfolge im Glauben und ihnen Klarheit geben in den Fragen über die Wiederkunft Christi, die Auferstehung der im Glauben Entschlafenen und unser Christenleben in der letzten Zeit.

Welche Gliederung hat der Brief?

I. 1-3: Stärkung der Angefochtenen und Ermahnung zur Beständigkeit

  1,1-10: Das Vorbild Pauli und der Glauben der Thessalonicher

  2,1-12: Pauli Wirken in Thessalonich – ein Vorbild für die Gemeinde

  3,1-13: Die Glaubenskraft der Thessalonicher

II. 4,1-12: Warnung vor Verstrickung in das Welt- und Sündenwesen

III. 4,13-5,28: Belehrung über Christi Wiederkunft und unser christliches Leben

  4,13-18: Die Auferstehung der Toten

 

  5,1-11: Erwartung der Wiederkunft Christi

  5,12-28: Brüderliches Gemeindeleben; Grüße, Segen

 

14. Der zweite Brief an die Thessalonicher

 

Was war der Anlass für den zweiten Brief? Der zweite Brief an die Thessalonicher, der wohl bald nach dem ersten erfolgt ist, noch von Korinth aus geschrieben, wahrscheinlich im Jahr 53, 2 Thess. 1,1; 1 thess. 1,1; Apg. 18,1.5.11, hatte Nachrichten aus der Gemeinde zum Grund, die zeigten, dass trotz der Ermahnungen im ersten Brief schwarmgeistige Vorstellungen sich ausbreiteten, manche in Naherwartung der Ankunft Christi nicht mehr ihrem Beruf nachgingen.

Wie ist dieser Brief gegliedert?

1,1.2: Begrüßung

1,3-12: Ermunterung der bedrängten Gemeinde durch Hinweis auf die Vergeltung im Jüngsten Gericht

2,1-17: Christi Wiederkunft und das Auftreten des Antichristen

3,1-15: Warnung vor unordentlichem Wandel und Müßiggang

3,16-18: Gruß

 

 

Die Pastoralbriefe

 

Welche Briefe werden mit der Bezeichnung „Pastoralbriefe“ gemeint? „Pastoralbriefe“ meint die beiden Briefe an Timotheus und den Brief an Titus.

Welchen Zweck haben diese Pastoralbriefe? Die Pastoralbriefe stammen aus der Spätzeit des Lebens des Paulus, aufgrund der Ortsangaben darinnen wohl, Titusbrief und erster Timotheusbrief, aus der Schaffenszeit nach der ersten Gefangenschaft, um 64/65, der zweite Timotheusbrief wohl aus der zweiten Gefangenschaft um 66/67. Paulus hatte größere Gemeinden seinen Mitarbeitern zur geistlichen Versorgung anbefohlen und gibt ihnen nun in diesen Briefen Anweisungen, wie sie ihr Amt ausrichten sollen, die reine Lehre verkündigen, die Irrlerher bekämpfen, die Ämter in der Gemeinde besetzen und gute Zucht und Sitte in den Gemeinden fördern sollen und selbst dem Evangelium würdig wandeln.

Welche Irrlehren waren damals besonders zu bekämpfen? Die Irrlehrer, die damals auftraten, kamen wohl aus dem Judentum, aber auch heidnische Philosophie und Theosophie, die Gnosis, war in ihren Lehren vorhanden (siehe die Briefe an die Epheser und Kolosser und den ersten Johannesbrief) und bedrohten die Gemeinden, 1 Tim. 1,3-7.19.20; 2 Tim. 2,16-18; Tit. 1,10-16; 3,9-11. Sie rühmten sich hoher Geheimnisse, etwa im Blick auf die überirdische Welt, 1 Tim. 1,4; 4,7; 6,16; 2 Tim. 4,4; Tit. 3,9; waren stolz auf ihre angebliche höhere Erkenntnis und ihre Dialektik, 1 Tim. 6,3-5.20; 2 Tim. 2,14.16.23; Tit. 1,10.16; 3.9; hielten sehr auf äußere Satzungen, besonders Speisegesetze, 1 Tim. 1,7; 4,3-5; Tit. 1,14.15; verwarfen auch den Ehestand, 1 Tim. 4,3 und leugneten eine zukünftige Auferstehung, 2 Tim. 2,18. Dabei waren sie zugleich streitsüchtig und geldgierig, 1 Tim. 6,3-10; 2 Tim. 3,2; Tit. 1,10.11; 3.9 und in sittlicher Hinsicht Libertinisten, also zügellos, 2 Tim. 3,1-6.13; 4,3; 2,26; 1 Tim. 6,9.10.

Wie lässt sich die Abfassungszeit näher begründen? Die in den Pastoralbriefen angeführten Orte und erwähnten Reisen lassen sich in die drei Missionsreisen des Paulus nicht einordnen. In Kreta, wo Titus wirkte, war Paulus außer auf seiner Reise in die römische Gefangenschaft nicht, und konnte bei dem kurzen Aufenthalt dort, Apg. 27,7-13, nicht missionarisch wirken und Gemeiden gründen, deren Existenz aber Titus 1,5 voraussetzt, ebenso war Titus damals nicht bei ihm, Apg. 27,2. Auch in Nikopolis ist Paulus in der Zeit vor der ersten Gefangenschaft nicht gewesen.

    Die in 1. Timotheusbrief 3,4 erwähnte Anwesenheit des Paulus in Ephesus kann weder die Durchreise von Apostelgeschichte 18,19-22 gewesen sein, denn damals reiste Paulus nicht nach Mazedonien, sondern nach Jerusalem; auch nicht die zweite, dreijährige, denn von ihr aus reiste er zwar nach Mazedonien, wollte aber nicht nach Epehesus zurückkehren, sondern nach Korinth und Jerusalem reisen und hatte Timotheus schon vorausgesandt, Apostelgeschichte 19,21.22; 20,1-5; 2. Korintherbrief 1,1.

    Was den zweiten Timotheusbrief angeht, so war Trophimus bei der letzten Jerusalemreise des Paulus nicht krank zurückgeblieben, sondern mit ihm nach Jerusalem gereist, Apostelgeschichte 21,29, und Timotheus war ebenfalls bei ihm, weshalb er ihm die Reise nicht schildern musste, Apostelgeschichte 20,4.5. Außerdem zeigen die in den Schlusskapiteln erwähnten Gefangenschaftsverhältnisse, dass es sich hier um eine andere als die erste Gefangenschaft handeln muss, die dann zu dem Tode des Paulus führte, 2. Timotheusbrief 1,8.12.16.17; 2,9; 4,6-18.

 

15. Der erste Brief an Timotheus

 

Wer war Timotheus? Timotheus war der vertrauteste Gehilfe des Paulus, der auch in sechs anderen Briefen erwähnt wird, 2. Korintherbrief; Philipperbrief; Kolosserbrief, erster und zweiter Thessalonicherbrief, Philemonbrief), teilweise auch Mitabsender von Paulusbriefen ist, Philipperbrief 2,20; 1. Korintherbrief 4,17; 1. Timotheusbrief 1,2; 2. Timotheusbrief 2,2. Er stammte aus Lystra, war Sohn eines Heiden und einer Jüdin, Eunike, und wohl schon auf der ersten Missionsreise des Paulus zum Glauben an Jesus Christus gekommen, Apostelgeschichte 14,6.7; 16,1.2; 2. Timotheusbrief 1,5. Auf der zweiten Missionsreise nimmt Paulus ihn dann neben Silas als Begleiter mit und beschnitt ihn, Apostelgeschichte 16,3; auch auf der dritten Missionsreise war er sein Begleiter, ging auch mit ihm zurück nach Jerusalem und begleitete ihn in die Gefangenschaft nach Rom, Apostelgeschichte 20,4; Kolosserbrief 1,1; Philemonbrief 1; Philipperbrief 1,1 und reiste von Rom aus als Bote des Paulus nach Philippi, Philipperbrief 2,19.20. Später, nach seiner ersten Gefangenschaft, hat Paulus ihn als seinen Bevollmächtigen in Ephesus gelassen, ihn aber in der zweiten Gefangenschaft wieder zu sich gerufen, 2. Timotheusbrief 1,4; 4,9.11.13.21. Nach Eusebius soll er der erste Bischof der Gemeinde zu Ephesus gewesen sein.

Wie ist der Brief aufgebaut?

I. Kapitel 1-4: Timotheus als Seelsorger für die Gemeinde als Ganzes

  1,1-11: Eingangsgruß; Warnung vor den judaistischen Irrlehrern und ihrer Gesetzlichkeit

  1,12-17: Preis der Gnade Gottes an Paulus

  1,18-20: Timotheus soll Paulus in der rechten Lehre nachfolgen

  2,1-15: Gottesdienstliche Anweisungen für das Gebet und die Lehre

  3,1-7: Über die Bischöfe oder Pastoren, Ältesten der Gemeinde

  3,8-13: Über die Diakone der Gemeinde

  3,4-16: Die Gemeinde – das Haus Gottes

  4,1-5: Gegen die Irrlehrer

  4,6-11: Timotheus – ein Führer in der rechten Lehre

  4,12-16: Timotheus – ein Vorbild im Wandel

II. Kapitel 5-6: Timotheus in der Einzelseelsorge für bestimmte Stände und Menschen in der Gemeinde

  5,1-16: Verhalten gegenüber alten und jungen Witwen in der Gemeinde

  5,17-25: Verhalten gegenüber den Ältesten der Gemeinde

  6,1-5: Pflichten der Sklaven

  6,6-10: Gefahren des Reichtums

  6,11-16: Der gute Kampf des Glaubens in der Welt

  6,17-19: Der rechte Gebrauch des Reichtums

  6,20.21: Schlussermahnung, Gruß und Segenswunsch

 

16. Der zweite Brief an Timotheus

 

Wodurch wurde dieser Brief veranlasst? Paulus befindet sich wieder in Gefangenschaft und muss mit seiner baldigen Hinrichtung rechnen, 4,6-8. Dieser Brief stellt sozusagen ein Vermächtnis und Testament des Apostels an seinen Mitstreiter dar, mit dem er ihm noch einmal Wegweisung gibt für seinen Dienst.

Wie ist dieser Brief aufgebaut?

I. Kapitel 1-2: Ermahnung zur Standhaftigkeit

  1,1-11: Eingangsgruß; Festhalten am Evangelium und am Apostel

  1,12-18: Vorbild des Paulus in der Treue zum Evangelium

  2,1-7: Treue im Predigtamt auch unter Leiden und Anfeindungen

  2,8-13: Lohn der treuen Diener Christi

  2,14-26: Das Wort der Wahrheit recht teilen (Gesetz und Evangelium) und das leere Geschwätz meiden

 

II. Ermahnung, auch in den künftigen gräulichen Zeiten treu am Wort zu halten

  3,1-9: Die kommenden Verirrungen

  3,10-17: Treu bleiben am von Gott eingegebenen Wort und der apostolischen Lehre

  4,1-8: Das Martyrium des Paulus steht bevor und soll uns zur Treue reizen

  4,9-22: Persönliche Mitteilungen über seine Umgebung, die erste Verantwortung vor Gericht; Grüße und Segenswünsche

 

17. Der Brief an Titus

 

Wer war Titus? Titus war ein geborener Heide, der aber, im Gegensatz zu Timotheus, von Paulus nicht beschnitten wurde, um damit den pharisäischen Christen gegenüber die christliche Freiheit zu bekennen, Galaterbrief 2,3. Er begleitete den Apostel auf seiner dritten Missionsreise und war wohl zweimal dessen Boten nach Korinth und wird als eifriger Mitarbeiter gerühmt, 2. Korintherbrief 12,18; 2,12.13; 7,5-7.13-15; 8.6.16-24; Titus 1,4. Nach dem Jahr 63 hat Paulus ihn in Kreta gelassen, damit er dort sein Werk fortsetze, Titusbrief 1,5, später aber, auf der zweiten Romreise, wieder zu ihm stoße, Titusbrief 3,12. Von Rom aus ist Titus nach Dalmatien gezogen, 2. Timotheusbrief 4,10; die Bibel berichtet sonst nichts weiter von ihm. Eusebius überliefert, dass er später Bischof von Kreta gewesen sei.

Wie lässt sich der Brief gliedern?

Kapitel 1: Einsetzen von Ältesten in den Gemeinden und ihre Voraussetzungen, Kampf gegen die Irrlehrer

Kapitel 2: Seelsorgerlicher Umgang mit den einzelnen Ständen in der Gemeinde auf der Grundlage, dass die heilsame Gnade Gottes allen Menschen erschienen ist und zu einem gottseligen Leben erzieht

Kapitel 3: Verhalten gegen die Obrigkeit, die gottlose Welt und Irrlehrer auf der Grundlage des Heilshandeln Gottes an uns

 

18. Der Brief an Philemon

 

Wer hat diesen Brief abgefasst? Er ist eindeutig, 1,1, von Paulus geschrieben worden, dessen Stellung zur Sklavenfrage auch hier deutlich wird, Epheserbrief 6,5-9; Kolosserbrief 3,22-4,1; 1. Timotheusbrief 6,1.2; Titusbrief 2,9.10; 1. Korintherbrief 7,20.21. Er gehört zu den Gefangenschaftsbriefen und wurde wohl zusammen mit dem Kolosserbrief durch Tychikus, begleitet von Onesimus, überbracht, Kolosserbrief 4,7-9.

Wer war Philemon? Philemon war ein wohlhabender Christ und Glied der Gemeinde zu Kolossä, 1.2.5-7.19; Kolosserbrief 4,9.17.

Wodurch wurde der Brief veranlasst? Ein Sklave des Philemon, Onesimus, war entlaufen, 15.18, und dann mit dem gefangenen Paulus zusammengetroffen und wurde durch dessen Verkündigung bekehrt, 1.9.10.23.16. Paulus sandte ihn nun wieder pflichtgemäß an seinen Herrn zurück und bittet Philemon, Onesium zu verzeihen und ihn als einen nunmehrigen Glaubensbruder und wertvollen Schützling des Apostels wieder aufnehmen, 8-21.

 

 

Die allgemeinen oder katholischen Briefe

 

Was wird unter den allgemeinen oder katholischen Briefen verstanden? Unter dieser Bezeichnung – die nichts mit der römisch-katholischen Kirche zu tun hat – wird eine Sammlung von nichtpaulinischen Briefen verstanden, die zumeist (außer dem 2. und 3. Johannesbrief) nicht an Einzelpersonen oder Einzelgemeinden gerichtet sind, sondern für die gesamte Kirche von vornherein bestimmt waren (katholikai), weshalb schon Origenes und Dionysius von Alexandrien für den ersten Petrus- und den ersten Johannesbrief diese Bezeichnung einführten. Ihre Anordnung in der Reihenfolge der neutestamentlichen Schriften ist sehr unterschiedlich. Zu dieser Sammlung werden jetzt gezählt: die beiden Petrusbriefe, die drei Johannesbriefe, der Jakobus- und der Judasbrief.

Welche Stellung hatten diese Briefe in der alten Kirche? Nur zwei dieser sieben Briefe haben von Anfang an allgemeine Anerkennung gefunden, nämlich der erste Petrus- und der erste Johannesbrief. Die anderen Briefe waren in einigen Gegenden der frühen Kirche umstritten, das heißt, es war nicht eindeutig klar, ob sie von Aposteln oder Apostelschülern stammten. Sie werden deshalb, zusammen mit dem Hebräerbrief und der Offenbarung Jesu Christi an St. Johannes, die bei einigen Gemeinden auch zeitweilig strittig waren, als „Antilegomena“ bezeichnet, im Gegensatz zu den immer unumstrittenen Schriften, den „Homologumena“.

 

19. Der erste Brief des Petrus

 

Wer war der Schreiber des ersten und zweiten Petrusbriefes? Der Schreiber dieser Briefe ist der aus den Evangelien bekannte Apostel Petrus, auch unter dem aramäischen Namen Kephas (Johannesevangelium 1,42), was soviel wie Felsenmann heißt, also derjenige, der auf dem Fels, Jesus Christus, gegründet ist, Matthäusevangelium 16,18; siehe auch 1. Korintherbrief 3,11, bekannt. Sein ursprünglicher Name war Simon und er war der Sohn des Juden Johannes oder Jonas, Johannesevangelium 1,42; 21,15-18; Matthäusevangelium 16,17. Er stammte aus Bethsaida am See Genezareth, Johannesevangelium 1,44, war verheiratet und wohnte in Kapernaum, Markusevangelium 1,21.29.30, wo er als Fischer tätig war, Matthäusevangelium 4,18; Markusevangelium 1,16.21.29-31; Lukasevangelium 5,3. Schon frühzeitig ist er durch seinen Bruder Andreas, einem ursprünglichen Johannesjünger, mit Jesus Christus bekannt gemacht worden, Johannesevangelium 1,40-42, und wurde später vom Heiland in die ständige Nachfolge und zum „Menschenfischer“ berufen, Matthäusevangelium 4,18-20; Markusevangelium 1,16-18; Lukasevangelium 5,1-11. Einerseits erscheint er immer wieder als ein beharrlicher, hingegebener, eifriger Jünger des Herrn, zugleich aber auch als impulsiv, auch von sich selbst überzeugt, ist rasch mit dem Wort und der Tat. Neben Jakobus und Johannes gehört er zu den Säulen des Jüngerkreises. Sein in manchem noch ungebrochenes Wesen muss aber noch zu tiefem Zerbruch geführt werden, was durch seinen tiefen Fall, die dreimalige Verleugnung Jesu im Hof des Ratsgebäudes in Jerusalem, geschieht. Dieser Fall aber dient ihm zugleich zu rechtschaffener Buße und erneutem Ergreifen der Gnade und Vergebung Jesu, bestätigt durch die gnädige Erscheinung des Auferstandenen, Markusevangelium 16,7; Lukasevangelium 24,34; 1. Korintherbrief 15,5 und erneuter Berufung und Einsetzung in sein Amt, Johannesevangelium 21,15-17.

    In der frühen Jüngergemeinde erscheint er als der Sprecher, der sowohl die Wahl des Apostels Matthias leitet, Apostelgeschichte 1, als auch die Hauptpredigt an Pfingsten hält, Apostelgeschichte 2, und das Werkzeug des Heiligen Geistes beim Übergang zur Heidenmission ist, Apostelgeschichte 10;11. Er ist aber nicht der eigentliche Leiter dieser Gemeinde, was zumindest später Jakobus ist, noch weniger der Jünger oder der christlichen Gemeinden überhaupt, die gar kein Haupt außer Jesus Christus kannten, wie auch Paulus sich ausdrücklich als Petrus gleichgestellt bezeichnet, 2. Korintherbrief 11,5, und Christus jeglichen göttlich vorgegebenen Rangunterschied oder Hierarchie aufgehoben, Matthäusevangelium 23,8. Deshalb konnte er auch ohne weiteres von Paulus kritisiert werden wegen seines Fehlverhaltens in Antiochien, Galaterbrief 2, und wurde von diesem auch nicht erst um Erlaubnis wegen der Heidenmissionsarbeit gefragt. Von der weiteren Wirksamkeit des Petrus ist außer dem, was die Apostelgeschichte uns berichtet, wenig bekannt. Die Behauptung der römisch-katholischen Kirche, dass die Gemeinde zu Rom von ihm gegründet wurde und er dort 25 Jahre lang Bischof war, entbehrt jeglicher Grundlage, denn Paulus erwähnt Petrus überhaupt nicht in seinem Brief an die Römer, was er andernfalls aber gewiss gemacht hätte; er führt ihn auch nicht in der Grußliste an. Vor allem aber hätte sich Paulus dieser Gemeinde nach seinen eigenen dort aufgeführten Missionsprinzipien gar nicht näher angenommen, wenn sie eine Gründung des Petrus oder dessen Wirkungsstätte gewesen wäre. Historisch ist nur wahrscheinlich, dass Petrus am Ende seines Lebens in Rom gewesen ist und dort, zu gleicher Zeit wie Paulus, unter Nero als Märtyrer starb, etwa um 66/67 nach Christi Geburt.

An wen ist dieser Brief gerichtet? Petrus schreibt an die „auserwählten Fremdlinge in der Zerstreuung“, und zwar in Pontus und Galatien sowie Kappadozien, Asien und Bithynien, also in Kleinasien, wo zuvor Paulus gewirkt hatte. Es ist nach 1,14.18; 2,9.10; 4,3.4 sehr wahrscheinlich, dass es sich vor allem um heidenchristliche Gemeinden handelte. Die Anrede ist ekklesiologisch (Lehre von der Kirche) bedeutsam, denn sie beschreibt die an Jesus Christus Gläubigen als Auserwählte, nämlich von dem dreieinigen Gott vor Erschaffung der Welt zum Glauben an Jesus Christus durch das Wirken des Heiligen Geistes Auserwählte, Herausgerufene, und war damit als solche, die Fremdlinge sind, die durch diesen heiligen Ruf herausgenommen sind aus ihrer Umgebung, dort jetzt, auch wenn sie noch bei ihrer Sippe wohnen mögen, fremd sind, anders leben, eben als Jünger Jesu, und eine Minderheit sind, die in der Zerstreuung (Diaspora) wohnt.

Was war die Veranlassung für diesen Brief? Der Brief ist ein Trost- und Mahnbrief, 5,12, an die Gemeinden und Christen in Kleinasien. Mehr und mehr waren die christlichen Gemeinden ins Fadenkreuz der römischen Obrigkeit und auch der öffentlichen lokalen und regionalen Meinung geraten: Verfolgungen kündigten sich an, dazu Verleumdungen, Schmähungen, Gehässigkeiten, Nachstellungen durch die Bevölkerung, 1,6; 2,12.15.19-23; 3,9.14-16; 4,4.12-19; 5,9. Hier gilt es nun, sich als Gottes Volk zu bewähren, wozu der Apostel sie ermutigt, 1,13-17; 2,9.10, auch, durch einen frommen Wandel alle Verleumdungen zu widerlegen, 2,11-13; 3,16.17; 4,1-4, und Gott in ihrem Leiden zu verherrlichen, 3,14.15; 4,14, dabei das Beispiel Jesu Christi im Auge zu behalten, 2,21-23; 3,18; 4,1 und auf das ewige Erbe zu blicken, 1,4-9; 5,10.11.

Was ist also das Thema dieses Briefes? Das Thema kann daher umschrieben werden als: Die Christenhoffnung des Volkes Gottes bewährt sich in den Anfechtungen und Verfolgungen, 1.3.13.21; 3,5.15.

Wann und wo wurde der Brief geschrieben? Wahrscheinlich wurde dieser Brief Mitte der 60er Jahre geschrieben. Als Ort wird hier „Babylon“, 5,13, angegeben, aber es ist unwahrscheinlich, dass dies als geographische Bemerkung gemeint ist, denn Babylon war damals ein Trümmerhaufen, von einer Ausbreitung des christlichen Glaubens in diese Gegend zu dieser Zeit sonst keine Rede. Die Wahrscheinlichkeit liegt nahe, dass damit Rom bezeichnet wurde, siehe auch Offenb. 14,8; 16,19; 17,5; 18,10.21, das unter Nero allerdings in vielfacher Hinsicht ein Babel geworden war. Das erklärt auch die Anwesenheit von Markus und Silvanus, 5,12.13.

Wie lässt sich dieser Brief gliedern?

I. 1,1.2: Eingangsgruß

   1,3-12: Lobpreis Gottes, der uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch Christus

II. 1,13-2,10(-3,12): Als das neue Bundesvolk des heiligen Gottes sollen wir auch heilig leben

     2,11-17: Dies soll sich zeigen im Gehorsam gegenüber jeglicher Obrigkeit

     2,18-25: In unserem Stand als Sklaven oder Knechte

     3,1-7: In unserem Stand als Ehefrauen und Ehemänner

     3,8-12: Als Christen überhaupt in den Christentugenden

III. 3,13-4,6: Die Leiden mit Geduld und Sanftmut in Erinnerung an Christi Leiden und Erhöhung ertragen

      4,7-11: Brüderliche Liebe untereinander üben

 

 

      4,12-19: Die auferlegten Leiden standhaft tragen

IV. 5,1-5: Die Pflichten in der Gemeinde treu erfüllen

      5,6-11: Dem Teufel gegenüber in der Stärke Gottes wachsam sein

      5,12-14: Mitteilungen, Grüße, Friedenswunsch

 

20. Der zweite Brief des Petrus

 

Wer hat diesen Brief geschrieben? Dieser Brief hat in der alten Kirche nicht immer das ungeteilte Zeugnis gehabt, ein Brief des Petrus zu sein, aber Clemens von Alexandrien und Origenes bezeichnen ihn als petrinisch, Eusebius registriert ihn als den meisten Christen bekannt, wenn er ihn auch zu den von einigen angezweifelten rechnet. Ohne Bedenken führen ihn an Athanasius, Cyrill von Jerusalem, Gregor von Nazianz, Hilarius, Ambrosius und Augustinus. Für die Echtheit spricht neben dem Selbstzeugnis die reine apostolische Lehre, der klare Inhalt, der Ernst der Ermahnungen, die Tiefe der Gedanken und die prophetische Einsicht in die künftigen Dinge. Er trägt auch im Allgemeinen denselben Charakter wie der erste Petrusbrief und enthält nichts, was Petrus nicht geschrieben haben könnte, führt ihn vielmehr als Schreiber an, 1,1, sowie als Augenzeugen der Verklärung Christi, 1,16-18, und als einen solchen, der schon einen Brief geschrieben hat, 3,1.2. Dass die Bezeugung in der frühen Kirche zunächst lückenhaft war, mag herrühren davon, dass er nicht an eine bestimmte Gemeinde gerichtet war und wohl kurz vor dem Tode des Apostels und in Verfolgungszeiten geschrieben wurde.

An wen wurde dieser Brief geschrieben? Auch dieser Brief ist, wie der erste Petrusbrief, an die kleinasiatischen Gemeinden gerichtet, 3,1; 1,1.

Was unterscheidet diesen Brief vom ersten? Der Apostel Petrus hat inzwischen von Irrlehrern erfahren, die unter den kleinasiatischen Gemeinden ihr Unwesen treiben, nämlich antinomistische Gnosis verbreiten, die christliche Wahrheit lästern, Knechte des Lasters sind, Kapitel 2, die Heilstatsachen für Fabeln halten, 1,16; 3,16; die Wiederkunft Christi zum Gericht leugnen, Kapitel 3, und sich in Zukunft noch schlimmer zeigen werden, 3,3. Darum will der Apostel die Gemeinden vor ihnen warnen und sie ermahnen, ihre Berufung und Erwählung fest zu machen durch Wachstum in der Gnade und Erkenntnis Jesu Christi, 3,17.18; 1,10-13. So ist dieser Brief ein Zeugnis und Testament des Apostels für die letzte Zeit, 1,14.15.

Wie kann dieser Brief eingeteilt werden?

I. 1,1.2: Eingangsgruß

    1,3-11: Die göttlichen Gnaden und Verheißungen rufen uns zu einem heiligen Wandel auf

    1,12-21: Festhalten an dem klaren prophetischen Wort

II. 2,1-9: Feinde dieses Wortes sind unsittliche Irrlehrer

 

    2,10-22: Wer sich von ihnen verführen lässt, stürzt ins tiefste Verderben

III. 3,1-10: Christus kommt gewiss wieder zum Gericht

      3,11-16: Darauf sollen wir uns durch einen heiligen Wandel vorbereiten

      3,17.18: Warnung, Mahnung, Doxologie

 

21. Der erste Brief des Johannes

 

Wer hat diesen Brief geschrieben? Der Schreiber dieses Briefes wird zwar nirgends genannt, er bezeichnet sich jedoch als Augenzeuge Jesu Christi, 1,1-7; 4,14 und gibt sich in Gedanken, Ausdrucksweise und Inhalt deutlich als der Schreiber des vierten Evangeliums, als der Apostel Johannes, zu erkennen. Inhaltlich ist der Brief auch eng mit der auch von ihm geschriebenen Offenbarung verwandt (1,1/19,13; 3,16/1,5; 1,7/7,14; 5,11/12,11; 3,8/12,9; 5,6/14,13; 5,4/15,2; 2,13/12,11; 2,18/13,1; 3,2/22,4).

An wen ist die dieser Brief geschrieben? Ein bestimmter Empfänger wird nicht angegeben, aber es aus den Anreden hervor, dass die Leser dem Apostel gut bekannt sind. Da sich Johannes, nach dem Tode des Paulus und Petrus, um die von Paulus gegründeten kleinasiatischen Gemeinden gekümmert hat, so ist es sehr wahrscheinlich, dass der Brief auch an sie gerichtet wurde. Da der Brief durchweg das Evangelium nach Johannes wohl voraussetzt, dürfte der Brief zu den letzten Schriften des Neuen Testamentes gehören.

Was ist das Ziel dieses Briefes? In diesem Brief setzt sich Johannes vor allem mit den Irrlehrern auseinander, die aus den Gemeinden hervorgegangen sind, 2,19.26; 3,7, die Lügenpropheten, Antichristen sind, 4,1; 2,18;4,3, weil sie das Geheimnis des Sohnes Gottes leugnen, 2,22; 51,; 4,15; 5,5; 4,2 und die heilige Abscheu gegen die Sünde schwächen, 1,8-10; 3,4.8-10; 5,17 und die Bruderliebe verleugnen, 2,4.8-11; 3,10-18; 4,7-12. Damit dürfte es sich um gnostisch-doketische und libertinistisch-antinomistische Irrlehrer gehandelt haben, wie etwa Cerinth, die Nikolaiten und Bileamiten, die auch in der Offenbarung erwähnt werden.

Wie ist der Brief aufgebaut?

1,1-4: Prolog – die Augenzeugenschaft des Johannes

I. 1,5-2,2: Gemeinschaft mit Gott verpflichtet zu einem Wandel im Licht

   2,3-11: Dieser Wandel besteht einerseits imHalten der Gebote Gottes, besonders der Bruderliebe

   2,12-17: Andererseits besteht er in der Verleugnung der Welt

II. 2,18-23: Warnung vor den Irrlehrern

     2,24-29: Ermahnung zur Treue bei dem Empfangenen

     3,1-9: Die empfangene Gotteskindschaft verpflichtet, sich von der Sünde rein zu halten

     3,10-18: Die empfangene Gotteskindschaft beweist sich auch in tätiger Bruderliebe

     3,19-24: Dann bleiben wir auch im rechten Verhältnis zu Gott

III. 4,1-6: Mahnung, die Geister zu unterscheiden

       4,7-13: Ermahnung zur Bruderliebe als Erweis der Gotteskindschaft

       4,14-21: Diese Kindschaft gründet auf den Glauben an Christus, vertreibt die Furcht vor dem Gericht, treibt zur Liebe gegen die Brüder

       5,1-5: Diese Kindschaft treibt auch zur Überwindung der Welt

       5,6-12: Gottes Zeugnis ist zuverlässig und gewiss

5,13-21: Schluss: Zuversicht zu Gott, Freudigkeit des Gebets, Kampf gegen die Sünde, Erkenntnis des wahren Gottes in Christus, Warnung vor den Abgöttern

 

22. und 23. Der zweite und der dritte Johannesbrief

 

Von wem wurden diese beiden Briefe geschrieben? Die beiden Briefe haben im Gegensatz zu dem ersten Brief nicht so schnelle und umfassende Anerkennung in der frühen Kirche gefunden. Das hängt sicher damit zusammen, dass es sich bei ihnen um Privatbriefe handelte, die darum nur allmählich weitere Verbreitung fanden. Gedanken und Sprache stehen aber in enger Verwandtschaft mit dem ersten Brief und dem Evangelium nach Johannes. Auch die Stoßrichtung, nämlich gegen die Gnosis und Befestigung in der Wahrheit (3. Johannesbrief) und in der Liebe (2. Johannesbrief), ist die gleiche. Dass beide Briefe vom gleichen Schreiber stammen, ergibt sich auch aus der jeweils gleichen Selbstbezeichnung des Schreibers (presbyteros) und der fast wörtlichen Übereinstimmung am Anfang und Schluss. Die Selbstbezeichnung kann nicht den Schluss zulassen, dass es sich hier um jemanden handelt, der vom Apostel Johannes verschieden wäre, denn eine andere Person hätte, zur näheren Identifizierung, sich mit Namen nennen müssen. Ohne Namensnennung aber konnte darunter nur Johannes verstanden werden als der letzte Zeuge der ersten Generation und der Apostel.

An wen sind die Briefe gerichtet? Der zweite Johannesbrief ist an eine christliche Frau und ihre Kinder gerichtet und soll im Wandel in der Wahrheit bestärken, ermahnt zum Wandel in der Bruderliebe und warnt vor den Irrlehrern, die das Geheimnis der Gottseligkeit leugnen, die man darum nicht aufnehmen und auch nicht mit dem Friedensgruß grüßen soll.

    Der dritte Johannesbrief ist an einen Gajus gerichtet, der sich durch seine Gastfreundschaft gegenüber den reisenden Evangelisten ausgezeichnet hatte, gerade auch im Gegensatz zu einem herrschsüchtigen Diotrephes.

 

24. Der Brief des Jakobus

 

Wer ist der Schreiber dieses Briefes? Gemäß dem Eingang dieses Briefes, 1,1, ist es „Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus“. Damit kann nicht Jakobus der Ältere, der Bruder des Johannes gemeint sind, der unter Herodes das Martyrium erlitt, Apostelgeschichte 12,2, sondern nur der Apostel Jakobus der Jüngere, der Sohn des Alphäus und der Maria, Matthäusevangelium 10,3; Markusevangelium 3,18; Lukasevangelium 6,15; Apostelgeschichte 1,13; Matthäusevangelium 27,56.61; Markusevangelium 15,40. Durch seine Mutter, die wohl eine Schwester der Mutter Jesu war, war er mit dem Heiland selbst verwandt. Ob er mit dem Jakobus, dem Bruder des Herrn, zu identifizieren ist, Matthäusevangelium 13,55; Markusevangelium 6,3; Galaterbrief 1,19, ist nicht auszuschließen, aber offen. Der Apostel Jakobus der Jüngere oder der Gerechte war nach dem Tode des Jakobus Zebedäus Haupt der Jerusalemer Gemeinde, trat auch auf dem Apostelkonzil Apostelgeschichte 15 bedeutsam hervor und hat zeitlebens unter den Juden gewirkt und in den 60er Jahren in Jerusalem den Märtyrertod erlitten.

Welche Stellung hat dieser Brief in der Kirche? Der Jakobusbrief ist in der frühen Kirche nicht unumstritten gewesen, da nicht für alle Gemeinden gewiss war, ob er apostolischen Ursprungs ist. Ende des ersten Jahrhunderts ist er zwar schon in Rom bekannt, später wird er aber für längere Zeit im Abendland gar nicht erwähnt. Im Osten hingegen wird er von Clemens von Alexandrien ausgelegt, Origines zitiert ihn, die Peschittha hat ihn als apstolisches Werk. Auch Luther hat die Anfragen der alten Kirche zunächst übernommen, was insbesondere in seiner Vorrede aus dem Jahr 1522 deutlich wird, die aber in den späteren Ausgaben (ab 1527) so nicht wiederholt wird. Allerdings hatte Luther eher dogmatische Anfragen, die aber etwa in der Apologie des Augsburgischen Bekenntnisses für die lutherische Kirche geklärt wurden, nämlich dass zwischen Paulus und Jakobus kein Gegensatz besteht, da Paulus, etwa im Römerbrief, einen grundsätzlichen Lehrbrief schrieb, in dem er die Rechtfertigungslehre als solche darlegte; Jakobus dagegen schrieb seinen Brief an Christen, die er zu einem ihrem Glauben gemäßen Wandel aufforderte. Wird dies beachtet, so fallen die Probleme dahin. Die Zweifel der frühen Kirche dürften ihren Ursprung wohl zumindest zum Teil gehabt haben in der Tatsache, dass der Brief an Christen aus der Judenschaft gerichtet war und daher in anderen Gemeinden zunächst weniger Verbreitung fand.

An wen ist dieser Brief gerichtet? Der Brief ist gerichtet „an die zwölf Stämme in der Zerstreuung“, 1,1, womit wohl vor allem, wenn auch nicht ausschließlich, Christen aus der Judenschaft außerhalb Israels gemeint waren, ohne dass eine bestimmte Gemeinde angesprochen wurde. Wahrscheinlich wurde er kurz vor dem Tode des Jakobus geschrieben.

Worum geht es Jakobus in seinem Brief? Die Christen, an die er schreibt, befanden sich in schweren Anfechtungen und Trübsalen durch Verfolgungen, 1,2-4.12.13; 5,10.11; Bedrückung durch Reiche und Angesehene, 1,19-11; 2,1-6; 5,1-6. Außerdem gab es wohl manche Unzufriedene und Ungeduldige in den Gemeinden, 1,12.13; 5,7-11; manche ließen es an der Gebetsfreudigkeit fehlen, 1,6-; 4,3; willigten in weltliches Wesen, 4,1-7; 3,14-18; versündigten sich durch Streitigkeiten und Zungensünden, 1,19; 3,3-10; 4,11; 5,12; rühmten sich zwar des Glaubens, hatten aber nicht die Werke des Glaubens, 2,14-26; 1,22-27. All diese Mängel spricht Jakobus an. Dabei gibt es viele Anklänge an Jesu Bergpredigt (1,2/Matth. 5,12; 1,4/5,48; 1,5.17/7,7.11; 1,22/7,24-27; 4,12/7,1; 5,1-3/6,19-21; 5,10/5,12; 5,12/5,34-37). Als Thema könnte man zusammenfassend formulieren: Der Christ, wie er sein soll, als vollkommener Mann.

Wie lässt sich dieser Brief einteilen?

1,1: Eingang

1,2-18: Mahnung zur Standhaftigkeit in Anfechtungen

1,19-27: Mahnung, Täter des Wortes zu sein

2,1-13: Warnung vor Verachtung der Amen durch die Reichen

2,14-26: Warnung vor totem, werklosem Glauben

3,1-12: Warnung vor Zungensünden

3,13-4,12: Mahnung zur Friedfertigkeit

4,13-5,6: Mahnung, besonders an die Reichen, zu Demut und Barmherzigkeit

5,7-20: Mahnung zur Geduld und Erweisung echter brüderlicher Liebe

 

25. Der Brief des Judas

 

Wer hat diesen Brief geschrieben? Im Anfang des Briefes nennt er sich als „Judas, Knecht Jesu Christi, aber Bruder des Jakobus“, V. 1. Dieser Jakobus kann nicht der Bruder des Johannes, Jakobus Zebedäus sein, sondeern muss der Jakobus Alphäus, also der Apostel Jakobus der Jüngere sein, der Vorsteher der Gemeinde in Jerusalem, womit auch Judas ein Bruder (Vetter) des Herrn Jesus wäre, Matthäusevangelium 13,55; Markusevangelium 6,13 und somit wohl identisch mit dem Apostel Judas Lebbäus oder Thaddäus, Matthäusevangelium 10,3; Markusevangelium 3,18, der Lukasevangelium 6,16; Apostelgeschichte 1,13 Judas Jakobi heißt, also Bruder des Jakobus.

An wen ist dieser Brief gerichtet? Judas hat ihn geschrieben an „die in Gott dem Vater geliebten und für Jesus Christus bewahrten Berufenen“, V. 1, also an Christen, die sich von der Verführung nicht haben mitreißen lassen, die aber einer Stärkung bedürfen, V. 3.4. Dies könnte sehr gut auf die Christen in Kleinasien passen, an die auch Petrus geschrieben hat. Der Apostel warnt hier vor zuchtlose, verderblichen Verführern, libertinistisch-gnostischen Irrlehrern, die sich gegen Gott, Christus und die Engel auflehnen, V. 4.8, und gottlos leben, V. 4.7.8.10.13.18, denen er ihre Strafe aber schon ankündigt, gegründet auch auf das Alte Testament, V. 3-16. Er ermahnt die Leser, sich auf der Grundlage des Evangeliums auf ihren allerheiligstem Glauben zu erbauen, V. 17-23. Da unter den Strafgerichten Gottes die Zerstörung Jerusalems noch nicht erwähnt wird, dürfte der Brief zuvor, also um die Mitte der 60er Jahre geschrieben sein.

Wie lässt sich der Brief einteilen?

1.2: Eingangsgruß

3.4: Veranlassung des Schreibens

 

5-7: Erinnerung an drei alttestamentliche Strafgerichte

8-16: Schilderung der Verführer, die aber bei Christi Wiederkunft ihre Strafe erhalten werden

17-23: Aufruf, festzuhalten an der Lehre der Apostel, am Glauben und Gebet, an der Abscheu gegen die Sünde und dem Eifer, die Sünder zu retten

24.25: Doxologie

 

26. Der Brief an die Hebräer

 

Wer hat den Hebräerbrief geschrieben? Diese Frage gehört mit zu den schwierigsten der neutestamentlichen Einleitung und kann nicht einwandfrei geklärt werden. Im Altertum wurde der Brief häufig Paulus zugeschrieben, viele der modernen Theologen verwerfen dies, während auch heute noch eine Reihe mehr positiver Theologen diese Annahme unterstützen. Dass ein Briefanfang fehlt, das ist nicht das Entscheidende, das finden wir auch im 1. Johannesbrief. Dafür haben wir aber eine Liste persönlicher Beziehungen, 13,18-25, die gut auf Paulus passt. Auch vom Inhalt her spricht manches für Paulus, etwa die klare Lehre vom seligmachenden Glauben, vergleiche Hebräerbrief 10,38.39 mit Römerbrief 1,17; Galaterbrief 3,11; von der Vollgültigkeit des Verdienstes Christi und von dem Verhältnis der alttestamentlichen Kirche und ihrer Einrichtungen zu der Erfüllung im Neuen Testament. Allerdings bringt gerade dieser Bereich auch Gedanken, etwa über das Hohepriestertum Christi, die sonst in den paulinischen Briefen nicht auftauchen; allerdings sind diese Gedanken gerade im Blick auf den Adressaten im Gegensatz zu den anderen Briefen bedeutsam. Der Unterschied des Sprachstils besagt nichts, da zwischen den frühen paulinischen Briefen und den Pastoralbriefen ebenfalls ein nicht geringer sprachlicher Unterschied besteht.

    Im Abendland ist der Brief schon gegen Ende des 1. Jahrhunderts bekannt (Clemens von Rom), wird aber nicht als ein paulinischer Brief gerechnet. Im Orient ist er noch weit mehr bekannt und wird, besonders in Alexandrien, als ein Brief des Paulus bezeichnet. Die Synoden von Karthago 397 und 419 haben ihn als einen Paulusbrief unter die kanonischen Schriften gerechnet.

An wen ist dieser Brief gerichtet? Der Inhalt macht sehr deutlich, dass dieser Brief an Christen aus der Judenschaft gerichtet ist, die in Israel gelebt haben müssen, da das Bestehen des Tempels und der jüdische Gottesdienst vorausgesetzt werden, siehe 13,9.10-14; 9,9.10; 5,1; 7,8; 8,4.5; 9,6-10; 13,11-13.

Was ist der Zweck dieses Briefes? Dieser Brief ist ja an Christen aus der Judenschaft gerichtet, die immer noch im Lebenskreis der Judenschaft lebten und daher ständig mit den auch ihnen vertrauten alten Bräuchen konfrontiert wurden, was auch Anfechtung, Versuchung mit sich brachte, besonders in Zeiten der Verfolgung, wie sie in den 60er Jahren aufbrachen und die Gefahr eines Rückfalls in das Judentum mit sich brachten, 2.1.2; 3,12.13; 4,11; 6,4-6; 10,23-31.36; 12.1.3.4-17; 13,13. Der Brief will die Leser bestärken im Glauben an Christus und daran, dass er wahrhaft die Erfüllung der Verheißungen des Alten Bundes ist.

Wie ist der Brief aufgebaut?

I. 1,1-10,18: Die Erhabenheit des Stifters des Neuen Bundes

    a. 1,1-4,13: Der Stifter des Neuen Bundes als Mittler der Offenbarung

        1,1-14: Die Offenbarung Gottes durch die Propheten und den über alle erhabenen Sohn

        2,1-4: Dem Worte des Sohnes gehorsam sein

        2,5-18: Die Niedrigkeit des Sohnes diente unserem Heil

        3,1-4,13: Jesus ist mehr als Mose und Josua, denn er ist der Sohn des Hauses und führt das Volk Gottes zur verheißenen Ruhe Gottes

    b. 4,14-10,18: Der Stifter des Neuen Bundes als Mittler der Versöhnung

        4,14-5,10: Christus ist mehr als die Hohenpriester des Alten Bundes

        5,11-6,20: Warnung vor Abfall

        7,1-28: Jesus Christus, der vollkommene Hohepriester, die Erfüllung des alttestamentlichen Hohenpriestertums

        8,1-13: Jesus Christus ist der Mittler eines besseren Bundes

        9,1-23: Jesus Christus hat nicht Tierblut geopfert, sondern sich selbst zu unserer Erlösung

        9,24-10,18: Christi einmaliges, abschließendes Opfer ist der Abschluss des alttestamentlichen Kultus, der ein Schattenwerk und Vorbild auf ihn war

II. 10,19-13,25: Bleibt in Treue bei diesem himmlischen Hohenpriester Jesus Christus, auch in allen Leiden

      10,19-39: Treu zu dem Hohenpriester Jesus Christus auch im Leiden im Blick auf seine Wiederkunft und Gericht

      11,1-40: Die alttestamentlichen Glaubenshelden ermuntern uns zur Standhaftigkeit im Glauben

      12,1-11: Ermunterung zur Standhaftigkeit im Aufsehen auf Jesu Kreuz und Leiden und Gottes Zucht an uns

      12,12-29: Als das Volk des Neuen Bundes, das reicher ist als das Volk des Alten Bundes alles Unlautere abtun

      13,1-6: Ermahnung zu Christentugenden

      13,7-17: Ermahnung zur Beständigkeit

      13,18-25: Persönliche Bemerkungen, Grüße, Segenswunsch

 

 

C) DAS PROPHETISCHE BUCH

 

27. Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes

 

Was ist das Besondere dieses Buches gegenüber den anderen neutestamentlichen Schriften? Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes oder Apokalypse stellt in Bildern und Gesichten dar, was sich in näherer und fernerer Zukunft ereignen sollte und soll, 1,1; 22,6, insbesondere das Kommen Christi zum Gericht über seine Feinde und zur Rettung der Seinen, 1,3.7; 2,5.16; 3,11.20; 22,7.12.20. Dieser Bilder und Gesichte hat Johannes selbst als Offenbarung durch Jesus Christus gesehen und legen den Kampf der Gemeinde Jesu in der neutestamentlichen Zeit dar bis zur Wiederkunft des Heilandes zum Jüngsten Gericht. Die Offenbarung ist daher ein göttliches Trostbuch für die Gemeinde des Herrn in den Trübsalen, die in dieser Welt über die Kirche kommen.

Was ist beim Betrachten dieses Buches zu beachten? Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes ist ein prophetisches Buch, das in Bildern und Gesichten geschrieben wurde. Darum muss man sich vor willkürlichen Deutungen und Berechnungen hüten und vielmehr zum einen an die Deutungen halten, die Johannes selbst gibt, 1,20; 5,8; 17,18; 19,8 oder sich aus den Parallelstellen etwa des Alten Testamentes ergeben. Zum rechten Verständnis der Gesamtschau ist es aber notwendig, nicht zuerst die Bilder und Gesichte dieses Buches zu bedenken, sondern sich an die hellen und gewissen Texte, die Sitz der Lehre von der letzten Zeit sind, zu halten, etwa Matthäusevangelium 24-25, sowie alttestamentliche Aussagen bei Daniel. Diese klaren Stellen geben die Grundlage und den Rahmen ab, auch klare Strukturierung für die Aussagen der Offenbarung.

    Wenn dies bedacht wird, so wird man auch feststellen, dass es sich bei der Offenbarung Jesu Christi an Johannes nicht um ein Buch handelt, das nach den Sendschreiben einen chronologischen Ablauf der Ereignisse bringt, beginnend mit dem vierten Kapitel und endend mit dem zweiundzwanzigsten. Vielmehr haben wir eine zyklische Darstellung dessen, was in der neutestamentlichen Zeit geschieht, das heißt, der gesamte Zeitrahmen wird unter verschiedenen Aspekten mehrfach betrachtet.

Wer ist der Empfänger und Schreiber dieser Offenbarung? Der Schreiber nennt seinen Namen selbst des Öfteren, 1,1.4.9; 22,8, nämlich Johannes. Wenn er auch nicht direkt erwähnt, dass er der Apostel ist, was er allerdings in keiner seiner Schriften macht, so ergibt sich das doch eindeutig aus dem, was er bezeugt: Er hat eine unmittelbare Offenbarung von Gott empfangen, die großen Umfang und hohe Bedeutung hat. Das weist nach Galaterbrief 1,12 eindeutig auf sein Apostolat hin. In 1,2 spricht er von dem Zeugnis, das er abgelegt hat für Jesus Christus, den er selbst gesehen hat, was anklingt an Johannesevangelium 1,14; 19,35 und den Anfang des ersten Johannesbriefes. Im neunten Vers spricht er von seiner Verbannung nach Patmos, was nach beständiger Überlieferung der frühen Kirche den Apostel Johannes betraf. Kapitel 22,9 wird Johannes auf eine Stufe mit den Propheten gestellt, was nur einem Apostel zukommt, siehe Epheserbrief 2,19 ff. Wenn von etlichen die Schreiberschaft einem „Presbyter Johannes“ zugeschrieben wird, so gibt es dafür keinerlei Grundlage, insbesondere, wenn man bedenkt, welch ein bedeutendes Buch das ist und – man fasse nur die ersten vier Kapitel ins Auge – welche Herausforderungen darin für die Gemeinden lagen und liegen. Für den Apostel Johannes spricht auch, dass in der Offenbarung Vertrautheit mit dem Alten Testament vorhanden ist, ebenso mit dem Tempel und der hebräischen Sprache, wie auch viele semitische Formen und Wendungen vorkommen.

    Die Offenbarung Jesu Christi an Johannes ist aber in der frühen Kirche dennoch nicht zu allen Zeiten unumstritten gewesen. In der frühesten Zeit ist sie allerdings allgemein anerkannt gewesen, in einer mittleren Zeit dann aber, wohl durch die chiliastischen Irrlehren, die sich immer wieder darauf berufen haben, in den Hintergrund getreten und mit Zweifeln belegt worden. Aber gerade aus Kleinasien, wo Johannes gewirkt hat, und aus Alexandrien, liegen frühe eindeutige Aussagen vor, die dieses Buch dem Apostel Johannes zuschreiben.

Wann ist dieses Buch entstanden? Genau lässt sich die Zeit nicht festlegen, da der genaue Zeitpunkt der Verbannung des Apostels Johannes nicht bekannt ist und auch aus den Aussagen der frühen Kirchenväter nicht eindeutig hervorgeht. Einige geben die Verfolgungszeit Neros an, andere diejenige unter Domitian, 96-98 nach Christi Geburt. Für diese Zeit spricht die Gemeindeorganisation 2,1.8 (Vorsteher), 1,3 (Vorleser), 1,10 (Sonntag) sowie die Richtungen, gegen die zu kämpfen war: libertinistisch-gnostische, 2,6.14.15.20.24; Erschlaffung und Abfall in den Gemeinden, 2,4; 3,1-4.15-18.

Wie ist die Offenbarung aufgebaut?

I. Kapitel 1,1-8: Prolog: Überschrift, Friedensgruß im Namen des zum Gericht kommenden Herrn Jesus Christus

II. Das erste Gesicht: Kapitel (1,9-)2 und 3: Die sieben Sendschreiben: Christus in seiner Herrlichkeit inmitten seiner Gemeinden (die sieben Leuchter)

III. Das zweite Gesicht

      a. Kapitel 4: Glanz und Herrlichkeit Gottes im Himmel

      b. 5,1-8,1: Das Buch der sieben Siegel – die gesamte neutestamentliche Zeit

          1) Kapitel 5: Das mit sieben Siegeln versiegelte Buch

          2) Kapitel 6: Die Kirche in den allgemeinen, alle Welt betreffenden, Plagen bis zum Endgericht (die ersten sechs Siegel)

          3) Kapitel 7: Die Vollzahl der Erwählten beim Herrn

          4) 8,1: Das siebente Siegel wird geöffnet – etwas Neues wird gezeigt

IV. Das dritte Gesicht, Kapitel 8-11: Zweiter Überblick über die neutestamentliche Heilszeit – Die geistlichen Nöte der Gemeinde Jesu Christi

       a. 8,2-13: Die ersten vier Posaunen – Die geistlichen Kämpfe der Kirche

       b. Kapitel 9: Die fünfte und sechste Posaune – Das erste Wehe: Das Ringen der Gemeinde Jesu Christi mit den antichristlichen Mächten, dem Papsttum (1-12) und dem Islam (13-21)

       c. Kapitel 10,1-11,2: Vorbereitung auf die siebente Posaune – Stärkung des Apostels; Bewahren der Gemeinde

       d. 11,3-14: Die Zeugen des Herrn in der antichristlichen Zeit – Das zweite Wehe

       e. 11,5-19: Die siebente Posaune: Der Triumph Jesu Christi am Jüngsten Tag

V. Das vierte Gesicht, 12,1-(14,20)15,4: Dritter Zyklus oder Überblick über die neutestamentliche Heilszeit – Wie der Antichrist gegen die Gemeinde Jesu Christi anrennt (Das dritte Wehe)

     a. 12,1-6: Das Weib und der Drache – die vom Antichristen bedrohte Kirche

     b. 12,7-12a: Der geistliche Kampf in der unsichtbaren Welt

     c. 12,12b-17: Satan verfolgt die Gemeinde Jesu Christi

     d. 13,1-10: Der Aufstieg des Antichristen

     e. 13,11-18: Der Prophet des Antichristen – die verführerische geistliche Macht, die dem Antichristen dient

     f. 14,1-5: Das wahre Lammm – Jesus Christus – inmitten seiner Gemeinde

     g. 14,6-13: Die drei Engel: Die Überwindung der antichristlichen Macht durch die Reformation – Der Sturz des Antichristen

     h. 14,14-20: Der Jüngste Tag

VI. Das fünfte und sechste Gesicht, 15,1-(4)-19,21(-20,15): Der vierte Zyklus über die neutestamentliche Heilszeit – Das Zorngericht Gottes gegen die Feinde der Kirche

      A) Das fünfte Gesicht, 15,1-16,21

           a. 15,1-4: Die Erlösten am kristallnen Meer: dies schließt den 3. Zyklus und führt hinüber zum 4. Zyklus mit den letzten sieben Plagen, den Schalen des Zornes Gottes

           b. 15,5-8: Vom Tempel des Herrn, von Gott selbst, gehen die sieben Plagen aus

           c. 16,1-11: Gottes Gericht – die ersten fünf Schalen des Zorns

           d. 16,12-21: Das Gericht über den Antichristen – die sechste und siebente Schale des Zorns

      B) Das sechste Gesicht I, 17,1-19,21: Das antichristliche Reich unter dem Bild einer großen Hure (Beschreibung dessen, was zeitlich in Kapitel 16 abgeschlossen ist)

           a. 17,1-6: Der Antichrist – die große Hure – auf dem Tier, der Weltmacht

           b. 17,7-14: Nähere Beschreibung des Tieres, der antichristlichen Weltmächte

           c. 17,15-18: Beginn des Gerichtes über den Antichristen

           d. Kapitel 18: Der Fall des Antichristen und seines Reiches

               1) 18,1-8: Der Triumph über den Antichristen

               2) 18,9-19: Trauer der Welt über den Fall des Antichristen

               3) 18,20-24: Das Gericht ist endgültig und vollständig

           e. 19,1-10: Jubel über den Fall Babylons

           f. 19,11-21: Nochmalige Darstellung des Gerichtes über den Antichristen und sein Reich

      C) Das sechste Gesicht II, Kapitel 20: Die fünfte Gesamtschau über die neutestamentliche Heilsgeschichte

           a. 20,1-10: Die neutestamentliche Heilszeit – Die „Tausend Jahre“ samt der kleinen Zeit des letzten Ansturms der antichristlichen Macht gegen die           Gemeinde Jesu Christi

           b. 20,11-15: Das Weltgericht (siehe auch Matthäusevangelium 25)

VII. Das siebente Gesicht, Kapitel 21 und 22: Das neue Jerusalem

        a. 20,1-8: Der neue Himmel und die neue Erde

        b. 20,9-14: Die Braut – die Gemeinde der Gläubigen

        c. 20,15-27: Die goldene Stadt

        d. 22,1-5: Das neue Jerusalem

        e. 22,6-14: Gottes Wort ist wahrhaftig

        f. 22,15-21: Der Schlussruf

 

 

 

 

 

Exkurs I über das sogenannte „Tausendjährige Reich“

 

1. Grundsätzliches

 

    Bei der Betrachtung dieses von so vielen so eigenartig ausgelegten Kapitels ist es wichtig, dass wir uns noch einmal einige Grundlagen zum Verständnis der Offenbarung Jesu Christi an St. Johannes ins Gedächtnis rufen: Die Offenbarung ist kein Buch, das in zeitlicher Abfolge die Ereignisse schildert, sondern es beschreibt vielmehr in Zyklen, die jeweils den gleichen Zeitraum, nämlich die gesamte Zeit des Neuen Testamentes, die Gnadenzeit, umfassen, dabei den Weg und das Ergehen der Kirche unter verschiedenen Aspekten.

 

 

2. Gesamtüberblick

 

    So ist es wichtig, daß wir bedenken, dass bereits in Kapitel 19 das letzte Wehe mit seinen Auswirkungen dargestellt wird und dieses Kapitel bis zum Jüngsten Tag geht. Somit kann Kapitel 20 gar nichts Neues, darauf Folgendes, bringen, sondern erfaßt wiederum den gesamten Ablauf der neutestamentlichen Geschichte bis zum Jüngsten Gericht, also die gesamte Zeit der neutestamentlichen christlichen Kirche (vgl. Carl Manthey-Zorn: Die Offenbarung St. Johannis. Zwickau i.S. 1910. S. 304; Wilhelm Peters: The Judge is at the door. Kingaroy 1989. S. 207).

    In diesem sechsten Gesicht wird nochmals die gesamte Geschichte der christlichen Kirche zusammengefaßt, nämlich wie die Kirche trotz aller Anfechtungen und Leiden dennoch hindurchgetragen wird (vgl. Peters ebd.)

    Dieses Kapitel läßt sich dabei so gliedern:

V. 1-3: Die tausendjährige Bindung Satans, d.i. die Geschichte der christlichen Kirche in der Zeit, da der Teufel die Heiden nicht verführen darf (vgl. Zorn, a.a.O. S. 306)

V. 4-6: Christi tausendjähriges Friedensreich: die Bewahrung der Kirche bis auf den Jüngsten Tag oder: die bis an den Tod treuen Bekenner leben und regieren mit Christus (vgl. Zorn, a.a.O. S. 208; Peters, a.a.O. S. 207)

V. 7-9: Am Ende der Zeit kommt es zu einem letzten Ansturm Satans und der Feinde der Kirche gegen die Kirche - aber das Ergebnis ist die Zerstörung der Erde (vgl. Zorn, a.a.O. S. 310)

V. 10-15: Das Jüngste Gericht

 

 

3. Die Darlegung der einzelnen Abschnitte

 

a) Der erste Abschnitt, V. 1-3:

    Es ist keineswegs so, wie die Chiliasten sagen, dass dies eine Zeit ohne Anfechtung durch den Teufel und den falschen Propheten sei, das wird nirgends gesagt. Betrachten wir dieses Bild näher: Ein Engel bindet Satan. Wer ist dieser 'Engel'? Diese Frage läßt sich beantworten aus Offenbarung 1,18: Wer kann es anders tun als der, der Macht hat über Hölle und Tod? Wer anders als der, der gesiegt hat über Tod, Teufel, Hölle, Eph. 4,8-10; Kol. 2,15; 1 Joh. 3,8; Hebr. 2,12-14. Dieser 'Engel' ist also niemand anders als unser Heiland und Herr Jesus Christus, der den Teufel besiegt und seine Werke zerstört hat.

    Dass es sich hier um bildliche Rede handelt, wird schon durch das Binden klar. Der Satan ist Geist. Kann ein Geist mit Stricken oder stählernen Ketten gebunden werden? Keineswegs! Damit ist auch angezeigt, wie wir dieses Kapitel recht verstehen müssen.

    Was besagt aber dann dieses Bild, was ist seine eigentliche, wahrhaft buchstäbliche Aussage? Doch dies, dass er eine bestimmte Zeit keine Macht hat, die Heiden in der Blindheit ihres Irrtums zu behalten, sie in die Irre zu führen (griech.: planaoo), wie dies vor Christi Erdenleben der Fall war. Und das ist ja schon Realität: Epheserebrief 4,8-10; Galaterbrief 6, denn Christus hat seine Werke zerstört und ihm seine Macht genommen, 1 Johannesbrief 3,8; Hebräerbrief 2,14, hat über ihn triumphiert, Kolosserbrief 2,15. Darum ist die Gnadenzeit wirklich Heilszeit, Heilszeit eben auch für die vielen Menschen, die ohne Christus in Finsternis sitzen. Und diese Zeit hat ja mit Christi Auferstehung und Himmelfahrt begonnen, wie wir dann an Hauptmann Cornelius sehen und dem Wirken des von Christus direkt berufenen Heidenapostels Paulus, s.a. Lukasevangelium 4,19; 2. Korintherbrief 6,2.

    Zu sagen, dass diese verhinderte Verführung auch eine Verhinderung der allgemeinen Verfolgung der Kirche sei, wobei auf V. 8 bezug genommen wird, kann so aus dem Text nicht genommen werden, widerspricht auch eindeutig den Aussagen der Apostelgeschichte (vgl. Zorn, a.a.O. S. 311).

    Richtig ist allerdings, dass in der kurzen Zeit ('Tausendjähriges Reich' und kurze Zeit sind zusammen die neutestamentliche Zeit, Matth. 24,21.22; gegen Peters, a.a.O. S. 211) zwar die Heidenmission nicht zu Ende ist, aber zunehmend behindert und schwieriger wird und die Verfolgung der Kirche sowie die Bedrohung der Kirche durch allgemeinen Irrtum und Abfall noch einmal sich in ungeahnter Weise steigert.

 

b) Der zweite Abschnitt: V. 4-9:

    Was ist nun dieses 'Tausendjährige Reich', von dem hier die Rede ist? Mit Johannesevangelium 18,36 müssen wir klar sagen: es ist kein irdisches, kein weltliches Reich. Es ist ein geistliches Reich, denn solcherart ist Christi Reich. Und wer sind die, die mit Christus regieren? Das sind nicht nur bestimmte Christen, etwa nur die Märtyrer, auch nicht solche, die vor dem Jüngsten Tag schon leiblich auferstanden seien (denn von solch einer vorzeitigen leiblichen Auferstehung ist hier gar keine Rede), sondern es sind alle Gläubigen, sowohl diejenigen auf Erden als auch die Vollendeten im Himmel. Das zeigt die Schrift an verschiedenen Stellen, wenn sie von der Kirche als dem 'königlichen Priestertum' redet, 1 Petrusbrief 2,9, oder davon, daß Christus uns zu Königen und Priestern gemacht hat, Offenbarung 1,6. Wer ist also mit dem "sie" V. 4 gemeint, der sich auf die Stühle setzt? 1. Korintherbrief 6,2 sagt dies von den Christen. Unter zwei besonderen Gesichtspunkten werden sie hier genannt: einmal die Seelen derer, die das Martyrium erlitten (beachte: die Seelen - von leiblicher Auferstehung ist keine Rede); b) alle jene, die treu im Glauben geblieben sind ("und die nicht angebetet haben ..."), wie aus dem griechischen Grundtext eindeutig hervorgeht, da dieser zweite Teil des Verses das Wort oitinees hat, wo in der Lutherbibel "die" steht, ein Wort, das mit 'alle diejenigen, die' genau zu übersetzen wäre. Damit aber sind alle Auserwählten, an Christus Gläubigen beschrieben. Wir befinden uns hier in der wirklich herrlichen Gemeinschaft von kämpfender und triumphierender Kirche, von der auch Hebräerbrief 12 redet.

    Von all diesen nun heißt es, dass sie mit Christus leben und regieren tausend Jahre. Und das trifft ja für die Gläubigen wahrhaft zu, sie leben mit Christus, Galaterbrief 2,20.21; Römerbrief 6,11; Philipperbrief 1,2; Johannesevangelium 3,36, und haben die Welt überwunden, 1. Johannesbrief 5,4.5.

    Daß dies kein weltliches Regieren nach der Art einer Staatsregierung ist, wird ja auch durch den Begriff "Seelen" bekräftigt. Die Seelen regieren mit Christus: es ist also ein geistliches Regieren (vgl. Peters, a.a.O. S. 212 f).

 

    Nun behaupten ja die Chiliasten, die Märtyrer seien diejenigen, die in der "ersten Auferstehung" auferstanden seien; das Tausendjährige Reich sei ein irdisches Reich. Was ist davon zu halten?

    Vers 4 sagt nichts davon, dass eine Auferstehung stattgefunden hat. Hier ist nicht von leiblich auferstehen die Rede, sondern davon, dass sie 'mit Christus leben'. Auch V. 5, wo ja tatsächlich 'lebendig werden' steht, muss nicht heißen 'leiblich auferstehen', ja, kann es, wenn wir Schrift durch Schrift erklären, gar nicht heißen. Denn was ist denn mit der 'ersten Auferstehung' gemeint? Das ist, wenn wir Epheserbrief 2,4-6; Kolosserbrief 2,12.13 ansehen, nichts anderes als die Bekehrung, s.a. Johannesevangelium 5,24. Das stimmt auch wiederum damit, daß Johannes 'Seelen', nicht Leiber sieht: Die Auferstehung ist eine geistliche, die Auferstehung, Lebendigmachung der Seele, eben Wiedergeburt, Bekehrung. Dies hat ja auch V. 4 schon damit gezeigt, daß dort nicht nur von den Blutzeugen, sondern überhaupt von den Gläubigen die Rede ist. Dass es sich nicht um eine leibliche Auferstehung handeln kann, wird auch in der Hinsicht am Begriff 'Seelen' deutlich, weil ja die Seele fleischlich, leiblich nie sterben kann, sondern nur geistlich tot sein kann. (Nach den tausend Jahren und der kurzen Zeit regieren die Seelen auch mit Christus, aber dann sind sie wieder mit ihren Leibern vereint und sind in der ewigen Herrlichkeit.) (vgl. Peters, a.a.O. S. 214 f)

    'Die anderen Toten', die 'nicht wieder lebendig' wurden, das sind solche, die im Unglauben verharren, in der Finsternis und darum dem Jüngsten Gericht mit Schrecken entgegensehen müssen. Für diese gibt es keine Hoffnung. Es kann nicht herausgelesen werden aus diesem Vers, dass diese geistlich Toten nach den tausend Jahren geistlich lebendig würden, bekehrt, denn das steht hier nicht und widerspräche auch der Schrift, Hebrärbrief 9,27.28; 12,29; 2. Korintherbrief 5; Matthäusevangelium 24; 25. Für die, die ohne Christus entschlafen, gibt es keinerlei Hoffnung (vgl. Peters, a.a.O. S. 215). Auch hier gilt es wieder, den griechischen Grundtext genau zu beachten, wer mit den 'anderen Toten' gemeint ist: es steht da für andere nicht "deuteroi", was auf eine Reihenfolge hinweisen würde, sondern "loipoi", was soviel heißt wie 'die Übrigen', 'Übriggebliebenen'. Wir können hier also gut sagen 'Die übriggebliebenen Toten wurden nicht wieder lebendig', eben diejenigen, die nicht, wie die Seelen aus V. 4, durch Christus geistlich auferweckt, wiedergeboren wurden. Das alles unterstreicht auch V. 6. (vgl. Peters, a.a.O. S. 216).

    V. 6 unterstreicht auch nochmals, dass in V. 4 mit den Seelen keineswegs nur die Märtyrer gemeint sind, sondern alle Gläubigen, weil hier eindeutig von der Wiedergeburt die Rede ist - da ja alle, die nicht teilhaben an der 'ersten Auferstehung' verloren sind. Die erste Auferstehung also macht heilig, erlöst, denn der ist selig und heilig, der an ihr teilhat - nicht umgekehrt, dass derjenige, der ein Heiliger ist teilhat an der ersten Auferstehung. Auch hier ist es so wichtig, auf den Wortlaut zu achten.

    Der 'andere Tod' ist auch kein leiblicher Tod, sondern ein geistlicher. Hier steht im Griechischen 'deuteros', was eine vergleichende Reihenfolge anzeigt und somit hervorhebt, daß es sich beide Male um geistliche Dinge, eben geistlichen Tod, handeln muß. Der vorige Tod ist also der geistliche Tod, in dem der Mensch sich vor der Bekehrung befindet, der 'andere Tod' dagegen ist die ewige Verdammnis, das ewige Getrenntsein von Gott (vgl. Peters, a.a.O. S. 217).

    Beachten wir auch: Von der Auferstehung wird nie solch ein Vergleich angestellt, leibliche und geistliche Auferstehung werden nicht so in eine vergleichende Reihenfolge gebracht (was ja auch nicht möglich wäre). Die Schrift spricht wohl von zwei Toden, aber nicht von zwei Auferstehungen. Die 'erste Auferstehung' steht hier in Beziehung zum 'ersten Tod'; aber eine 'erste Auferstehung' muß nicht zwangsläufig eine 'zweite Auferstehung' zur Folge haben. Die Schrift kennt diesen Ausdruck nicht. Es gibt nur eine geistliche Auferstehung - und ebenso auch nur eine leibliche Auferstehung (vgl. Peters, a.a.O. S. 219 f).

    Wenn diese tausend Jahre zu Ende sind, vollendet sind, zum Ziel gekommen sind, also diese besondere Zeit der Kirche, dann kommt noch eine kleine Zeit, in der Gog und Magog gegen die Kirche anstürmt, also, nach 1. Buch Mose 10 und Hesekiel 38 solche, die, wie Japhet unter den Zelten Sems, so innerhalb der Christenheit wohnen. Das weist hin auf das letzte Aufbäumen des Antichrists und seiner Weltmächte. Das aber läutet zugleich ein das kommende Ende dieser Zeit, dieser Geschichte - und zeigt damit an, daß die Kirche bis zuletzt unter dem Kreuz ist.

    Es ist die Frage aufgeworfen worden, wann die tausend Jahre um sind. Dass es sich um eine bildliche Zahl handelt, wird aus der Bildsprache des gesamten Kapitels deutlich. Es ist dies die Zahl der Umfassendheit. Einige, wie Georg Gößwein und manche der alten Theologen haben gemeint, diese tausend Jahre seien auch etwa um das Jahr tausend zu Ende gewesen, da dann das Papsttum mit seiner ganzen Macht herausgetreten sei. Dem ist aber meines Erachtens nicht zu folgen, da damit zum Beispiel die Reformation in diese kleine Zeit fiele, was doch kaum möglich wäre. Es ist aber wohl richtig zu sagen, dass wir jetzt in der kleinen Zeit leben. Wann sie begonnen hat? Mit der Gegenreformation hat wohl ihr Wetterleuchten begonnen, mit der Aufklärung und den Revolutionen ist sie immer mehr hervorgetreten, um dann, nachdem das 19. Jahrhundert noch einmal einen gewaltigen Durchbruch weltweiter Mission erbrachte, nun die Kirche völlig zu versuchen, in den Würgegriff zu bekommen - durch den Rationalismus, die Zerstörung der Bibel; durch die Ökumene, die Zerstörung der biblischen Wahrheit, dabei vorallem aber durch das erneute Emporheben des römischen Papsttums, des Antichrists, der nun noch einmal - verbunden mit der Ökumene, seine alte Macht herstellen, die christliche Kirche des Evangeliums gänzlich zerstören will; mit all dem verbunden, in vielfältiger Weise, die Weltmächte, die aber immer nur eine äußere, nie die entscheidende Bedrohung der Kirche darstellen.               

 

 

Exkurs II über die Frage der Juden in der letzten Zeit

 

    Hat das jüdische Volk auch heute noch eine besondere Stellung? Das kommt ganz darauf an, wie das gemeint ist. Viele behaupten, Israel habe als Staat eine Sonderstellung, die ihn praktisch außerhalb des Völkerrechts stelle, so dass Israel schier tun und lassen dürfe, was es wolle. Das ist gewiss nicht biblisch. Viele behaupten auch, für Israel gebe es einen besonderen Heilsweg, deshalb sei auch Mission unter Israel nicht notwendig. Auch das ist völlig unbiblisch. Viele sagen, das Alte Testament sei vor allem oder hauptsächlich auf das Volk Israel und nicht auf die Gemeinde Jesu auszulegen. Auch das ist falsch, denn da hat man nichts begriffen von dem, was mit „Volk Gottes“ gemeint ist – nämlich das Volk, das Gemeinde Jesu Christi ist, im Alten wie im Neuen Testament. In dieser Hinsicht also kann nicht gesagt werden, das jüdische Volk habe heute noch eine besondere Stellung.

Aber dennoch nimmt Israel, nimmt das jüdische Volk in anderer Hinsicht eine besondere Stellung ein, wie das schon unser Heiland Jesus Christus gesagt hat, Matthäus 24,34: Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis dass dieses alles geschehe. Damit ist, auch nach dem Zusammenhang, eindeutig das Volk der Juden gemeint. Gott wird also ein jüdisches Volk sich behalten bis zum Jüngsten Tag. Es ist, wenn wir so wollen, ein Zeichenvolk. Von dem alten General Zieten wird berichtet, dass er einmal von dem gottlosen König Friedrich II. in einer Tafelrunde gefragt wurde, ob es denn einen Beweis dafür gebe, dass die Bibel wahr sei. General Zieten, der gläubig war, antwortete sogleich: „Ja, Majestät, das Volk der Juden.“ Was wollte er damit sagen? Die Juden sind in mehrfacher Hinsicht ein Zeichen: Zum einen ein Zeichen für die Existenz Gottes und seines Wirkens, denn während um sie herum die Völker kommen und gehen, so ist doch dieses Volk geblieben; dann aber auch dafür, dass Gottes Wort wahrhaftig ist, dass sie Gottes Weissagungen in Gericht und Gnade wahrhaft erfüllen: All die Warnungen und Vorhersagen Gottes über Israel sind eingetroffen, sowohl in der Zeit des Alten Bundes im Blick auf die erste Zerstörung Jerusalems und das Exil, als auch auf die Rückführung der Juden aus Babel; es sind genau die Vorhersagen Jesu eingetroffen über das Gericht an Israel durch die Römer. Und wir erkennen nun an dem heutigen Israel, was Gnade ist. Denn ist das heutige Israel anders, besser als die Judenschaft in all den Jahrhunderten seit Jesu Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt? Nein, keineswegs. Im Gegenteil. Die orthodoxen Juden in Israel sind entschiedenste Feinde der Christen und aller christlichen Mission; das heutige Israel kennt keine Religionsfreiheit in unserem Sinne, alle christliche Mission ist bestenfalls geduldet und wird von orthodox-jüdischer Seite massiv behindert. Und dennoch hat Gott dieses Volk, das sich so gegen ihn und den Messias stellt, wieder in das alte Land zurückgebracht. Das ist Gnade, purlautere Gnade, Barmherzigkeit Gottes, die Israel zur Umkehr mahnt. Hier, an Israel, können wir ablesen etwas von der Gnade Gottes, von seiner Langmut, seinem Ringen um uns Menschen – aber allerdings auch von unserer Starrköpfigkeit und unserem Widerstreben.

 

    Was hat nun Römer 9-11 für uns für eine Bedeutung? Diese Kapitel geben uns an die Stellung, die wir dem Volk der Juden gegenüber einnehmen sollen, wie wir sie von Paulus lernen: Trotz allem Widerstand – und er hat ihn ständig erfahren -, liebte er dennoch dieses Volk und hat um es gerungen, dass doch etliche aus ihm selig werden mögen, also Jesus Christus als den Messias erkennen. So sollen auch wir Israel nicht aufgeben, sondern ringen um die Einzelnen, die Gott erlösen will aus ihm.

    Damit kommen wir auch zu der Frage der Erwählung. Da wird heute oft argumentiert, weil Gott seine Erwählung nicht zurücknehme, so müsse das ganze Israel (was immer damit gemeint ist, da sind sich die Chiliasten überhaupt nicht untereinander einig) selig werden. So steht es aber überhaupt nicht in Römer 11. Denn wie beantwortet Paulus die Frage, ob Gott Israel verstoßen habe? „Das sei ferne!“ Womit begründet er das aber? „Denn ich bin auch ein Israelit von dem Samen Abrahams, aus dem Geschlecht Benjamin.“ Er sagt nicht: Alle Israeliten werden schließlich gerettet; sondern er verweist auf sich selbst, dass er ja auch ein Israelit ist. Und dann führt er das weiter aus. Er geht zurück in die Zeit Elias und verweist auf die siebentausend Mann, die sich Gott damals habe überbleiben lassen, 11,4. Und dann führt er V. 5 aus: „Also gehet’s jetzt auch zu dieser Zeit mit diesen Übriggebliebenen nach der Wahl der Gnaden.“ Dass Gott Israel nicht verstoßen hat heißt, dass diejenigen aus der Judenschaft, die von Ewigkeit her zum Heil erwählt sind, auch tatsächlich durch das Evangelium von Jesus Christus selig werden. Sehr deutlich in V. 7: „Was Israel sucht, das erlangt es nicht; die Wahl aber erlanget es. Die andern sind verstockt.“ Darum ist der Eifer des Paulus auch darauf gerichtet, dass er „etliche selig macht“, V. 14.

    Blindheit ist ja Israel einesteils oder teilweise widerfahren, V. 25, und zwar die ganze Zeit, bis die Fülle der Heiden eingangen ist zur Seligkeit („Fülle der Heiden“ meint, wie wir aus vielen Stellen wissen, nicht, dass alle Heiden selig werden, sondern die Vollzahl der aus der Heidenschaft Erwählten). Nicht das ganze Israel ist also blind, verstockt, sondern nur ein Teil – der andere Teil ist nicht unter der Verstockung, sondern wird auch selig werden. (Der eine Teil aber ist blind, verstockt, und Gott wird diesen Teil, der zu den Gefäßen des Zorns gehört, tragen, wie er Kap. 9,22 f. sagt.) Davon spricht er V. 26: „Und also (nämlich auf die gleiche Art und Weise wie die Heiden, durch das Evangelium Jesu Christi) das ganze Israel selig werde, wie geschrieben stehet: Es wird kommen aus Zion, der da erlöse und abwende das gottlose Wesen von Jakob.“ Was ist mit dem „ganzen Israel“ gemeint? Es steht in Parallelität zu dem Ausdruck „Fülle der Heiden“ und meint somit die Vollzahl der Erwählten aus der Juden-schaft, so dass wir in V. 25 und V. 26 die Vollzahl der Erwählten aus der Heiden- und aus der Judenschaft ha-ben. (Dies wird übrigens auch in der Offenbarung Kapitel 7 beschrieben mit den 144.000, einer Zahl, die sich zusammensetzt 12x12x103 und somit beschreibt die Vollzahl, sowohl aus den Juden, wie auch aus den Heiden, für beide wird jeweils die 12 gesetzt.) Der Begriff des „Restes“, der „Übriggebliebenen“ taucht auch im Alten Testament bereits auf, etwa bei Jesaja, 6,13 oder 7,3 (der Name des Sohnes: Schear-Jaschub: ein Rest wird selig). So lange die Gnadenzeit anhält, und sie dauert, gemäß Matthäus 24 (als dem Sitz der Lehre von den letzten Dingen und der Wiederkunft Jesu, denn hier haben wir es mit einem klaren, nüchter-nen Wort des Herrn zu tun, ohne Bilder) bis zur Wiederkunft Jesu, also dem Jüngsten Tag, so lange werden also auch Ölzweige (zum Glauben an Jesus Christus gekommene Juden) wieder eingepfropft.

    Wir müssen auch im Blick auf das Alte Testament, die Zeit des Alten Bundes bedenken – und das hebt gerade Kapitel 9 hervor – dass ja auch damals nicht alle, die blutsmäßig von Abraham herkamen, errettet wurden, viele wurden um ihres Unglaubens willen verworfen; und so geht es fort bis zum Jüngsten Tag.

 

    In diesem Zusammenhang wird oft der Vorwurf der „Enterbungslehre“ gegenüber Teilen der Kirche erhoben, nämlich die Kirche habe sich an die Stelle von Israel gesetzt. Hier liegt zumeist eine völlig schiefe Auffassung von Israel und von der Kirche vor. Israel wird zu oft, besonders heute, nur fleischlich gefasst, also betreffend die leibliche Nachkommenschaft Abrahams oder das irdische Volk Israel (zu denen viele aus ganz anderen Völkern gekommen sind, Araber, Jeminiten, Chasaren, Äthiopier u.a.), während man vergisst, dass es sich hier gerade auch um einen geistlichen Begriff handelt, wie ihn Paulus Römer 2,28.29 verwendet, nämlich für das Volk Gottes. So spricht er ja auch immer wieder in Bezug auf die an Christus Gläubigen von den Kindern Abrahams oder Isaaks, Galater 4,28-31; 3,7-9. Wie beschreiben wir die Kirche oder Gemeinde Jesu Christi im eigentlichen Sinne, also die verborgene Gemeinschaft der Gläubigen, recht nach der Bibel? Sie ist die Gemeinde derjenigen, die aus der Judenschaft und aus der Heidenschaft zum Glauben an den Heiland der Welt, Jesus Christus, durch das Evangelium gebracht wurden, Epheser 2,14 ff. Sie bilden eine Gemeinde, der Zaun ist abgebrochen, der dazwischen war, durch das Kreuz und Blut Christi. Das wahre Israel des Alten Bundes war nichts anderes als die Gemeinde der damals an den – zu der Zeit noch zu kommenden – Messias Gläubigen, und zwar seit der Verheißung an Adam und Eva, 1 Mose 3,15. Wir aus der Heidenschaft sind auf diesen Baum, Römer 11, aufgepfropft worden.

    Es ist die Tragik des heutigen Israels, seit der Verwerfung Jesu durch die Juden zu Jesu und der Apostel Zeit, dass sie selbst sich getrennt haben von ihrem Volk, von dem alten geistlichen Israel, von Abraham, Isaak, Jakob, Mose, David und den Propheten und heute einen anderen Glauben haben als eben jene Väter. Denn sie verwerfen zum Beispiel die Dreieinigkeit, die schon, wenn auch nicht in dieser Klarheit, im Alten Testament gelehrt ist; sie beziehen viele messianische Stellen, besonders Jesaja 53, auf das Volk Israel; sie haben sich, insbesondere durch Talmud und Midrasch, verstockt gegen den Messias. Es gibt ja in der Geschichte nicht nur den zutiefst traurigen Antisemitismus, der auch von Teilen der Kirche immer wieder genährt wurde (nicht direkt von Luther, dem es selbst in seinen schärfsten Schriften gegen das antichristliche, werkgerechte Judentum darum ging, dass doch schließlich die Juden zu Jesus als ihrem Messias eilen), sondern von jüdischer Seite ebenso eine, noch ältere, betont antichristliche Haltung, die früh zur Verfolgung geführt hat (und die man heute kirchlicherseits am liebsten aus der Bibel herausradieren würde). Das ist nur um der Objektivität und der rechten Beurteilung der Juden wichtig. Es darf nicht unsere Liebe zu den Juden und unseren Eifer, dass auch aus ihnen noch viele errettet werden, schmälern, siehe Römer 9. Die Mission unter Israel ist also ein ganz wichtiger Auftrag der Gemeinde Jesu Christi (und ist schon immer ein besonderes Tätigkeitsfeld der lutherischen Kirche gewesen, man denke an Edzardi in Hamburg, die Judenmission, die von Halle aus durchgeführt wurde, besonders dann an das Delitzschianum und den Zentralverein für Mission unter den Juden (heute: Zentralverein für Zeugnis unter Christen und Juden), dem auch der ‚Evangeliumsdienst für Israel’ in Württemberg angeschlossen ist).

 

 

 

Verwendete Literatur:

 

- John Ylvisaker: The Gospels. Reprint. Milwaukee, Wisconsin: Northwestern Publishing House 1977.

- Johann Schaller: Kurze Bibelkunde. St. Louis, Mo.: Concordia Publishing House 1899.

- Horst Neumann: Einführung in das Neue Testament. Sottrum: Lutherische Stunde 1995.

- Christopher F. Drewes: Introduction to the Books of the Bible. 3rd revised edition. St. Louis, Mo.: Concordia Publishing House 1970.

- Ludwig Fürbringer: Einleitung in das Neue Testament. St. Louis, Mo. Concordia Publishing House 1914.

 

 


 

Maße und Gewichte in der Bibel

 

1. Längenmaße

 

Elle                                                                                etwa 46 cm

Groß-Elle (2. Chronik 3,3)                                                etwa 52 cm

Spanne (2. Buch Mose 28,16) = eine halbe Elle                 etwa 23 cm

Handbreite (2. Buch Mose 25,25) = ein Drittel der Spanne    etwa 8 cm

Fingerbreite (Jeremia 52,21) = ein Viertel der Handbreite      etwa 2 cm

Rute (Hessekiel 40,5) = sechs Ellen                                     etwa 3 m

Faden (Apostelgeschichte 27,28)                                    etwa 180 cm

 

2. Wegmaße

 

Stadion (Offenbarung 14,20)                                                     185 m

Meile (Matthäusevangelium 5,41) = acht Stadien               etwa 1,5 km

Sabbathweg (Apostelgeschichte 1,12) = 2000 Ellen             etwa 1 km

 

3. Hohlmaße für Flüssigkeiten im Alten Testament

 

Fass (hebräisch: homer)                                                  etwa 390 ltr

Eimer (hebräisch: bat) und Maß (Johannes 2,6) = 1/10 Fass etwa 39 ltr

Kanne (hebräisch: hin) = 1/6 Eimer                                    etwa 6,5 ltr

Becher (hebräisch: log) = 1/12 Kanne                                etwa 0,5 ltr

 

4. Hohlmaße für feste Dinge im Alten Testament

 

Sack (hebräisch: kor oder homer)                                     etwa 390 ltr

Scheffel, Tonne (hebräisch: epha)= 1/10 Sack                     etwa 39 ltr

Maß (hebräisch: sea) = ein Drittel Scheffel                          etwa 13 ltr

Krug (hebräisch: gomer, oder issaron) = 1/10 Scheffel         etwa 3,9 ltr

Handvoll (hebräisch: ein Viertel-Kab)                                  etwa 0,5 ltr

 

5. Hohlmaße im Neuen Testament

 

Sack (griechisch: koros; Lukas 16,7)                                etwa 390 ltr

 

Eimer (griechisch: batos; Lukas 16,6), Maß (Johannes 2,6)  etwa 39 ltr

Scheffel (griechisch: modios; Matthäus 5,15)                        etwa 9 ltr

 

6. Gewichte

 

Zentner (hebräisch: kikkar) = 3000 Lot                     etwa 33,6-36,6 kg

Pfund (hebräisch: manä) = 50 Lot                    etwas mehr als 1 Pfund

Lot (hebräisch: schekel)                                           etwa 11,2-12,2 g

Gramm (hebräisch: gera) = 20. Teil eines Lots                     etwa 0,5 g

 

7. Geld und Münzen im Alten Testament

 

Goldtalent („Zentner Gold“; 1. Könige 9,14) etwa 160.000 DM oder 81.806,70 €

Goldschekel („Lot Gold”, 1. Chronik 21,25; „Goldgulden”, 2. Könige 5,5)

                                                                                           etwa 50 DM oder 25,56 €

Goldstück (1. Mose 33,19; Jos. 24,32; Hiob 42,11, hebräisch: qesita) Wert unbekannt

Silbertalent („Zentner Silber“; 1. Könige 16,24) etwa 9.000 DM oder 4.601,63 €

Silbermine („Pfund Silber“; Esra 2,69)                    etwa 150 DM oder 76,69 €

Silberschekel („Lot Silber“; 1. Mose 23,5; „Taler“, hebräisch: schekel; 2 Mose 30,13; „Silbertaler“, hebräisch: schekel käsäph; 1. Samuel 9,8; „Silberstück“, hebräisch: käsäph, 1. Mose 20,16)                                                                         etwa 3 DM oder 1,50 €

 

Darike („Gulden“, hebräisch: adarkon; 1. Chronik 29,7; Esra 8,27) etwa 27 DM oder

                                                                                                                          13,50 €

Golddrachme („Gulden“, hebräisch: darkemon; Esra 2,69; Nehemia 7,69-71)

                                                                                                   etwa 14 DM oder 7 €

 

8. Geld und Münzen im Neuen Testament

 

Talent („Zentner“; Matthäus 25,15)                  etwa 9.000 DM oder 4.601,63 €

Mine („Pfund“; Lukas 19,13)                                      etwa 150 DM oder 76,69 €

 

Silbermünzen:

Stater („Zweigroschenstück“; Matthäus 17,27; „Silberling“, Matthäus 26,15)

                                                                                                     etwa 4 DM oder 2 €

Doppeldrachme („Tempelgroschen“; Matthäus 17,24)    etwa 2 DM oder 1 €

Drachme („Silbergroschen“, nur Lukas 15,8.9)              etwa 1 DM oder 0,5 €

Denar („Silbergroschen“; Matthäus 18,28; 22,19)          etwa 1 DM oder 0,5 €

 

Kupfermünzen:

Assarion („Groschen“, Matthäus 10,29)                          etwa 6 Pf oder 3 Cent

 

Quadrans („Pfennig“, Matthäus 5,26; Markus 12,42) etwa 1,5 Pf oder ¾ Cent

Lepton („Scherflein“; Markus 12,42; „Heller“, Lukas 12,59) etwa ¾ Pf oder 3/8 Cent

           

 

 

Zeittafel

 

A. Altes Testament

 

1. Von der Schöpfung bis zum Tempelbau Salomos

 

Nach der        Vor

Schöpfung  Christus

          1        4004        Adam erschaffen

      930        3074        Adam stirbt, 930 Jahre alt

    1042        2962        Seth stirbt, 912 Jahre alt

    1656        2348        Sintflut

    1770        2234        Turmbau zu Babel

    2006        1998        Noah stirbt, 950 Jahre alt

    2008        1996        Abrams Geburt

    2108        1896        Isaaks Geburt

    2158        1846        Sem stirbt, 600 Jahre alt

    2168        1836        Jakobs Geburt

    2245        1759        Jakobs Flucht

    2258        1746        Josephs Geburt

    2275        1729        Joseph verkauft

    2298        1706        Jakob zieht nach Ägypten

    2593        1571        Moses Geburt

    2513        1491        Auszug aus Ägypten; Gesetzgebung am Sinai; erste fünf Bücher Mose

    2553        1451        Tod Moses; Einzug in das gelobte Land; Buch Josua; Buch Hiob (?)

    2561        1443        Josua stirbt, 110 Jahre alt

    2792        1212        Gideons Sieg

    2849        1155        Samuels Geburt

    2909        1095        Sauls Salbung; Buch der Richter

    2919        1085        Davids Geburt

    2949        1055        Davids Thronbesteigung. Propheten Nathan und Gad; Buch Ruth; Samuelb

                                    Psalter.

    2989        1015        Salomo König

    3000        1004        Tempeleinweihung; Sprüche, Prediger, Hohelied Salomos

 

2. Von der Teilung des Reiches bis zur babylonischen Gefangenschaft

 

Regierungs-            Könige Judas       Könige Israels                              Propheten

Antritt vor

Christus

      975                    Rehabeam           Jerobeam I.                  Ahia; Semaja; Mann Gottes

                                                                                                1. Könige 11,29; 12,22; 13,1

      958                    Abia                                                         Iddo, 2. Chronik 13,22

      955                    Assa                   Nadab 954                   Asarja, 2. Chronik 15,1

      953                                                Baesa                          Hanani, 2. Chronik 16,7

      930                                                Ella                               Jehu, 1. Kge 16,1; 1. Chr. 19,2

           

      929                                                Simri und Omri

      918                                                Ahab                           Elia, 910-896

      914                    Josaphat                                                 Micha, 1 Könige 22,8-28

      897                                                Ahasja                         Elisa, 896-838

      896                                                Joram                          Jahasiel, 2. Chronik 20,14

      892                    Joram

      885                    Ahasja

      884                    Athalja                 Jehu

      878                    Joas                                                        Sacharja, 2. Chronik 24,20

      857                                                Joahas                        Jona, 862

      839                    Amazja                Joas

      825                                                Jerobeam II.

      810                    Usia                                                         Joel, 800; Sacharja

                                                                                                2. Chronik 26,5

      784                                                11 Jahre Anarchie      Amos, 787

      773                                                Sacharja                      Hosea, 785-725

      772                                                Sallum; Menahem

      761                                                Pekahjah                      Jesaja, 780-698

      759                                                Pekah

      758                    Jotham                                                     Micha, 750-698

      742                    Ahas                                                       Obed, 2. Chronik 28,9

      730                                                Hosea

      726                    Hiskia                  

      722                                                Untergang Nordreich

      698                    Manasse                                                 Nahum, 713

      643                    Amon

      641                    Josia                                                        Zephania, 630;

                                                                                                Jeremia, 628-586

      610                    Joahas-Sallum                                         Habakuk, 626

      610                    Jojakim                                                     Daniel, 606-534

                                1. Wegführung nach Babylon

      599                    Jojachin                                                  

      599                    Zedekia                                                   Hesekiel, 595-575

 

 

3. Von der babylonischen Gefangenschaft bis zur Geburt Christi

 

      588                    Babylonische Gefangenschaft               Obadja; Königebücher

      536                    Ende der 70jährigen Gefangenschaft

      534                    Grundsteinlegung des 2. Tempels

      515                    Vollendung des Tempels                         Haggai; Sacharja

      458                    Esras Rückkehr aus Babylon

                                Chronikbücher; Buch Esra

      445                    Nehemias Reise nach Jerusalem

                                Buch Nehemia

      398                                                                                    Maleachi           

      332                    Unter griechischer Herrschaft (Alexander der Große)

      304                    Unter ägyptischer Herrschaft (Ptolemäer)

      277                    Übersetzung des AT in die griech. Sprache (Septuaginta)

      170                    Unter syrischer Herrschaft (Antiochus Epiphanes)

      166                    Judas Makkabäus Regent

        63                    Unter römischer Herrschaft (Pompeius)

        40                    Herodes wird König

        28                    Octavianus Augustus römischer Kaiser

          4                    Geburt Christi

 

 

B. Neues Testament

 

                                Geburt Christi

          2                    Herodes stirbt; Archelaus in Judäa, Herodes Antipas in Galiläa

          8                    Jesus als 12jähriger im Tempel

        14                    Augustus stirbt; Tiberius Kaiser

        30                    Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu

        32                    Johannes der Täufer getötet

        33                    Christi Tod, Auferstehung, Himmelfahrt

                                Pfingstfest; Beginn der neutestamentlichen Kirche Jesu Christi; Apg. 2

        35                    Stephanus gesteinigt; Apostelgesch. 7

        36                    Bekehrung des Saulus; Apostelgesch. 9; 22; 24

        38                    Herodes Agrippa König

        44                    Jakobus der Ältere getötet, Apostelgesch. 12;

                                1. Missionsreise des Paulus (mit Barnabas); Apostelgesch. 13; 14

                                Herodes Agrippa stirbt; sein Sohn Herodes Agrippa II. König

        50                    Apostelkonzil zu Jerusalem, Apostelgesch. 15

        51                    2. Missionsreise des Paulus (mit Silas), nach Europa,

                                Apostelgesch. 16-18

        52                    1. und 2. Thessalonicherbrief

        53                    Galaterbrief

        54                    Nero Kaiser

        54                    3. Missionsreise des Paulus, Apostelgesch. 19-21

        57                    1. und 2. Korintherbrief; Römerbrief

        58                    Paulus gefangen genommen, zwei Jahre in Cäsarea, Apostelg. 21-26

        60                    Paulus wird als Gefangener nach Rom gebracht, Apostelg. 27-28

                                Epheserbrief; Philipperbrief; Kolosserbrief; Philemonbrief

  um 61                    Jakobusbrief

        62                    Jakobus der Gerechte getötet

                                Paulus kommt noch einmal frei; 1. Timotheusbrief; Titusbrief

  um 63                    Evangelium nach Matthäus

        64                    allgemeine Christenverfolgung

                                1. und 2. Petrusbrief; Hebräerbrief (?)

   64/66                    Evangelium nach Markus; Evangelium nach Lukas

        66                    zweite Gefangenschaft des Paulus

                                2. Timotheusbrief

        68                    Petrus und Paulus sterben in Rom den Märtyrertod

  um 68                    Apostelgeschichte; Judasbrief

        70                    Zerstörung Jerusalems durch Titus

                                Johannes in Ephesus

        94                    Johannes nach Patmos verbannt; Offenbarung Jesu Christi an Johannes

  um 95                    Evangelium nach Johannes; 1., 2. und 3. Johannesbrief

um 100                    Johannes stirbt