Homosexualität und Befreiung

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

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1. Aussagen zur Homosexualität im Alten Testament 1

2. Die Aussagen zur Homosexualität im Neuen Testament 2

3. Gottes Hilfe und Befreiung. 3

 

 

 

 

    Seit einigen Jahren schon wird, insbesondere, aber nicht nur, im kirchlichen Bereich eine Diskussion darüber geführt, was Homosexualität sei, wie sie zu bewerten sei, wie mit solchen Menschen, die davon betroffen sind, umzugehen sei. Dabei hat sich vielerorts in offiziellen Verlautbarungen eine Linie durchgesetzt, die zwar nicht in jedem Fall die gleichgeschlechtliche Sexualität mit der verschiedengeschlechtlichen völlig gleichsetzt - auch solche Tendenzen gibt es -, aber doch sie toleriert, sie insbesondere nicht mehr Sünde nennt, ja, zuweilen gar meint, sich entschuldigen zu müssen, daß sie einst als Sünde bezeichnet wurde. Mehr und mehr setzen sich auch Tendenzen durch, zumindest "Segnungen" gleichgeschlechtlicher "Paare" zuzulassen. Dies hat, verständlicherweise, heftige Diskussionen ausgelöst. Vielfach wird behauptet, es handele sich bei Homosexualität um eine Krankheit, der betreffende Mensch könne also dafür gar nicht verantwortlich gemacht werden, ja, zuweilen wird sogar behauptet, es liege an den Erbanlagen (obwohl auch hier die Wissenschaft selbst schon zu völlig anderen Erkenntnissen gekommen ist). Es spiegelt sich letztlich auch hier die behavioristische (umweltbezogene) Haltung wider, daß an allem die anderen schuld sind. Sie tritt da besonders hervor, wo angeführt wird, daß bei vielen die Gleichgeschlechtlichkeit dadurch bewirkt oder befördert worden sei, daß sie, oft schon in ihrer Kindheit, in dieser Richtung mißbraucht worden seien. Auch damit soll im Grunde gesagt werden: die betreffende Person ist doch gar nicht schuldig. Nun soll hier keineswegs bestritten werden, daß solch eine Verführung zur Homosexualität, etwa durch Mißbrauch, statthaben kann - und sie kann jeden Menschen betreffen, denn vor Gott sind wir alle abgrundtief verdorbene Menschen und Kinder des Zorns von Natur (Epheserbrief 2,1-3) - aber das hebt darum die Verantwortlichkeit der betreffenden Person nicht auf, so wenig, wie die Schuld die der oder die Verführer auf sich geladen haben, in irgendeiner Weise gemindert werden darf. Auch sie ist unbedingt klar herauszustellen und ist ja noch schwerer, da hier eine Verleitung zur Sünde vorliegt.

    Wie ist nun die Homosexualität zu beurteilen? In der Verantwortung vor Gott, der uns auch unser Gewissen gegeben hat (Römerbrief 2,14.15) - so sehr es auch nach dem Sündenfall unserer Ureltern Adam und Eva deformiert ist - können medizinische oder sonstige "wissenschaftliche" Antworten so wenig letzte Bedeutung haben wie die Meinung der Öffentlichkeit, des Zeitgeistes. Hier gilt allein das, was der lebendige Gott selbst dazu sagt. Und er hat nicht dazu geschwiegen, sondern in seinem Wort Alten und Neuen Testamentes haben wir eindeutige Aussagen dazu, ja, wirklich eindeutige (denn selbst das wird ja bezweifelt). Beugen wir uns doch daher unter sein Wort und betrachten wir, was er uns dazu zu sagen hat.

 

 

1. Aussagen zur Homosexualität im Alten Testament

 

    Die Hauptaussage im Alten Testament finden wir in 3 Mose 18,22, wo es in der unrevidierten Lutherübersetzung heißt: "Du sollst nicht bei Knaben liegen wie beim Weibe; denn es ist ein Greuel." Die revidierte Ausgabe von 1984 hat da: "Du sollst nicht bei einem Manne liegen wie bei einer Frau; es ist ein Greuel." Die revidierte Ausgabe trifft dabei genau die Aussage des hebräischen Textes, der ja lautet: Und zu Männlichem (bät sachar) lege dich nicht (lo tischkab) wie liegend mit einer Frau (mischkbäs ischah). Sachar ist ein Wort, das ganz allgemein das Männliche umfaßt, das Männchen beim Tier, den Mann, den, der männlichen Geschlechts ist, ein Individuum männlichen Geschlechts (Siegfried; Stade: Hebräisches Wörterbuch zum Alten Testament. Leipzig 1893. S. 173), und geht keineswegs, wie bei der unrevidierten Ausgabe heute der Eindruck entstehen könnte, bloß gegen Knaben, hat also nicht nur die Päderastie (Knabenliebe) im Blick. Die ist selbstverständlich mit eingeschlossen, aber gemeint sind alle Männer. Es ist also die Homosexualität überhaupt verurteilt. Es sollte dabei auch niemanden irritieren, daß hier nur von Männern die Rede ist, so, als ob die Frauen so handeln dürften. Dieser Schluß ist falsch. Lesbische Beziehungen unterliegen diesem Verbot genauso. In 3 Mose 18 werden ja insgesamt nicht alle einzelnen verbotenen Beziehungen aufgeführt, sondern an einer aufgezeigt, daß alle in demselben Grade verboten sind. Diese Stelle läßt also gar keinen Zweifel offen. Gott sagt nein zur Homosexualität.

    Und dieses 'Nein' bekräftigt er in ganz gewaltiger Weise, die keine Ausflucht mehr zuläßt: es ist ein Greuel. Homosexualität, macht Gott hier klar, ist nicht so ein kleines Vergehen (Sünde ist zwar insgesamt verdammt und bringt die Hölle ein; aber Gott gewichtet sehr wohl die Schwere der Sünde damit auch die Höllenpein, Markusevangelium 10,12; Lukasevangelium 6,11), etwa wie eine geringfügige Dieberei, nein, sie ist ihm ein Greuel, etwas, das er zutiefst verabscheut. Das sollten wahrhaft auch alle die ernsthaft bedenken, die meinen, Homosexualität sei bloß eine Krankheit, sei nicht so tragisch, sollte man nicht bekämpfen. Gott verabscheut diese Sünde!

    Und wie ernst es Gott auch mit dieser Sünde ist, sagt er nur wenig später in Vers 24 und 25, wo er das Gericht ankündigt, das über die Heiden in Kanaan hereinbrechen sollte, vollzogen durch Israel, für eben gerade auch diese Sünde: "denn in diesem allem haben sich die Heiden verunreiniget, die ich vor euch will ausstoßen, und das Land dadurch verunreiniget. Und ich will ihre Missetat an ihnen heimsuchen, daß das Land seine Einwohner ausspeie."

    Das ist ein gewaltiges und furchtbares Wort, an dem man nicht achtlos vorübergehen sollte! Es zeigt uns die ganze Heiligkeit Gottes und den bitteren Ernst, mit dem er die Sünde straft. Er spricht nun davon, daß die Heiden sich an dem allem verunreinigt haben. Sünde wird oft in der Schrift mit Unreinigkeit verglichen - aber einer Unreinigkeit, die nicht mit Wasser abzuwaschen ist, sondern nur mit Blut. Auf der Sünde steht die Todesstrafe, die ewige Verdammnis. Die Gottlosen "werden in die ewige Pein gehen" (Matthäusevangelium 25,46) und "ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer wird nicht verlöschen und werden allem Fleisch ein Greuel sein" (Prophet Jesaja 66,24). Und Gott fängt oft an, die Sünde auch schon in dieser Zeit zu strafen. So hier. Daß er nun von den Heiden spricht, das bedenken Sie wohl! Denn vielleicht sind Sie auf den Gedanken gekommen: nun, das ist ja das Alte Testament. Was interessiert das noch? Das ging doch nur die alttestamentlichen Juden an. Hat nicht Luther selbst gesagt, daß Mose uns nichts mehr zu gebieten habe? Wohl richtig - aber doch zu kurz gesehen. Luther hat nämlich zugleich auch gesagt, wozu Mose uns noch nütze ist. Und dazu gehört auch, daß er neben dem nur für das alttestamentliche Israel bestimmte Kult- und Sozialgesetz auch das natürliche Recht verkündigt hat, das Recht, das nicht nur Israel bindet, sondern alle Menschen, das eigentlich ursprünglich in unser Gewissen geschrieben wurde, Römerbrief 2,14.15. Und genau um so etwas handelt es sich hier. Wir merken dies schon an dem Ausdruck "Greuel". Wenn Gott diesen starken Begriff verwendet, um eine Sünde zu bezeichnen, so dürfen wir gewiß sein, daß sie nicht bloß an einem bestimmten Volk gestraft wird - denn was ihm bei einem ein Greuel ist, darüber lächelt er woanders nicht! Vorallem aber erkennen wir es daran, daß er für solche Sünden, eben wie die Homosexualität, auch die Heiden straft und damit ja sagt: auch sie hätten es wissen müssen, daß dies Sünde und verboten ist. Auch sie haben hier also gegen ihr schreiendes Gewissen gehandelt. Es ist natürliche, alle Menschen bindende Ordnung, gegen die mit der Homosexualität verstoßen wird. Sie ist also im tiefsten Sinne des Wortes etwas Unnatürliches, Widernatürliches, erhebt sich gegen die von Gott gesetzte Ordnung.

    Und Gott hört noch nicht auf. Er sagt: Sie haben das Land dadurch verunreinigt. Das ist eine sehr ernste Aussage: sie zeigt uns, daß so schwere, tief in die natürliche Ordnung eingreifende Sünden auch für das Land, das Volk, darinnen solche Sünder leben, nicht ohne Auswirkungen bleiben. Sie verunreinigen das Land. Gerade im Alten Testament haben wir immer wieder diese Ausdrücke 'rein' und 'unrein', die gerade auch (s. 3 Mose 20,24-27) ein Bild abgeben für Gottes Volk und die Gottlosen. Wenn sie nun das Land verunreinigen, so heißt das: sie entfremden es Gott, rufen Gottes Gericht über dieses Land herab. Das gilt auch für uns heute: wenn solche Sünde nicht mehr Sünde genannt und gestraft wird von den Menschen, so wird Gott sie strafen - und zwar auch an dem Land, das sie duldet. Es ist darum nicht von ungefähr, daß über Jahrhunderte die Obrigkeit Homosexualität unter Strafe gestellt hat. Das kam aus dieser im natürlichen Gesetz, im Gewissen gegebenen Erkenntnis. Wenn das heute nicht mehr geschieht, so stellt es nur einen um so deutlicheren, öffentlichen Beweis der Abkehr von Gottes Ordnung dar - und zieht förmlich Gottes Gericht auch über unser Land an.

    Denn was sagt doch Gott, daß geschehen sollte? Er will diese Übertreter seines Gesetzes "ausstoßen" vor Israel, er "will ihre Missetat an ihnen heimsuchen", ja: das Land wird seine Bewohner "ausspeien". Das sind unmißverständliche Worte und Warnungen an uns. Gerade der Begriff "ausspeien" (hebräisches Grundwort qajah) zeigt, welch ein Greuel Gott diese Sünden sind - es ist dies ein Begriff, der sonst etwa für das Gespei eines Hundes verwendet wird, Spr. 26,11. Kann die Abscheu Gottes vor diesem Bruch seiner natürlichen Ordnung deutlicher ausgedrückt werden?

 

    Bedenken wir dabei auch das Ende Sodoms. In 1 Mose 19,5 wird uns etwas von den Sünden dieser Stadt gezeigt. Als die Engel Gottes zu Lot kamen, umlagerten die Männer Sodoms sein Haus und sprachen: "Wo sind die Männer, die zu dir kommen sind diese Nacht? Führe sie heraus zu uns, daß wir sie erkennen." Der Begriff "erkennen" (hebräisch jada), der auch wissen, erkennen, erfahren meint, wird gerade auch für den Geschlechtsverkehr verwendet in der Bibel (z.B.: 1 Mose 4,1.17.25; 19,8; 4 Mose 31,17). Die Sünde Sodoms war also gerade auch Homosexualität. Gott hat diese Stadt "umgekehrt" (1 Mose 19,25), daß nichts mehr übrig blieb.

 

    In 3 Mose 20,13 geht Gott nochmals auf dieses Thema ein. Die unrevidierte Lutherbibel hat hier wieder 'Knäblein', während es in der Revisionsausgabe von 1984 deutlicher heißt: "Wenn jemand bei einem Mann liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Greuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen." Das ist vom Hebräischen her die exakte Übersetzung, wo vom Liegen des Mannes (isch) bei dem Männlichen (sachar) die Rede ist. Und das, Gott betont es nochmals, ist ihm ein Greuel (thoenah assu). Und daraus ergab sich für das alttestamentliche Israel eine Konsequenz, ganz in der Linie des Gerichtes, das zwei Kapitel zuvor über die Heiden angekündigt wurde: diese Männer sollten hingerichtet, zu Tode gebracht werden (schnihen moth jumathu), ihr Blut (soll) auf ihnen (sein) (dmihäm bam). Dadurch sollte verhindert werden, daß das Land gleichermaßen verunreinigt werde wie zuvor durch die Kanaaniter und dementsprechend Israel auch solche Strafen auf sich ziehe.

    Das heißt nicht, daß heute der Staat gleichermaßen die Todesstrafe auf Homosexualität setzen soll: diese Textaussage ist nicht Teil des natürlichen Rechts, sondern des alttestamentlichen Sozialrechts und bindet uns heute nicht mehr, da der Alte Bund mit Christus zu Ende ist und ein Neuer Bund begann (Jer. 31,33). Aber es zeigt uns, wie ernst es Gott mit dieser Sünde nimmt - und keiner daher glauben soll, er könne dem heiligen Zorn Gottes entgehen, der in dieser Sünde fortfahre und nicht Buße tut. Und auch der macht sich schuldig, der sie verharmlost; Gott wird von ihm das Blut derer fordern, die er durch sein Verharmlosen auf den Weg des Todes und der Verdammnis hat fortschreiten lassen, wie er durch den Propheten Hesekiel sagt, 3,17-19: "Du Menschenkind, ich habe dich zum Wächter gesetzt über das Haus Israel; du sollst aus meinem Munde das Wort hören und sie von meinetwegen warnen. Wenn ich dem Gottlosen sage: du mußt des Todes sterben, und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, damit sich der Gottlose vor seinem gottlosen Wesen hüte, auf daß er lebendig bleibe, so wird der Gottlose um seiner Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. Wo du aber den Gottlosen warnest, und er sich nicht bekehret von seinem gottlosen Wesen und Wege, so wird er um seiner Sünde willen sterben, aber du hast deine Seele errettet."

 

    Nun wird von einigen Seiten immer wieder gesagt: so ernst nehme es doch Gott gar nicht, man solle sich doch nur die Beziehung zwischen David und Jonathan ansehen, die trage homoerotische Züge. Die Frage ist nur: worauf stützen sich eigentlich solche Behauptungen? Etwa auf Aussagen wie diese, daß Jonathan David lieb hatte wie sein eigen Herz (1 Samuelbuch 18,3; 20,17) oder daß es heißt, daß sie sich geküßt hätten bei der Begrüßung (1 Samuelbuch 20,41) oder daß David in der Totenklage bezeugte, daß er große Freude und Wonne an Jonathan gehabt und seine Liebe ihm sonderlicher war als Frauenliebe (2 Samuelbuch 1,26)? Keiner dieser Ausdrücke besagt tatsächlich etwas über erotische Beziehungen. Der Kuß bei der Begrüßung war schon damals und ist bis heute im Orient etwas Übliches, wir finden in der Bibel mehrfach Hinweise: z.B. Laban und Jakob (1 Mose 29,13), Esau und Jakob (1 Mose 33,4), Joseph und seine Brüder (1 Mose 45,15). Der Begriff "Liebe", das sollte man sich in dem durch Sigmund Freud, Wilhelm Reich und die (neomarxistische) Frankfurter Schule völlig sexuell verbogenen Denken unser Zeit wieder einmal klar machen, umfaßt weitaus mehr als nur den erotischen oder sexuellen Bereich. So beinhaltet auch der hebräische Begriff 'ahab', der im 1 Samuelbuch an den beiden Stellen verwendet wird, nicht nur die geschlechtliche Liebe, sondern ebenso auch freundschaftliche Zuneigung (1 Samuelbuch 16,21), elterliche Liebe (1 Mose 25,28), die Liebe zu Gott (5 Mose 6,5; 1 Königebuch 3,3), Gottes Liebe zu uns (Prophet Jesaja 43,4) aber auch die Liebe zu irgendwelchen Dingen (1 Mose 27,4.9) (s. Siegfried; Stade a.a.O. S. 12). Gerade die Bibel legt ja sehr großen Wert auf die Bruderliebe, nämlich zwischen Glaubensgeschwistern (griechisch: philadelphia), und die Nächstenliebe (griechisch: agapee), nämlich die aus dem Glauben an Christus kommende hingebende, dienende, demütige Liebe zum Nächsten. Beide haben nichts mit Sexualität zu tun oder erotischen Begierden. Und um solch etwas, die philadelphia, Bruderliebe, handelte es sich bei David und Jonathan. Das zeigt sich schon daran, daß ihre Beziehung eine solche unter dem Wort Gottes war, denn der Bund, den sie miteinander schlossen, war ein Bund im Herrn (1 Samuelbuch 20,12.42), und spricht ja David ausdrücklich 2 Samuelbuch 1,26 von "mein Bruder Jonathan".

 

 

2. Die Aussagen zur Homosexualität im Neuen Testament

 

    Nicht nur im Alten Testament nimmt Gott Stellung zur Homosexualität, sondern ebenso auch im Neuen. Daher ist es umso wichtiger, daß wir uns gerade auch diese Stellen näher ansehen. Diese Hauptstelle im Neuen Testament darüber befindet sich zweifelsohne im ersten Kapitel des Römerbriefes. Nachdem der Apostel nach dem Eingangsgruß das Thema des Römerbriefes in den Versen 16 und 17 herausgestellt hat - nämlich daß wir allein durch den Glauben, allein aus der Vollmacht des Evangeliums selig werden, entfaltet er nun zunächst unsere Situation, die, nach Vers 18, überschrieben werden könnte: Der verlorene Mensch unter Gottes Zorn. Denn vom Zorn Gottes (orgee theou) ist die Rede, der über alles gottlose Wesen, das ist: über die Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen (asebeian kai adikian anthroopoon) geht. Solche Menschen werden grundsätzlich so beschrieben: sie halten die Wahrheit in Ungerechtigkeit gefangen (teen aleetheian en adikian katechontoon): sie wissen um die Wahrheit, aber sie dienen ihr nicht, sondern dienen der Ungerechtigkeit, verfälschen die Wahrheit. Diese Ungerechtigkeit steht in bewußtem Gegensatz zu der Gerechtigkeit Gottes oder der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt (dikaiosynee theou), die Gott uns durch Christus schenkt, zueignet. Damit wird deutlich, wie die Menschen, die Gott hier durch seinen Apostel anspricht, Gott widerstreben. (Und wir dürfen bei dieser Behandlung einer besonderen Gruppe darum nicht vergessen: Gott meint mit diesen Ungerechten einen jeden Menschen, wie er von Natur ist, also ohne den Glauben an Christus, nach seinem natürlichen Wesen, das Gott nur widerstrebt. Da ist niemand, der sagen könnte, auf ihn träfen diese Worte Gottes nicht zu. Deshalb hat auch keiner das Recht, sich über die Homosexuellen zu erheben, nur weil er von dieser verschont blieb. Er steckt ja vielmehr für seinen Teil in anderen, die ihn zur Hölle bringen, wenn er nicht Buße tut und allein darauf vertraut, daß Christus auch seine Schuld, Versagen, Sünde, Übertreten des Willens, der Gesetze Gottes völlig gesühnt hat.)

    Gott beschreibt die Menschen, die gegen sein Wort, gegen seine Offenbarung in Gesetz und Evangelium leben und denken dann in Vers 21 so: sie sind eitel gemacht worden (emataioothesan) in ihrem Willen (en tois dialogismois autoon) und ihr unverständiges Herz ist verfinstert (eskotithee hee asynetos autoon kardia). Hier tritt schon das Gericht Gottes an diesen Menschen hervor: sie sind eitel gemacht worden in ihrem Wollen, Denken, Entschließen, eben weil sie sich abgewandt haben von Gott. Darum hat Gott ihren Weg sie gehen lassen ins Verderben und sie auch in dieses Verderben dahingegeben, daß sie in der Finsternis stecken. Ihr Herz war unverständig, wollte keinen Verstand annehmen - nun kann es kein Licht mehr finden, keine wirkliche Weisheit. Das ist eine ganz ernste Warnung: wer fortwährend gegen Gottes Wahrheit sich verschließt, rebelliert, den trifft dann schon hier Gottes Gericht, daß er ihn der Sünde dahingibt. Solche Menschen dünken sich, Vers 22, wohl noch weise - aber tatsächlich sind sie, in den Augen Gottes, 'Narren', 'voll Unverstand'.

    Noch schlimmer dann die Gerichtsaussage in Vers 24: Hier werden die Folgen der Gottlosigkeit ganz offenbar: Gott liefert die in der Sünde, in der Gottesferne, in der Gottgegnerschaft beharrenden Menschen aus an die Sünde - und zwar an schlimme Sünden, auch im sexuellen Bereich (dio paredooken autous): nämlich in die Lüste und Begierden ihres Herzens, daß sie nun schier Gefangene dieser Begierde sind und immer tiefer darinnen versinken, in der Lasterhaftigkeit, im Schmutz: daß sie ihre Leiber, die doch eigentlich ein Tempel Gottes, ein Tempel des Heiligen Geistes sein sollten (1 Korintherbrief 3,16; 6,19), verunehren. Es werden da nun verschiedene Dinge aufgezählt, angefangen mit der Verunehrung an sich selbst, das ist der Selbstbefriedigung.

    Die für unser Thema entscheidenden Verse sind 26 und 27. Zunächst spricht Gott die Frauen an: "Darum hat sie GOTT auch dahingegeben in schändliche Lüste. Denn ihre Weiber haben verwandelt den natürlichen Brauch in den unnatürlichen." Gott hat sie in ihrer Gottlosigkeit dahingegeben (paredooken) in die Leidenschaft der Unehre, der Schande (eis pathee atimias): sie stecken also zutiefst in böser, übler, unehrenhafter Leidenschaft darinnen. Und welche ist dies? Sie "haben verwandelt den natürlichen Brauch in den unnatürlichen". Was damit gemeint ist, belegt der folgende Vers, der dann von den Männern spricht und mit "desselbigengleichen" (homoioos = gleich, ebenso) beginnt: nämlich auch die Männer haben den natürlichen Brauch der Frau (also den gegengeschlechtlichen Verkehr, verlassen "und sind aneinander erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande gewirket". Hier wird deutlich die Homosexualität beschrieben als der unnatürliche Verkehr, eben der gleichgeschlechtliche. Der gegengeschlechtliche Verkehr dagegen, das ist der natürliche Gebrauch, die natürliche Ordnung Gottes (teen physikeen chreesio tees theeleias). Aber der wurde verlassen. Und das Ergebnis? Eine umso schrecklichere Begierde, ein Brennen darauf, in der Unart, in der unnatürlichen, gottwidrigen Ordnung zu wandeln. Der hier im Griechischen verwendete Begriff 'orexis' kommt nur an dieser Stelle im Neuen Testament vor. Der bezeichnet in der griechischen Profanliteratur (nach Walter Bauer: Griechisch-deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur. 5., verb. und stark verm. Aufl. Berlin 1958. Sp. 1149) die geschlechtliche Gier in einem üblen Sinne. Der Vers lautet: "Desselbigengleichen auch die Männer haben verlassen den natürlichen Brauch des Weibes und sind aneinander erhitzet in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande gewirket und den Lohn ihres Irrtums (wie es denn sein sollte) an sich selbst empfangen."

    Die Homosexalität wird also auch hier eindeutig und unmißverständlich beschrieben als etwas Unnatürliches, der Schöpfungsordnung Gottes Zuwiderlaufendes. Noch mehr, sie ist nicht irgendeine Sünde, wie sie uns täglich unterläuft, nein, sie trägt den Charakter des Gerichtes an sich, dahingegeben zu sein. Homosexualität kommt, das sagt dieser Abschnitt klar, aus der Gottlosigkeit und ist ein Weg in immer tiefere Gottferne. Sie ist, wie es Gott hier sagt, Unanständigkeit, eine schamlose Tat (aschenoosynee), die entsprechende Folgen hervorruft.

    Wer meint, Homosexualität sei nur eine andere Form von Liebe, der wird hier von Gott eines anderen belehrt: diese Ansicht ist ein gewaltiger Irrtum (planee) und hat auch dementsprechend seinen Lohn - an sich selbst: den Gegenlohn des Irrtums empfangen die Homosexuellen an sich selbst. (Ob man es also wahrhaben will oder nicht: daß gerade diese Kreise in besonderer Weise für Geschlechtskrankheiten und für Aids anfällig sind, das ist kein Zufall - das ist Gottes unerbittliches Gericht und zugleich ein nochmaliger scharfer Ruf zur Buße und eine Warnung an uns alle, diesen Weg nicht zu betreten.)

 

    Noch an einer weiteren Stelle geht Gott auch auf die Homosexualität ein, nämlich im ersten Korintherbrief, im sechsten Kapitel. Da heißt es Vers 9 f.: "Wisset ihr nicht, daß die Ungerechten werden das Reich GOTTES nicht ererben? Lasset euch nicht verführen: weder die Hurer noch die Abgöttischen noch die Ehebrecher noch die Weichlinge noch die Knabenschänder noch die Diebe noch die Geizigen noch die Trunkenbolde noch die Lästerer noch die Räuber werden das Reich GOTTES ererben." Auch in der Revision von 1984 ist der Begriff 'Knabenschänder' gebraucht. Das Wort 'arsenokoitai aber ist, s. Bauer, a.a.O. S. 218, weiter, nämlich jemand, der mit Männern (und dazu können auch Knaben gehören) Unzucht treibt, schließt also die Knabenschänder mit ein, nachdem ja der vorhergehende Begriff - malakoi, "Weichlinge" (in der Revisionsbibel: Lustknaben) - auch nicht bloß, s. Bauer, a.a.O. S. 466, Knaben meint, sondern weiter ist, Männer und Jünglinge umfaßt, die an sich homosexuelle Handlungen vollziehen lassen. In der King James Version heißt es daher für arsenokoitai auch 'abusers of themselves with mankind' (auch in 1 Tim. 1,10), im Französischen (Segond, Version revue 1975) 'les homosexuels' (ebenfalls in 1 Tim. 1,10). Das ist auch die tatsächliche bedeutung. Paul Edward Kretzmann spricht daher in seinem Kommentar (Popular Commentary of the Bible. New Testament. Vol. 2. St. Louis, Mo. o.J. S. 114.372) auch von den 'Sodomites', also den sodomitischen Sünden, die ja, wie oben gesehen, die Homosexualität meinen. Das gibt ja das Wort 'arsenokoitai' selbst an, das eine Zusammensetzung ist aus 'arsen = männlich' und 'koitee = Beschlaf (Römerbrief 13,13 auch: geschlechtliche Ausschweifung). Es geht hier also eindeutig um Homosexualität, ebenso an der dritten Stelle im Neuen Testament, bei der die gleichen Wörter verwendet werden, 1 Tim. 1,10.

    Der Vers im Korintherbrief steht in dem Zusammenhang, in dem der Apostel die korinthische Gemeinde davor warnt, in alte Sünden zurückzufallen. Es ging zunächst um die Rechthaberei, wegen deren sie dem Prozessieren gegeneinander in der Gemeinde begonnen hatte. Und da erinnert und ermahnt Gott sie eindringlich durch seinen Boten, daß die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben, das ist, nicht in die ewige Herrlichkeit eingehen, sondern der ewigen Verdammnis, dem ewigen Gericht anheimfallen. Und zu denen, die mit den 'Ungerechten' gemeint sind, denn einige hebt er besonders hervor, zählt er auch die Homosexuellen, also die, die dieses Verhalten weiter kultivieren und nicht als Sünde und Schuld erkennen und darüber Buße tun. Auch hier also haben wir die unmißverständliche Erklärung Gottes: Homosexualität ist Sünde, und wer ihr frönt, der kann nicht ein Gotteskind, ein Erlöster, ein rechtschaffener Christ sein, sondern geht der Hölle entgegen.

    In 1 Tim. 1,8-10, wo wir in Vers 10 den gleichen Ausdruck haben , werden die Homosexuellen ebenfalls zu den Ungerechten und Ungehorsamen gezählt, zu solchen, die der heilsamen Lehre zuwider sind, denen daher zunächst das Gesetz mit aller Schärfe zu predigen ist, damit sie Buße tun.

 

 

3. Gottes Hilfe und Befreiung

 

    Gibt es also keinerlei Ausweg für Homosexuelle? Ist deren Verdammnis von Gott beschlossene Sache? Hat die Kirche ihnen gegenüber keinerlei Auftrag, als ihnen Gesetz und Gericht zu verkündigen? Doch!! Der Gott, der in Jesus Christus die Welt, also alle Menschen, mit sich versöhnte, 2 Korintherbrief 5,17.18, dieser Gott hat auch die Homosexuellen männlichen und weiblichen Geschlechts mit sich versöhnt. Jesus Christus, der Gottmensch, ist das Lamm Gottes, das nicht bloß der Verschiedengeschlechtlichen Sünden trug, sondern der Welt Sünde, Johannesevangelium 1,29; und dazu gehören auch die Homosexuellen. Er ist deshalb die Versöhnung der Sünde nicht bloß einiger weniger, sondern der ganzen Welt, also aller Menschen, auch der Homsexuellen, 1 Johannesbrief 2,2. 

    Was heißt das? Auch Homosexualität ist eine Sünde, die Jesus an seinem Leibe auf das Kreuz geopfert hat, 1 Petrusbrief 2,24a, auf daß die Betroffenen ihr nicht mehr fröhnen, sondern nach Gottes Ordnung leben, 1 Petrusbrief 2,24b. Christus hat auch für diese Sünde bezahlt, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem teuren Blut und seinem unschuldigen Leiden und Sterben, 1 Petrusbrief 1,18.19. Auch die Homosexuellen, wie alle anderen, die er mit Gott versöhnt hat, sollen unter ihm, Christus, in seinem Reich leben und ihm dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, Römerbrief 6,18-21; 12,1.2; Epheserbrief 4,22-24.

    Meint dies, sie könnten der Homosexualität weiter leben? Nein, wie sollten sie denn weiter der Sünde leben, der sie abgestorben sind? Römerbrief 6,1.2. Es gibt Befreiung von, Erlösung aus der Homosexualität! So unendlich schwer der Weg in der Praxis auch ist - er ist nicht unmöglich. Denn auch im Blick auf die in Vers 9 angesprochenen Homosexuellen heißt es im ersten Korintherbrief 6,11: "Und solche sind euer etliche gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiliget, ihr seid gerecht worden durch den Namen des HERRN JESU und durch den Geist unsers GOTTES." Das ist die Erlösungs-, Befreiungsbotschaft. Sie sind so gewesen, früher, einige der Korinther. In der korinthischen Gemeinde gab es also solche, die früher homosexuell waren. Aber wie gesagt: waren!! Aber das wurde abgewaschen in der heiligen Taufe; durch den Glauben an Christus sind sie geheiligt, Gott geweiht, von der Herrschaft der Sündenmacht erlöst, frei gesetzt. Nicht, daß die Sünde nicht immer wieder nach ihnen griffe, durch Gefühle, Erinnerungen, plötzliche Begebenheiten: aber selbst wenn die Lust aufkommt: sie haben in Christus die Kraft ihr entgegenzutreten, im Namen Jesu, und sie wieder niederzukämpfen. Ja, es kann auch vorkommen, daß sie fallen, daß sie rückfällig werden. Aber auch hier gilt für sie das Wort: "Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, daß ihr nicht sündiget. Und ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, JESUM Christum, der gerecht ist. Und derselbige ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für die der ganzen Welt." 1 Johannesbrief 2,1.2. Wenn sie in Buße wieder zu Christus kommen, so wäscht er sie auch wieder rein: "So wir aber unsere Sünde bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünde vergibt und reiniget uns von aller Untugend." 1 Johannesbrief 1,9.

    Wie also kommt einer, der in der Homosexualität gefangen ist, frei? So, wie es beschrieben ward: durch das Gesetz erkennt er: das ist nicht eine andere Form von Liebe, das ist nicht bloß eine andere Neigung, das kann ich nicht abschieben auf die, die mich früher mißbraucht oder verführt haben - so schuldig die auch selbst geworden sind -, nein, diese meine Haltung und Tat - das ist Sünde, vor Gott ganz verwerfliche Sünde, für die er mich verdammt, für die ich ewig in der Hölle gestraft werde. Das ist das erste. Aber das ist nicht alles. Denn dann, wenn er das erkannt hat, dann ist da ja der Raum, das andere zu fassen: Aber Jesus hat auch diese meine Sünde am Kreuz getragen, er hat auch dafür geblutet, er ist auch dafür gestorben, er hat auch mich erlöst, er hat auch mich mit Gott versöhnt. Ja, darauf vertraue er, das halte er fest gegen alles, was sich auch in ihm oder von anderen Menschen dazu aufbäumen mag. Das heißt 'glauben'. Und wie sagt die Bibel: Glaube an den HERRN JESUS Christus, so wirst du selig, das ist: errettet, befreit, rlöst, bist ein Gotteskind, an Gottes Hand, hast die Vergebung der Sünden, das ewige Leben im Himmel. Und wer diesen Glauben empfangen hat, der schließe sich an eine bibeltreue Gemeinde an, die ihn mitträgt, für ihn betet, ihm hilft; in der er, wenn es noch nicht geschehen ist, auch getauft werden sollte; in der er gestärkt wird durch die Predigt und auch Christi Leib und Blut im heiligen Abendmahl in, mit und unter Brot und Wein empfängt zur Versicherung und Vergewisserung seiner Erlösung.

    Das ist Gottes ganze Botschaft für die, die in der Homosexualität stecken - das Gesetz zunächst, oh ja, dann aber vorallem auch: die Erlösung, Befreiung, die er schenken will. Glaube an Christus, wo wirst du selig, erlöst befreit.