Grundkonzeption der freien christlichen Schule als Gemeindeschule

 

1. Freie christliche Schule oder konfessionelle Gemeindeschule?

 

Die Konzeption der freien christlichen oder evangelischen (bzw. evangelikalen) Bekenntnisschulen ist unterschiedlich. Die meisten Schulen sind durch einen Trägerverein gegründet und werden von ihm getragen. Dieser Trägerverein seinerseits ist zumeist, geistlich, aus verschiedenen Hintergründen zusammengesetzt, die sich teilweise in der Evangelischen Allianz finden, teilweise auch noch außerhalb davon stehen. Das heißt damit aber auch, dass die geistliche Basis relativ breit ist. Das mag dem evangelikalen Verständnis durchaus entsprechen, das keine klare konfessionelle Ausrichtung kennt. Dies führt dann aber nicht zuletzt im Religionsunterricht zu Problemen, aber auch im Blick auf die geistliche Beurteilung anderer Konfessionen (etwa der Pfingstler) und von vielen modernen Richtungen, die auch im einst eher konservativen evangelikalen Raum um sich gegriffen haben (etwa Willow Creek, Saddleback, Rockmusik, Spring).

Dass dies die sehr weit verbreitete Grundlage der freien christlichen Schulen ist, liegt aber nicht zuletzt daran, dass weithin in den Gemeinden, und zwar auch in den konservativen oder doch bibeltreu sein wollenden, die geistliche Erkenntnis nur sehr gering vorhanden ist, dass hier eine Aufgabe der Eltern und der Gemeinde vorliegt, um die ihnen vom Herrn anvertrauten Lämmer recht zu weiden und auch zu bewahren. Dass das Elternhaus der eigentliche Ort der Erziehung ist, das wird, erfreulicherweise, allgemein von den freien christlichen Schulen anerkannt und darum auch der Kontakt zum Elternhaus und die Einbindung der Eltern in den schulischen Ablauf sehr gefördert. Dass aber auch die Gemeinde eine Verantwortung trägt, das wird zumeist nicht gesehen. Und doch ist es so, dass nicht nur die Eltern für die Erziehung der Kinder verantwortlich sind, sondern auch die Gemeinde und deren Hirten und Lehrer (Johannes 21,15: Weide meine Lämmer!) Diese Verantwortung umfasst die geistliche Erziehung und Prägung der Kinder und Jugendlichen, und das umso mehr, als, trotz mancher schöner Sätze in einigen Landesverfassungen, die öffentlichen Schulen keine konfessionellen Bekenntnisschulen sind, ja, nicht einmal einen allgemein „christlichen“ Charakter mehr haben. Dies kann allerdings auch bei einem Staat, der sich als „weltanschaulich neutral“ versteht, gar nicht anders erwartet werden. Und, wie die Vorgänge in Brandenburg und Berlin zeigen, er wird immer unchristlicher, ja, antichristlicher werden. Und selbst wenn er noch „christlich“ wäre, wie sollte er die biblisch-konfessionelle Erziehung gewährleisten wollen? Diese gehört tatsächlich gar nicht zu seinen Aufgaben. Leider ist die Zwei-Reiche-Lehre von der Unterscheidung und Trennung von Kirche und Staat (Matthäus 22,21) auch in christlichen Kreisen wenig bekannt, und ihre Konsequenzen werden noch weniger erkannt.

Es ist dabei auch sehr betrüblich, dass weithin noch die Meinung vorherrscht, wenn nur ein guter Religionsunterricht gegeben sei – und der mag ja hier und da tatsächlich noch vorhanden sein –, dann sei alles in Ordnung. Aber das ist falsch gedacht. Wie der Religionsunterricht abläuft, das hängt völlig vom einzelnen Lehrer ab – aber selbst der ist gebunden an Lehrpläne, die von einem immer unchristlicheren Staat erstellt werden. Es würde Zeit, dass allgemein erkannt würde, dass der weltliche Staat mit Religion nicht zu schaffen hat und auch nicht darf, das heißt, dass er mit dem Religionsunterricht nichts zu tun haben darf, ihn aber ebensowenig durch einen ideologischen Unterricht ersetzen darf. „Religion“, um dieses allgemeine Wort zu verwenden, ist Sache der Kirchen und Gemeinden.

Christliche Eltern wissen, dass es ihre allerheiligste Pflicht ist, und sie haben ja auch das allerherzlichste Begehren, dafür zu sorgen, dass ihre ihnen von Gott anvertrauten Kinder nicht nur in weltlichem Wissen, sondern vor allem und sobald als möglich in Gottes rettendem und wahre Gottseligkeit schaffenden Wort, der Heiligen Schrift, unterwiesen werden, Epheser 6,4; 5. Mose 6,6-7; Sprüche 22,6; Jesaja 54,13. Aber die allerwenigsten Eltern haben die Zeit und das Geschick, dies in vollem Umfang selbst zu leisten. Und noch weniger haben die finanziellen Mittel, sich selbst einen Lehrer anzustellen. Darum ist es die Aufgabe und Pflicht der christlichen Gemeinden, für die Kinder ihrer Glieder christliche Schulen aufzurichten, in welchen sie nicht nur einen umfangreichen Biblischen Unterricht empfangen, sondern der gesamte Unterricht in die Hände christlicher Lehrer gelegt ist – und zwar einer Lehrerschaft, die eins ist in der Lehre und damit auch im Glauben und Bekennen. Das ist ganz wichtig, dass die Schüler erkennen können, dass die Lehrer in der Gemeinde, in der sie selbst sind, auch leben, sich betätigen, oder doch zumindest in mit dieser verbundenen Gemeinden.

Es ist völlig irrig zu meinen, die Sonntagsschule, der Kindergottesdienst oder die Jungschar reichten für die geistliche Unterweisung der Kinder aus. Diese Einrichtungen haben ihren Sinn, missionarisch wie gemeindlich, aber sie sind nicht ausreichend.

Und vor allem ist es wichtig, dass ein Irrtum abgelegt wird: Es gehe in einer freien christlichen Schule nur darum, einen guten Religionsunterricht zu haben, der an der Bibel und dem Bekenntnis orientiert sei. Das ist weit gefehlt. Alles, was auf einer Schule gelehrt wird, ist in einem stärkeren oder schwächeren Maße nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch prägend für die Persönlichkeit des Kindes, seinen Ansichten, seiner Haltung, seiner Stellung zu anderen Menschen, zur Obrigkeit, zum Kind im Mutterleib, zu Menschen anderer Völker und Religionen, Römer 12,2; 2. Korinther 10,3-5; 5. Mose 6. Es geht darum, wovon das Denken, Wollen, Fühlen, die Sehnsüchte, die Phantasie, kurz: die ganze Weltanschauung der Kinder geprägt wird. Und: Es geht darum, dass das Kind angeleitet wird zu einem heiligen, Gott wohlgefälligen Leben in allen Bereichen. Es geht, wie aus Lukas 2,52 zu ersehen ist, um die geistliche, die soziale, die geistige und die physische Entwicklung des Kindes. Nur die christliche (Gemeinde-)Schule bietet die Gewähr, dass diese Entwicklung zu einer einheitlichen, aus dem Evangelium kommenden, Entwicklung wird und nicht in einer staatlichen (oder einer konfessionell nicht festgelegten christlichen) Schule das wieder eingerissen wird, was in der Gemeinde aufgebaut wird. Das heißt: Ob der Lehrer Christ ist oder nicht, das zeigt sich nicht nur im Religionsunterricht, sondern etwa auch in Fächern wie Deutsch, Erdkunde, Sachkunde, Heimatkunde, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Biologie, den Sprachen, Kunstgeschichte. Es zeigt sich aber auch in den anderen Fächern, nämlich allein schon am Umgang der Lehrer mit den Kindern. Vielfach fällt es ja doch heute zumindest im Blick auf Biologie und Sexualkunde, zuweilen auch im Blick auf den Deutsch- und Geschichtsunterricht auf, dass vieles eben nicht mitgetragen werden kann, was an der Staatsschule unterrichtet wird.

 

 

2. Die konfessionelle Gemeindeschule

 

Das eigentlich vorgegebene Grundkonzept ist daher die christliche Gemeindeschule, die also Schule einer bestimmten Gemeinde – oder von mehreren Gemeinden eines Kirchenverbandes – ist und damit auch geistlich eine klare, einheitliche Prägung hat. Dass dies heutzutage zumeist nicht der Fall ist, ist sicher ein Notbehelf, da nur wenige Gemeinden ihre Aufgabe heute sehen – aber es stellt ein großen Problem dar, das noch größer wird dadurch, dass bei wachsender Schule dann notgedrungen auch Lehrer angestellt werden, die geistlich gar nicht zu der Schule passen (bis hin zu römisch-katholischen Lehrern an evangelikalen Schulen!).

Eine christliche, konfessionelle, Gemeindeschule aber bietet die beste Möglichkeit, a) ein Kind im biblischen Glauben zu unterweisen und darin zu fördern; b) ihm zu helfen, sich im Blick auf alle Bereiche des Lebens immer mehr als Christ zu entfalten und zu bewähren und c) es zu leiten, das Ziel eines jeden Gotteskindes im Auge zu behalten: das ewige Leben im Himmel. Siehe auch 2. Timotheus 3,15-17. Dazu reicht auch ein Religionsunterricht, wie er in den Staatsschulen vorgesehen ist, nicht aus, sondern bedarf täglicher biblischer Unterweisung und einer geistlichen Ausrichtung aller Fächer. An einer christlichen Gemeindeschule gibt es daher eigentlich keine „weltlichen“ Fächer, weil Gottes Wort Lehrer wie Schüler in der Vorbereitung der Stunden leitet, ebenso wie im Klassengespräch und in der Anwendung der Lektionen auf das Leben. In der christlichen Gemeindeschule beeinflusst damit Gottes Wort alles, was die Kinder lernen. Es kann und darf einer christlichen Gemeinde nicht gleichgültig sein, wie ihre Kinder geistlich ernährt, wohin sie von wem geistlich geführt werden. Es ist darum nur folgerichtig, dass bibel- und bekenntnistreue evangelisch-lutherische Gemeinden auch bestrebt sind, evangelisch-lutherische Gemeindeschulen zu errichten, wie dies besonders in den bekenntnislutherischen Synoden der USA (Lutheran Church – Missouri Synod, Wisconsin Evangelical Lutheran Synod, Evangelical Lutheran Synod, Lutheran Churches of the Reformation) der Fall ist. Hier haben wir die rechte, biblisch gegebene, Zuordnung von Elternhaus, Gemeinde, Kindergarten und Schule in geistlicher Einheit.

 

Das Ziel, das mit diesen Schulen verfolgt wird, lässt sich so zusammenfassen:

1. Gottes Wort gewissenhaft im Gehorsam gegenüber Gottes Gebot lehren, in Übereinstimmung mit den lutherischen Bekenntnissen.

Wir glauben, dass die Unterweisung in Gottes Wort mindestens soviel Aufmerksamkeit verdient wie die Unterweisung in Lesen und Rechnen.

2. Sorge treffen für die ewige und zeitliche Wohlfahrt des Kindes durch eine umfassende christliche Erziehung. Die Kinder sollen für die Zeit und die Ewigkeit vorbereitet werden. Um die Kinder auf das Leben auf Erden vorzubereiten, sollen die Kindern täglich Situationen des alltäglichen Lebens begegnen, damit ihr Verstand, Wollen und Wille und ihre Fähigkeiten, aus dem Glauben zu handeln, eingeübt werden. Um auf die Ewigkeit vorzubereiten, soll durch Gottes Wort rechte Gottesfurcht und Gottesliebe in die Herzen der Kinder gepflanzt werden, um sie so „weise zu machen zur Seligkeit durch den Glauben in Christus Jesus“ und ihnen Gottes Wort zu ihres „Fußes Leuchte und ein Licht auf ihrem Wege“ zu machen. Alle Fächer werden daher im Licht des Wortes Gottes unterrichtet.

3. Gründliche Unterweisung in den Artikeln der christlichen Glaubenslehre.

Die Kinder sollen unterwiesen und fest gemacht werden in der Lehre der Heiligen Schrift, in der Grundschule etwa vor allem anhand des Kleinen Katechismus. Sie sollen dabei nicht nur Wissen anhäufen, sondern die Bibel auch verstehen und die biblische Lehre im Leben anwenden können.

4. Vorbereitung der Kinder und Jugendlichen auf die geistlich-geistigen Gefahren, die ihnen in der Welt begegnen.

Die Kinder und Jugendlichen müssen, je älter sie werden desto stärker, gewappnet werden gegenüber den Gefahren, die ihnen von außen drohen, sowohl im geistlichen Bereich durch die vielerlei Bewegungen, aber auch im weltlichen Bereich, durch den Humanismus in seinen unterschiedlichen Ausprägungen und Auswirkungen auf die christliche Kirche und ihr Leben, ebenso wie auf Gefahren durch Drogen und andere Süchte (Nikotin, Alkohol) und auf den rechten Umgang mit den Medien.

5. Tägliche christliche Gemeinschaft als einer der stärksten Faktoren, um den Charakter zu prägen und ins christliche Leben einzuüben.

Da gerade der Umgang der Kinder für sie besonders prägend ist, im Guten wie im Schlechten, ist die Gemeinschaft mit anderen christlichen Kindern, gerade im Grundschulalter und in der Pubertät, wichtig und hilfreich, um den Charakter zu bilden und Erfahrungen im christlichen Leben zu fördern.

6. Als Christ Bürger im Staat sein, gegründet auf dem Gehorsam gegenüber Gott und seinem Wort.

Ein guter Christ sollte gerade dadurch, dass er bewusst und konsequent Gottes Wort folgt, auch ein guter Staatsbürger sein, immer auch mit der Maßgabe, dass aller Gehorsam da endet, wo er gegen Gottes Wort wäre.

 

Und: Eine christliche Schule sollte immer auch bestrebt sein, soweit es möglich ist, in allen Fächern eine wirklich gute Schule zu sein.

 

Übrigens: Die Sorge für die Kinder beginnt nicht erst mit der Schule. Sie beginnt bereits früher, nämlich mit der Kinderkrippe und dem Kindergarten. Es ist sehr traurig, dass auch hier viel zu wenig gesehen wird, wie wichtig bereits in diesem jungen Alter die Prägung der Kinder ist. Darum wäre es sehr wichtig, dass die Gemeinden auch christliche Gemeindekinderkrippen bzw. –kindergärten einrichten. Hier gibt es auch noch die Möglichkeit, dass Eltern sich zu Initiativen in der Gemeinde zusammenschließen und selbst eine Kinderbetreuung einrichten, die kein offizieller Kindergarten sein muss (denn der wäre sofort mit eine Menge behördlicher Auflagen verbunden). Dies kann in den kommenden Jahren, bei dem Bestreben des Staates, immer mehr die gesamte Kindererziehung in seine Gewalt zu bekommen, sehr wichtig werden, nämlich, so lange es noch möglich ist, eigene, staatsfreie Kinderkrippen und Kindergärten zu haben.

Christliche Kindergärten und christliche Schulen erfordern allerdings auch eine christliche Pädagogik. Auch hier sind wir als Christen gefordert, auf den Vorgaben der Bibel, in rechter Untscheidung von Gesetz und Evangelium, eine wirklich an der Schrift, und dabei schwerpunktmäßig am Evangelium, ausgerichtete Pädagogik zu entwickeln, die als eine echte Alternative zu Pädagogik der Staatsschule gelten kann, damit die freien christlichen Schulen nicht länger nur „Ersatzschulen“ sind, sondern „Alternativschulen“ und damit auch freier in der Gestaltung der Lehrpläne.

 

Damit sind christliche Gemeinden auch aufgerufen, dafür Sorge zu tragen, dass aus ihren Kreisen Erzieher und Erzieherinnen, Lehrer und Lehrerinnen hervorgehen. Sie sind zwar zunächst einmal Beauftragte der Eltern, aber nicht nur, sondern ebenso auch der Gemeinde, denn sie haben Teil an Aufgaben des Predigtamtes, die Lämmer zu weiden. Daher wäre es gut, wenn Gemeinden geeignete junge Menschen darauf ansprechen und sie zur Ausbildung schicken und dann auch für diesen Dienst senden und einsegnen.

 

 

Zu dem Thema christliche Erziehung, auch als Homeschooling, sei hingewiesen auf die von Pastor Dr. Paul Cates, Lutheran Churches of the Reformation, aufgebauten Faith Christian Ministries: www.faithchristianmin.org.

 

Hingewiesen sei auch auf die Seite des, allerdings nicht lutherischen, Fördervereins für christliche Schulen:

www.foerderverein-fuer-christliche-schulen.de

und den, allerdings ebenfalls nicht lutherischen, Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS):

www.vebs-online.de

 

Eine sehr ansprechende und interessante Konzeption bietet die Evangelische Schule in Hof/Oberfranken:

www.es-hof.de